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Update: 07.05.2018, 14:08 Uhr

Stvo

Mit Laser-Pistolen gegen die Radfahrer




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Von Matthias G. Bernold

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Freitritt - Der Radblog der "Wiener Zeitung".

Freitritt - Der Radblog der "Wiener Zeitung".© Wiener Zeitung Freitritt - Der Radblog der "Wiener Zeitung".© Wiener Zeitung

Wird dieser Tage im Facebook-Forum "Radfahren in Wien" rege diskutiert: Strafen gegen Radfahrer, die die vorgeschriebene Geschwindigkeit beim Queren von Kreuzungen überschreiten. Einem Radfahrer, der vor einigen Tagen auf dem Radweg Argentinierstraße stadteinwärts unterwegs war, wurde tatsächlich nach erfolgter Laser-Messung ein Strafmandat in Höhe von 30 Euro aufgebrummt, weil er schneller als 10 km/h unterwegs war.

In dem Forum postete der Radfahrer eine Kopie des Strafzettels und kommentierte so: "Kein Spaß, das glaubt Ihr nie!Gestern bin ich auf dem Radweg Argentinier Straße mit 19! Km/h bergab gefahren und wurde dabei von der Polizei mit der Laserpistole gemessen. Zum Glück hatte ich Ausweis und Bargeld mit, sonst hätte ich eine Anzeige bekommen. Da in den letzten Jahrzehnten fast alle Verkehrstoten durch Fahrradfahrer verursacht wurden, finde ich es natürlich völlig richtig, dass diese jetzt von unseren Freunden und Helfern gejagt werden."

Aus dem Vorfall lernen wir zweierlei. Erstens: Die Wiener Polizei hat offenbar wenig Wichtiges zu tun und vergeudet Zeit damit, Symbolpolitik zu exekutieren. Zweitens und viel wichtiger: Die Polizei hat Gesetze zu vollziehen, die offensichtlich unsinnig sind. Die Bestimmung in der StVO, wonach sich Radfahrer auf dem Radweg einer ungeregelten Kreuzung, obwohl sie Vorrang haben, nur mit 10 km/h nähern dürfen, darf man getrost als Schikane bezeichnen.

Der freilich wichtigste Punkt, der in dieser Debatte leider oft ausgeblendet wird: Nicht das Zuschnellfahren von einzelnen, das Handeln der Polizei oder eine idiotische Bestimmung in der StVO sind in der Argentinierstraße das größte Ärgernis. Sondern das Versagen der Stadtplanung, für diese Straße endlich eine vernünftige Verkehrsorganisation zu schaffen.

Was meine ich damit?

In der Argentinierstraße, die für Kfz als Einbahn geführt wird, steht den Autofahrern ein Fahrstreifen zu Verfügung. Während Radfahrende auf einen – viel zu schmal ausgestalteten – Radweg gezwungen werden. Aus den Seitengassen biegen Kfz-Lenker regelmäßig, ohne nach rechts zu schauen, in die Argentinierstraße ein. Dazu kommt, dass der Radweg fast ständig durch Baustellen oder Lieferverkehr blockiert wird.

Die Lösung für die Problematik läge auf der Hand: Radfahrer sollten bergab mit den Autos die Argentinierstraße nutzen. (Was durch das flotte Tempo beim Bergabfahren auch den Autoverkehr dort kaum verlangsamen würde.) Bergauf könnte man mit dem Radweg leben, wenn es zumindest keinen Gegenverkehr gibt. Gäbe es dazu auch noch Parkfläche, die für den Lieferverkehr reserviert ist, wären die meisten Probleme und Konfliktfelder auch schon entfernt.

Dass die Argentinierstraße in den letzten Jahren – trotz Wissen um ebenso einfache wie zweckmäßige Lösungen – so ist wie sie ist, betrachte ich als verkehrsplanerisches Armutszeugnis erster Güte. Umso mehr als es sich bei der Radverbindung Argentinierstraße um eine essentielle Rad-Verbindung aus dem Zentrum zum Hauptbahnhof handelt.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-07 13:47:25
Letzte Änderung am 2018-05-07 14:08:19



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