• vom 21.06.2018, 10:27 Uhr

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Update: 21.06.2018, 13:16 Uhr

Kidical Mass

"Aufgepinselte Striche am Straßenrand sind für Kinder zu wenig"




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Von Matthias G. Bernold

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Die erste Kidical Mass in Wien - © Margit Palman

Die erste Kidical Mass in Wien © Margit Palman

Ein radelnder Drache als Symbol für die Kidical Mass Wien

Ein radelnder Drache als Symbol für die Kidical Mass Wien© Illustration: Daniela Schulhofer Ein radelnder Drache als Symbol für die Kidical Mass Wien© Illustration: Daniela Schulhofer

Urlaubsbedingt mit etwas Verspätung hier mein Beitrag zur ersten Wiener Kidical Mass, die am Samstag, dem 26. Mai 2018, in Wien stattfand. Ich nahm mit dem Lastenrad und meinem kleinen Buben als Passagier an der Rundfahrt teil. Die Kidical Mass ist das familienorientierte Gegenstück zur Critical Mass (CM) speziell für Kinder und Eltern. (Die Critical Mass, nur der Vollständigkeit halber, bezeichnet Kundgebungen für mehr Raum für Radfahrende. Die internationale Bewegung gibt es in den meisten großen Städten. In Wien etwa wird jeden dritten Freitag im Monat gemeinschaftlich geradelt.)

An der Kidical Mass nahmen rund 400 Personen teil. Die Ausfahrt wurde von der Polizei mit Motorrädern und Fahrrädern begleitet. Die Fahrt begann am Museumsquartier und führte quer durch die Innenstadt, über die Lände bis zum Praterstern. Im Grünen Prater endete die Tour dann mit einem informellen Picknick auf einer der großen Wiesen.

Information

Die Kidical Mass ist das familienorientierte Pendant zur Critical Mass. In immer mehr Städten organisieren Radfahrer diese Rundfahrten für Kinder und Eltern, um auf Infrastrukturmängel hinzuweisen. Seit Mai gibt es die Kidical Mass auch in Wien.

Von ein paar hektischen Momenten in der Innenstadt abgesehen, als der Tross der Mitradelnden sehr weit auseinandergezogen war, war die Wiener Kidical Mass ein tolles Erlebnis. Die Kinder waren hellauf begeistert, die Reaktionen der Passanten am Straßenrand durchwegs positiv.

Nach Wien geholt wurde die Kidical Mass von Florian Klein, der das Event mit Hilfe der Radlobby Wien organisierte. Hier mein Interview mit ihm.

Freitritt: Warum Kidical Mass in Wien?

Florian Klein: Um zu zeigen, dass viele Kinder gerne in Wien Radfahren und auch gerne mehr Radfahren würden. Aber ihnen fehlt etwas wichtiges: Sichere Infrastruktur, um die täglichen Wege mit dem Fahrrad zu erledigen. Die wenigen guten, baulich getrennten Radwege sind überlastet. Das, was die Stadt uns zumeist als Infrastruktur verkaufen will, die aufgepinselten Striche am Straßenrand, ist für Kinder nicht geeignet. Ich weiß ganz gut, wie man sich als Elternteil im Straßenverkehr fühlt: Mein achtjähriger Sohn radelt mit unserer Begleitung jeden Tag in die Schule.

Woher kommt die Idee?

Kidical Mass-Events verbreiten sich im deutschen Sprachraum und darüber hinaus gerade sehr schnell. Es vergeht kaum ein Wochenende, an dem nicht in irgendeiner Stadt diese Rundfahrten stattfinden. In Berlin war zum Beispiel am Tag nach unserer Kidical Mass wieder eine. Das geht dort schon in die Tausenden Teilnehmer. Das wird wirklich viral.

Die Critical Mass gibt es schon seit geraumer Zeit. Warum kommt erst jetzt die Idee auf, so etwas auch für Kinder zu machen?

Vermutlich weil diejenigen, die sich für das Radfahren engagieren und lange mit der Critical Mass gefahren sind, jetzt selbst Kinder im Radfahr-Alter haben. Es ist natürlich ein Vorteil, dass Kinder grundsätzlich freundlicher aufgenommen werden.

Glaubst du, hat man mehr verkehrspolitischen Impact, wenn Kinder in so einer Kundgebung mitfahren?

Impact bin ich mir nicht sicher. Aber zumindest eine positivere Reaktion, bei denen, die da kurzzeitig behindert werden. Kinder haben immer einen Pluspunkt. Auch das Image in der Presse ist positiver: Ein Kinderfoto gibt einfach mehr her, als ein Stockfoto von irgendwelchen Radrowdies.

Jetzt bist du selbst bei unzähligen CMs mitgefahren. Hast du das Gefühl, dass wenn man als Elternteil an einer Kidical Mass teilnimmt, anders wahrgenommen wird?

Es ist nicht ganz vergleichbar, weil die CM an einem Freitagnachmittag im Hauptberufsverkehr stattfindet. Und die Kidical Mass war am Wochenende, wenn auf der Straße meistens ein anderes Klima herrscht. Aber ja, Kinder werden positiver aufgenommen.

Ich habe keinen einzigen Taxler schreien hören: Es Arbeitslose, schleicht’s eich! Etwas, das bei CMs häufiger passiert…

Das Argument greift hat bei Kindern eben nicht (lacht).





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-21 10:28:12
Letzte Änderung am 2018-06-21 13:16:16


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