• vom 01.02.2013, 08:31 Uhr

Jüdisch leben


Fernsehen

Trash, Trash und noch mehr Trash




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Von Alexia Weiss

  • Jüdisch leben

Manchmal könnte man schon ein wenig neidisch werden, wenn man sich das TV-Programm in anderen Ländern ansieht. Die "Nanny" hat im deutschsprachigen Fernsehen inzwischen auch schon als Wiederholungsprogramm weitgehend ausgedient und zugegeben, es war durchaus amüsant zuzusehen, wie Sylvia neben ihrer Vorliebe für Süßes nur eines im Kopf hatte: ihre Tochter Fran reich zu verheiraten (und da war selbst ein gut situierter Goi ein akzeptabler Fang), aber wie gesagt: das Ablaufdatum dieser Serie ist bereits überschritten. Neue Ware muss her!

Vielleicht wagt es ja in Bälde auch ein deutschsprachiger Sender, auf die Fülle an Produktionen zuzugreifen, die derzeit beispielsweise über britische Schirme flimmert. Comedy-Shows, Dokumentationen, Reality TV – man könnte fast sagen, eine jüdische Welle schwappt über die Insel. Da liest man über die Sitcoms "Friday Night Dinner" und "Grandma’s House", Dokumentationen mit Titeln wie "The Jews" oder "Strictly Kosher" und das Reality-TV-Format "Jewish Mum of The Year".


Sieht man sich das Feedback in den jüdischen Gemeinden in England an, ist dies nicht immer positiv: da werden natürlich jede Menge Klischees hochgekocht und an allererster Stelle steht dabei die jüdische Mamme. Aber siehe oben, die verköprerte auch schon Sylvia, und das über viele Jahre. Andere meinen, die Sendung "Jewish Mum of the Year" grenze schon an Rassismus. Vielleicht ist das ein bisschen so wie mit dem jüdischen Humor: wenn Juden Witze über Juden erzählen, kann das komisch sein. Wenn Nichtjuden Judenwitze erzählen, bleibt einem das Lachen im Hals stecken.

Unterm Strich bleibt: ich würde mir gerne selbst ein Urteil bilden. Da nicht zu erwarten ist, dass sich das deutschsprachige Fernsehen hier besonders aktiv zeigen wird, ist wohl eine größere DVD-Bestellung angesagt. Die Sitcoms "Friday Night Dinner" und "Grandma’s House" sind bestellbar – das sind die Momente, in denen die Globalisierung eine ihrer schönen Seiten zeigt.

Noch mehr Trash gefällig? Können Sie sich an den inzwischen zehn Jahre alten Film The Hebrew Hammer erinnern? Jonathan Kesselman ließ darin den orthodoxen jüdischen Superhelden Mordechai Jefferson Carver (gespielt von Adam Goldberg) Chanukka retten. Der böse Sohn des Weihnachtsmannes, Damian Claus, hatte sich vorgenommen, das jüdische Lichterfest auszuradieren, damit im Dezember einzig das christliche Fest auf dem Kalender steht. Der Streifen entwickelte sich zu einem Film, der heute in vielen jüdischen Gemeinden auf der ganzen Welt zu Chanukka gezeigt wird.

Bis dahin dauert es zwar noch viele Monate – aber Kesselman arbeitet nun an einem Sequel: The Hebrew Hammer vs Hitler soll es heißen und, so verspricht der Drehbuchautor und Regisseur, noch viel besser werden als der erste Teil. Bei der Finanzierung setzt Kesselman auf die Fans des ersten Hebrew Hammer-Films in aller Welt. Auf Jewcer startete er ein entsprechendes Fundraising. Es scheint schon einiges an Mitteln zusammengekommen zu sein und diverse Filmbranchenseiten berichten über die Aufnahme der Dreharbeiten noch 2013. Es darf also Vorfreude verströmt werden.

Bereits sicher in die Kinos kommt 2013 der neue Film von Paul Schrader The Canyons, ein Thriller über fünf Mitzwanziger auf der Suche nach Liebe, Sex, Macht und Erfolg in Hollywood. Besetzt hat Schrader unter anderem mit Lindsay Lohan und Gus van Sant. Unter "Cast" ist aber auch der Name James Deen zu finden. Kennen Sie nicht? Nun, der US-Amerikaner ist Jude. Und spielt normalerweise in ganz anderen Produktionen mit – er ist Pornostar. Von seinem besten Stück wurde inzwischen sogar ein Abdruck für einen Dildo genommen. Ja, auf was für Ideen so mancher kommen kann. Auf den Geschmack gekommen? Das jüdische Trash-Magazin HEEB hat ihm jüngst einen längeren Beitrag gewidmet.

Doch auch Wien liegt nicht hinter den sieben Bergen. Die Bewegung QueerHebrews lädt kommenden Sonntag zum "Kibbutz Klub" in eine Location in der City. DJ Aviv (Berlin Meschugge - Berlin) sowie DJ J’aime Julien (Malefiz, Early Birds - Wien) legen israelischen Pop ebenso auf wie Isratrash, Mizrachi, Oriental Buzz und Eurotrash.  Das Versprechen der Organisatoren: "100% UNkosher"!  Unterstützt wird die Party von den Grünen Andersrum Wien, SoHo – Sozialdemokratie & Homosexualität sowie der Israelischen Botschaft in Wien. Willkommen sind allerdings nicht nur Homosexuelle. "Lesbian, gay, trans, bi, straight – we love you as you are! Just be!"




Schlagwörter

Fernsehen, TV, Jüdisch leben, DVD, Jewish

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-01-31 10:32:22
Letzte Änderung am 2013-01-31 11:05:04


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