• vom 11.08.2018, 06:15 Uhr

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Update: 11.08.2018, 08:32 Uhr

Raptor

Fahrradbrille mit Augmented Reality im Test: Teil 1




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Von Matthias G. Bernold

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Unboxing: So sieht die Verpackung des Raptor aus

Unboxing: So sieht die Verpackung des Raptor aus© bernold Unboxing: So sieht die Verpackung des Raptor aus© bernold

Es ist dies Teil Eins eines Test der Fahrrad-Brille "Raptor" mit Augmented Reality. Dieser Bericht befasst sich lediglich mit der ersten "Anprobe" und dem Konfigurieren des Gerätes. Ein Fahrbericht folgt in Kürze.

Seit einiger Zeit schon suche ich nach Smart-Glasses, also Brillen mit Kommunikations- und Ortungsfeatures, zum Rennradfahren bzw. für Radreisen. Die üblichen Lösungen – Smartphone oder Fahrrad-Computer am Lenker – haben sich für mich nicht wirklich bewährt: Die Fahrrad-Computer, die ich bisher getestet habe, darunter Geräte von Garmin und Teasi, waren kompliziert zu bedienen bzw. fehleranfällig. (Speziell das Teasi brachte mich während einer Radreise von Wien nach Holland an den Rande des Nervenzusammenbruchs.) Beim Handy wiederum ist häufig die Akkuleistung ein Problem, und das Display spiegelt störend im Sonnenlicht.



Abgesehen davon finde ich die Idee faszinierend, dass Informationen wie Geschwindigkeit, zurückgelegte Kilometer, vor allem aber eben Karte und Navigations-Hinweise eingeblendet werden, ohne dass man den Blick von der Fahrbahn lösen muss.

Soweit die Ausgangslage und der Grund für mein Interesse am Raptor, auf den ich vor ein paar Wochen im Internet stieß. Die Promotion-Videos dazu waren vielversprechend. Obwohl das Gerät erst seit August 2018 offiziell im  Handel ist, gibt es bereits erste Testberichte auf YouTube. Zudem blickt Hersteller Everysight, ein Spin-Off des israelischen Rüstungskonzerns Elbit Systems Ltd, über einige Jahre Entwicklungsarbeit bei Augmented Reality-Gläsern zurückblicken.



Nach Kontaktaufnahme mit dem Unternehmen  erhielt ich nach wenigen Tagen eine der neuen Fahrrad-Brillen zu Testzwecken geliefert.

Unboxing

Die Box mit dem Gerät ist aufwändig gestaltet: ein dicker, mattschwarzer Karton, von dem sich Produktbezeichnung, Logo und ein Produktfoto mit glänzenden Schwarz, Grau und Silbertönen abheben. Offensichtlich hat hier ein Produkt-Designer viel Arbeit in die elegante Gestaltung investiert. Aber nicht nur die Oberflächen sind aufwändig  designed, auch die Haptik und Funktionalität der Verpackung: zunächst die Box aus der Kartonhülle nehmen, dann den unteren Teil wegklappen. Dann oben öffnen. Bis man alle Bestandteile – Ladekabel, Brille und Zubehör in den Händen hält – ist man ein paar Minuten dran. Macht Spaß. Das ganze erinnert ein bisschen an eine russische Matroschka- oder Babuschka-Puppe, wo in jeder Puppe eine weitere kleine Puppe steckt bis man irgendwann im Kern bei der kleinsten, unteilbaren Puppe angekommen ist. In unserem Fall steckt natürlich keine Puppe im Kern, sondern der Raptor in einem eigenen, robusten Etui – natürlich ebenfalls schwarz.



Was also ist der Schachtel Kern?

Das Gerät – größer als ich erwartet hatte – zeichnet sich dadurch, dass die Brillengläser in einem auffällig steilen Winkel nach innen zulaufen. Das liegt daran, dass die gesamte Technik des Gerätes im Rahmen oberhalb der Augen untergebracht ist. Was optisch dazu führt, dass die Augenbrauenpartie des Trägers überbetont wird. Ein komfortabler Nasenaufsatz ermöglicht trotz – im Vergleich zu einer gewöhnlichen Fahrradbrille – höherem Gewicht des Gerätes, ein relativ komfortables Tragen. Auch die globigen Bügel, an deren Ende zum Aufklappen die Mini-USB-Buchse angebracht ist, liegen angenehm, aber fest über den Ohren. Zumindest über meinen.



Während andere Smart Glasses zumeist über ein Element verfügen, das deutlich sichtbar vor dem Auge des Nutzers platziert ist und selbigem die Anmutung eines Cyborgs verleiht – wird beim Raptor das Display auf die Innenseite der Brillengläser projiziert. Der steile Winkel des Sichtfensters ist wohl auch deshalb so konstruiert damit hier genügend Abstand vom Auge zu den Gläsern besteht und der Projektor hinter den Brillengläsern versteckt werden konnte.

Wer sich ein Display erwartet wie man es etwa von Smart Phones kennt,  wird enttäuscht sein. Der Raptor nutzt "Augmented Reality" (AR) – was so viel wie "erweiterte" oder "verbesserte" Realität heißt: die Informationen aus dem Gerät werden mittels Laser auf die inneren Gläser projiziert, wodurch sie – wenn man so will – im Vordergrund schweben, während im Hintergrund die "Wirklichkeit" zu sehen ist. Es wird mit der Zeit ein Automatismus, zwischen der "Wirklichkeit" und den eingeblendeten Daten hin und her zu schalten.

Erste Konfiguration im Schlafzimmer auf dem Boden

Für die erste Konfiguration, die ich im Schlafzimmer auf dem Boden liegend vornehme, benötigte ich ungefähr 15 Minuten. Hierfür wird der Raptor via Bluetooth mit einer eigenen iPhone App gekoppelt und die entsprechenden Daten hin und her gespielt. Die Bedienung des Gerätes ist durchdacht und simpel: durch Tappen oder Streichen des rechten Brillenbügels gelangt man durch die verschiedenen Menüs, schaltet die Kamera ein oder startet ein Video.

Was bereits nach den ersten Minuten klar wird: Obwohl der Raptor via Bluetooth mit dem iPhone verbunden ist, sind gewohnte Anwendungen wie Google Maps, Strava oder Bike Citizens – um nur um einige zu nennen – nicht verwendbar. Vielmehr muss auf eigene Software des Herstellers zurückgegriffen werden, die an technischen und visuellen Besonderheiten der AR-Technologie angepasst ist.

Die Anwendungen des Raptor beschränken sich derzeit auf: Aufzeichnung der eigenen Leistungsdaten, Geschwindigkeit, zurückgelegte Kilometer, das Aufzeichnen von Routen, Trittfrequenz Herzfrequenz und das Abspielen von Musik (auch für die Musik greift der Reaktor allerdings nicht auf die Musikdateien im Mobiltelefon zurück, sondern die Titel müssen eigens auf Gerät hochgeladen werden.)

Mich interessierte besonders die Navigation. Nachdem der Raptor hierfür keine iPhone-Apps nutzen kann, müssen Routen (als GPS-Koordinaten) und Karten zunächst auf das Gerät gespielt werden. Weil das nicht ganz unkompliziert ist, hilft eine gute gemachte Support-Seite auf der Everysight-Homepage beim Installieren und Übertragen der Daten: in einem ersten Schritt lädt man Karten der Länder, die man befahren möchte auf den eigenen PC oder Apple-Computer. Ebenso die GPS-Daten der Routen, die man in den nächsten Wochen zu radeln gedenkt. Nutzt man – so wie ich – als Betriebssystem MacOS, muss man für den Datentransfer auch noch eine weitere App herunterladen, weil der Raptor unter dem Betriebssystem Android läuft. Jetzt schließt man das Gerät mittels USB-Kabel direkt an den Computer an. Mit Hilfe der Software kopiert man Karten und Routen direkt in die entsprechenden Ordner auf dem Gerät.

Bei den Routen, nicht aber bei den Karten für eine bestimmte Region!, sollte es theoretisch möglich sein, diese vom Members-Bereich der Everysight Homepage auf die Smartphone-App und von dort über Bluetooth auf den Raptor zu übertragen. Mir ist das fürs erste allerdings nicht gelungen.

Was ebenfalls bereits jetzt klar ist: Wer sich erwartet, bloß einen Zielort eingeben (oder einsprechen) zu müssen, und das Gerät würde einen dorthin geleiten, der irrt. Es fließt schon einige Zeit in die Vorbereitung und Routenwahl. Spontane Änderungen einer Reiseroute oder Navigieren im urbanen Alltag scheinen mir – so meine erste Einschätzung – unrealistisch.

In den nächsten Tagen probiere ich das Ding auf der Straße aus. Danach gibt es den zweiten Teil des Tests…





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Raptor

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-11 06:16:52
Letzte Änderung am 2018-08-11 08:32:44


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