• vom 03.10.2018, 13:06 Uhr

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Update: 03.10.2018, 14:06 Uhr

Radreise

Lord Helmchen ruft Prinz Schwammerlkopf!




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Von Matthias G. Bernold

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  • Rennradreise mit Smart-Helm. Ein Erfahrungsbericht.

Musik und Podcasts hören, Telefonieren und sich vom Navi den Weg ansagen lassen: Möglichkeiten einessmarten Fahrrad-Helms

Musik und Podcasts hören, Telefonieren und sich vom Navi den Weg ansagen lassen: Möglichkeiten einessmarten Fahrrad-Helms© Bernold Musik und Podcasts hören, Telefonieren und sich vom Navi den Weg ansagen lassen: Möglichkeiten einessmarten Fahrrad-Helms© Bernold

Was nun folgt ist die Kombination aus Reisebericht und Test: auf einer viertägigen Rennradreise von Villach nach Grado und wieder zurück hatte ich Gelegenheit, den Sena-Helm R1 auszuprobieren. Zwei dieser Helme wurden uns vom Hersteller zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit meinem Kollegen Jan K. versuchte ich, herauszufinden, ob sich die Technologie bei Radreisen bewährt.

Aber Schritt für Schritt: Was kann so ein Smarthelm überhaupt?

Mittels Bluetooth-Empfänger überträgt der Helm akkustische Signale vom Smartphone auf die integrierten Lautsprecher. Mögliche Anwendungen sind: Musik- bzw. Podcast-Hören, Nutzen von Navigationssoftware wie Google Maps oder Bikes Citizens, schließlich Telefonieren: mittels Druck auf die Tasten an der Helmseite können Gespräche angenommen, mittels Sprach-Kommandos können (voreingestellte) Gesprächspartner angerufen werden.

Das alles klingt schon ziemlich cool. Wirklich interessant – für uns jedenfalls – erwies sich jedoch die Möglichkeit, über eine lokale Funkverbindung miteinander im Gespräch zu bleiben. So wird es möglich, miteinander zu sprechen, selbst wenn man sich außer Sichtweite befindet. Was Motorradfahrer bereits seit langem kennen – Sena nutzt die Technologie seit vielen Jahren für Motorradhelme –, ist für Radfahrer vergleichsweise neu. Für Jan und mich erwies sich diese Kommunikationsform via Interkom als unerhört praktisch. Nicht immer ist man exakt mit derselben Geschwindigkeit unterwegs. Was nun – ohne Funkverbindung – vielleicht mitunter zu Verwirrung und Ärger hätte führen können, ist mittels Sprechfunk kein Problem. Einfach tauscht man sich über den aktuellen Aufenthaltsort aus, man verliert einander nicht aus den Ohren. Und hat die Möglichkeit, den anderen vor Gefahren zu warnen: "Achtung: in Kehre 28 steht eine Kuh auf der Fahrbahn!"

Aufgelassener Bahnhof am Pontebana-Radweg auf der ehemaligen Bahnstrecke zwischen Tarvis und Resiutta

Aufgelassener Bahnhof am Pontebana-Radweg auf der ehemaligen Bahnstrecke zwischen Tarvis und Resiutta© Bernold Aufgelassener Bahnhof am Pontebana-Radweg auf der ehemaligen Bahnstrecke zwischen Tarvis und Resiutta© Bernold

Freilich ist der Radius des Systems limitiert. Nach einigen hundert Metern ist Schluss. Auch bestimmen örtliche Gegebenheiten die Reichweite des Systems: im dichten Wald beispielsweise setzt das dem Gesprächsabbruch vorangehende Rauschen früher ein.

Was uns am System außerdem gefallen hat: es ist möglich, beide Helme über das selbe Telefon zu beschallen. So konnten wir beide zur selben Zeit den selben Podcasts hören und uns zu diesen Inhalten austauschen. Ein Knopfdruck genügt, um vom gemeinsamen Hörprogramm wieder auf Sprechfunk umzuschalten.

Baden in der Soca

Baden in der Soca© Bernold Baden in der Soca© Bernold

Radfahren kann – auch in einer Gruppe – oft eine recht einsame Sache sein. Vielen Strecken ermöglichen kein Nebeneinanderfahren. Mitunter ist es einfach sicherer, hintereinander unterwegs zu sein. Sei es auf stark befahrenen Straßen oder auf Single-Trails: Das äußerst empfehlenswerte Navigationssystem Komoot, das ich vorab installiert hatte, wählte hin und wieder äußerst rauhen Untergrund. Was allerdings trotz Rennrad kein Problem war. Jan und ich hatten für den Trip extra Reifen mit Profil aufgezogen.

Blick vom höchsten Punkt des Vršič-Passes (1.611 Meter) auf die gerade erledigte Schinderei.

Blick vom höchsten Punkt des Vršič-Passes (1.611 Meter) auf die gerade erledigte Schinderei. Blick vom höchsten Punkt des Vršič-Passes (1.611 Meter) auf die gerade erledigte Schinderei.

Anfangs noch skeptisch über Sinn und Zweck der Smarthelme (Stückpreis: 260 €) , begannen wir sie beide im Lauf unserer Reise immer mehr lieb zu gewinnen. Obwohl sonst kein Helm-Fan muss ich gestehen: Es macht Spaß, mit dem anderen auf diese Weise in Verbindung zu bleiben.

Die Klangqualität der Lautsprecher ist übrigens ausgezeichnet. Und anders als Ear-Phones, erlauben es die Lautsprecher, die Umgebungsgeräusche wahrzunehmen: Wichtig im Straßenverkehr.

In diesem Sinn stellt der Smart Helm mit seinen Kommunikationsmöglichkeiten nur eine unwesentliche Ablenkung dar. Man bleibt in der Lage, sich aufs Verkehrsgeschehen zu konzentrieren. Bzw. es wird sogar möglich, sich noch besser auf das Verkehrsgeschehen zu konzentrieren, weil Orientierungsblicke und verzweifelte Suche nach den anderen Radreisenden entfallen.

Auch mit der Ladezeit der Akkus waren wir zufrieden. Wir hängten die beiden Helme jeweils über Nacht ans Netz, so dass wir niemals bei Funkstille fahren mussten.

Was mit meinem Helm leider nicht funktioniert hat: Mir die Strecke vom Navi via Bluetooth auf den Helm übertragen lassen. Während Jan diesbezüglich keinerlei Schwierigkeiten hatte, sträubte sich mein Helm gegen die Verknüpfung mit meinem iPhone. An Jans iPhone hängte er sich hingegen ohne Murren.

Fazit: Die Sena R1-Fahrrad-Helme sind auf Radreisen überaus praktisch. Insbesondere an den Sprechfunk kann man sich gewöhnen. Telefonieren und Interkom funktionierten bei den Test-Geräten einwandfrei. Beim Zusammenspannen von Handy und Smart-Helm kam es mitunter zu Schwierigkeiten. Tipp: Die Funkverbindung abstellen, wenn man die Toilette besucht...





Schlagwörter

Radreise, Sena R1

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-03 13:23:01
Letzte Änderung am 2018-10-03 14:06:41


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