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Update: 11.04.2018, 16:42 Uhr

Kindertransport

Kindertransport auf dem Fahrrad: Welches System ist das beste?




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Von Matthias G. Bernold

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Kindertransport auf dem Fahrrad: Welches System ist das beste? - © www.cosmicsports.de

Kindertransport auf dem Fahrrad: Welches System ist das beste? © www.cosmicsports.de

In vielen Lastenrädern können mehrere Kinder mitgenommen werden

In vielen Lastenrädern können mehrere Kinder mitgenommen werden© European Cyclists' Federation In vielen Lastenrädern können mehrere Kinder mitgenommen werden© European Cyclists' Federation

Für viele überzeugte Radfahrer bricht mit der Elternschaft ein neues Zeitalter an. Was früher einfach und problemlos möglich war, erscheint – mit dem Nachwuchs an Bord – deutlich komplizierter.  Um den Einstieg ins Radfahren mit Kindern zu erleichtern, liste ich an dieser Stelle einmal die verschiedenen Möglichkeiten des Kindertransports auf. Ich habe mit meinem kleinen Sohn alle genannten Varianten ausprobiert. Natürlich hat sich dabei für uns eine persönliche Präferenz ergeben. Ich versuche dennoch, die Vor- und die Nachteile so objektiv wie möglich darzustellen.

Option 1: der Anhänger

Wer ein Neugeborenes oder ein Baby im Alter von bis zu einem Jahr transportiert, für den ist dies wahrscheinlich die beste und einzige Option. Kombiniert mit einer Baby-Hängematte, reiten Sohn oder Tochter wie auf Wolken durch die Stadt. Durch den Überrollbügel aus Aluminium, Sicherheitsgurte und – gegebenenfalls – die Hängematte stimmen Komfort und Sicherheit.  Qualitätsträger wie der an unserem Croozer XXXX  - ich habe ihn samt Zubehör auf Will Haben für 800 Euro gekauft - haben außerdem ein Federungssystem, das an das Gewicht des Kindes angepasst werden kann.

Gute Option: Kindertransport mit dem Lastenrad

Gute Option: Kindertransport mit dem Lastenrad© Matthias Bernold Gute Option: Kindertransport mit dem Lastenrad© Matthias Bernold

Für viele Menschen gewöhnungsbedürftig ist die Tatsache, dass das Kind relativ weit weg und außerhalb des Gesichtsfeldes in einem eigenen Anhänger sitzt. Außerdem erfordert das Fahren mit Anhänger eine angepasste Fahrweise, die der erhöhten Breite des Gespannes Rechnung trägt.

Was auf den ersten Blick gefährlicher wirkt als der Transport auf dem eigenen Fahrrad, erweist sich – wenn man die Sache durchdenkt – als Vorteil. Im Falle eines Sturzes des Elternteils kippt nicht automatisch auch der Anhänger um. Selbst wenn das Worst-Case-Szenario eintritt und sich der Kinderanhänger überschlagen sollte, ist das Kind im Anhänger durch die Konstruktion besser geschützt.

Geschützt vor Wind und Winter-Wetter: Kleinkind im Anhänger

Geschützt vor Wind und Winter-Wetter: Kleinkind im Anhänger© Matthias Bernold Geschützt vor Wind und Winter-Wetter: Kleinkind im Anhänger© Matthias Bernold

Weitere Vorteile: Im Anhänger ist Platz, um Einkäufe und Kinderzubehör wie Trinkflaschen, Picknick-Decke und Windelarsenal unterzubringen. Das Kind ist bestens vor Wind, Wetter und Sonneneinstrahlung geschützt. Und: Einschlafen ist kein Problem, hier kippt keine Halswirbelsäule gesundheitsschädlich auf die Seite.

Nachteil: Der Anhänger braucht mehr Platz als ein Kindersitz auf dem Fahrrad. Für Ausfahrten muss er ans Rad gekoppelt werden. (Geübte brauchen hierzu maximal fünf Minuten.)

+ Leicht auseinander genommen
+ Baby Schlaffaktor: 100%
+ Sicherheit
+ Erlaubt Transport von Babys

In der Europäischen Union erlaubt, in Österreich verboten: Kindersitze auf dem Lenker oder auf dem Oberrohr. 

In der Europäischen Union erlaubt, in Österreich verboten: Kindersitze auf dem Lenker oder auf dem Oberrohr. © European Cyclists' Federation In der Europäischen Union erlaubt, in Österreich verboten: Kindersitze auf dem Lenker oder auf dem Oberrohr. © European Cyclists' Federation

– Nimmt mehr Platz ein
– Benötigt beim Fahren ein wenig Übung
– Teuer in der Anschaffung

Option 2: Kindersitze

Ich darf vorausschicken: Ich bin kein großer Fan von Kindersitzen. Warum das? Im Falle eines Sturzes fällt mein Sohn mit mir. Auch wenn ich vom Rad steigen muss, etwa um die Haustüre abzuschließen oder mir die Schuhbänder zuzubinden: Sofort entsteht das Risiko, dass mein Rad mit meinem Kind darauf umkippt. (Standard-Seitenständer plus hoher Schwerpunkt ist eine äußerst unsicher Kombination.)

Diese Gefährlichkeit dieser Transportlösung, selbst ohne Fremdeinwirkung, steht übrigens in Gegensatz zur subjektiven Wahrnehmung der meisten Fahrrad-Anfänger-Eltern: Die denken oft, sie würden dadurch die Sicherheit erhöhen, dass der Nachwuchs gleich hinter ihnen sitzt. Fahrradsitze, bei denen der Kindersitz vor dem Fahrer – etwa auf der Lenkstange oder auf dem Oberrohr angebracht sind – sind zwar in der EU gestattet, von der österreichischen StVO allerdings nicht.

Letzter Gedanke: Wenn mein Bub einschläft (was – sobald wir gemeinsam unterwegs sind – fast immer nach wenigen Minuten passiert –, hängt er auf dem Kindersitz in einer äußerst unangenehmen Position auf die Seite. Er selber staucht sich dabei den Rücken, mir fällt es dadurch schwerer, das Gleichgewicht zu halten.

+ Problemlose Kombination mit U-Bahn oder Zug
+ Preisgünstige Option
+ Spart Platz im Fahrradraum
+ Kind ist nah

– Fahrrad wird instabil
– Hoher Schwerpunkt
– Beim Abstellen: Neigt zum Umkippen
– Stürzt der Fahrer, stürzt auch der Passagier
– Nicht ideal, wenn das Kind einschläft: Kopf kippt zur Seite

Option 3: Transporträder

Dritte Option: Das Lastenfahrrad. Hier wird es unübersichtlich. Das liegt daran, dass es heute eine Vielzahl an Möglichkeiten gibt und viele Hersteller Transporträder anbieten, die für den Kindertransport optimiert sind. Cargo-Bikes gibt es in vielen Konfigurationen – etwa als einspurige oder mehrspurige Modelle (so wie mein Bullitt im Bild). Je nach Modell sitzen die Kinder vor oder hinter dem Fahrer. Wenn sie vorne sitzen, dann meistens in einer Transportkiste auf Kindersitzen.

Im Vergleich zu den anderen Kindertragen-Systemen bieten sie eine Vielzahl von Vor- und Nachteilen. Oft wird es damit möglich, gleich mehrere junge Passagiere zu befördern.

+ Bessere Handhabung als der Anhänger
+ Kinder sind näher am Fahrer, was die Kommunikation erleichtert
+ Einige Cargobikes bieten Platz für bis zu drei kleine Passagiere
+ Meine persönliche Meinung: mehr Fahrspaß
+ Viel Platz für andere Fracht- und Einkaufsartikel

– Ein Problem bei den meisten Lastenräder: sie sind zu groß, um sie mit U-Bahn oder Zug zu kombinieren
– Teuerer als die anderen Varianten





Schlagwörter

Kindertransport, Fahrrad

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-09 15:46:16
Letzte Änderung am 2018-04-11 16:42:26


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