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Update: 20.09.2018, 15:19 Uhr

Radrennen

Die 24 Stunden von Wien




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Von Matthias G. Bernold

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  • Günter Heidinger – Fahrradbote, Radsportler, Ex-AHS-Lehrer und Buchautor – startet am kommenden Freitag (21. September) einen Wettkampf gegen sich selbst: 24 Stunden lang will er durch das Wiener Stadtgebiet radeln und sehen, wie weit er dabei kommt. Startpunkt ist die Critical Mass am Schwarzenbergplatz, Beginnzeit: ca. 17 Uhr.

Günter Heidinger startet am Freitag, dem 21. September, seine "24 Stunden von Wien"

© M. Bernold Günter Heidinger startet am Freitag, dem 21. September, seine "24 Stunden von Wien"© M. Bernold

Es ist – wie er selbst es nennt – eine "bunte" Geschichte, die letztendlich dazu führte, dass Günter Heidinger Radbote wurde. Zwar war Radfahren immer schon ein wichtiger Teil seines Lebens – mit elf Jahren erwischte ihn das Rennradfieber als sich sein Vater ein Rennrad kaufte – doch er probierte eine Vielzahl anderer Berufe aus, bevor er schließlich zum Radfahren zurückfand.

Aber der Reihe nach. Seine sportliche Fahrrad-Karriere begann er beim  Bahnfahren im Praterstadion, "eigentlich vor allem deshalb, weil es mit dem Fußballspielen nichts geworden ist". Als sich sein Vater zum Spaß ein Rennrad kauft, will er selbst auch eines haben. "Seither fahre ich nur noch Rennrad", erzählt er: "Mein Vater hat mich infiziert."

Erstes Rennrad mit zwölf Jahren

Mit zwölf Jahren bekommt er seinen ersten Renner: ein Peugeot für viereinhalb Tausend Schilling. Im 2. Bezirk aufgewachsen, ist es nicht weit zum Radstadion im Wiener Prater. Dort kommt er in Kontakt mit den Talentsuchern der Rennradszene und fährt bald "mit ein paar anderen jungen Fanatikern im Verein". Beginnt als Bahnradfahrer, landet irgendwann sogar im National-Junioren-Team. Und fährt später Straßenrennen. "Als Junior habe ich einige Rennen gewonnen und Platzierungen zusammengebracht", erinnert er sich. Rückblickend sei es dann ein Fehler gewesen, auf Triathlon umzusatteln: "Mit 18 oder 19 Jahren  war ich begeistert vom Triathlon. Ich bin dann nach ein paar Jahren wieder zum Rennradfahren zurückgewechselt. Da habe ich mir dann oft gedacht, wäre ich durchgehend beim Rennradeln geblieben, hätte ich es vermutlich noch weiter gebracht."

Was das Berufliche angeht: nach Matura und Bundesheer eröffnet er ein eigenes Café. Das geht ein paar Jahre lang ganz gut, irgendwann immer schlechter. Bis er eines Tages mit einer Menge Schulden zurückbleibt. Der Gastronomie bleibt er noch eine Zeitlang verbunden. Gründet ein Partyservice. Aber auch das wird letztlich nicht von Dauer sein.

 Mit den Erfahrungen als Selbstständiger beginnt er ein Studium: Deutsch, Philosophie als Lehramt. Schreibt irgendwann ein Buch über Laufen und Zen. Und wird AHS-Lehrer, was er dann 15 Jahre lang machen wird. "Das war ganz o.k. Aber irgendwann war es auch wieder genug", sagt Heidinger: "Ich möchte es auch nie wieder machen." Er sei für diesen Beruf einfach nicht der richtige gewesen. "Das System Schule und ich – wir vertragen uns nicht so gut", schmunzelt er. Er habe sich immer eher mich auf Seiten der Schüler gefühlt. Mit den Kollegen habe es hingegen immer schlechter funktioniert.

"Es hat zwei, drei Jahre gedauert, bis ich mir eingestanden habe, dass die Schule für mich nicht das richtige ist." Irgendwann frägt ihn seine 21-jährige, ebenfalls radbegeisterte, Tochter – die älteste von vier Kindern – warum er denn nicht Fahrradbote werde. Und er denkt sich: Warum eigentlich?

"Jetzt bin ich seit fünfeinhalb Jahren Radkurier bei Veloce. Ich könnte mir ein Leben ohne Radfahren nicht vorstellen. Habe mein Auto verkauft, brauche eigentlich nix. Nur mein Radl."

Die Idee mit den 24 Stunden von Wien sei ihm während des Radelns durch die Stadt gekommen. "Ich habe darüber nachgedacht, was ich machen könnte, das noch niemand gemacht hat." Nachdem Heidinger über einiges an Erfahrung mit Ultra-Ausdauer-Rennen hat – er fuhr einmal die Race of America und nahm an 24 Stunden-Läufen teil – lag ein 24 Stunden-Radrennen auf der Hand: "In der Stadt, im normalen Alltagsverkehr hat das vor mir noch niemand gemacht." Er sei selbst neugierig, wie viele Kilometer man im Stadtverkehr in diesem Zeitraum zurücklegen könne.

Die Route – so gelegt, dass es zu möglichst wenigen Ampel-Stopps kommt – wird ihn in mehreren Runden vom Zweiten in den 11. Bezirk führen. Dann durch 22., 21. und 20. Bezirk wieder zurück zum Ausgangspunkt. Die Critical Mass dient – wenn man so will – als Aufwärmrunde.

Wer mit Günter Heidinger vor dem Start noch kurz plaudern will, der hat morgen, Freitag, ab 16.30 Uhr Gelegenheit dazu!





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-20 14:25:24
Letzte Änderung am 2018-09-20 15:19:57


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