• vom 28.04.2013, 11:57 Uhr

Jüdisch leben

Update: 08.05.2013, 20:02 Uhr

Judentum

Fragen, die Antwort geben




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Von Alexia Weiss

  • Jüdisch leben

Nur wer gute Fragen stellt, wird am Ende auch gute Antworten bekommen, trichtert man Jungjournalisten ein. Und nichts ist zu trivial, um danach zu fragen. Nur wer selbst versteht, worüber er schreibt, kann es auch so vermitteln, dass es der Leser versteht.

Die Ungarin Linda Verö-Bán, studierte Judaistin und Frau eines Rabbiners, hat sich zur Aufgabe gemacht, Kindern das Judentum zu vermitteln – unter anderem in Büchern (siehe Link rechts). Manche davon sind auch auf Deutsch erhältlich, etwa eine kindgerechte Haggada, jenes Buch, das in der Familie zu Pessach gemeinsam gelesen wird. Einige Bücher hat sie aus dem Ungarischen ins  Russische übersetzen lassen oder ins Englische, wie etwa den Band "What does it mean to be Jewish?".


Hier purzeln Fragen über Fragen durch die Bilder und nicht nur die Kinder suchen nach Antworten, auch die Erwachsenen, die hier vorlesen oder mitlesen, bemühen sich Antworten zu finden und merken bald: vielleicht sind sie es, die hier angeleitet werden sollen, ihre eigene Identiät zu reflektieren, zu ordnen. Denn erst, wenn man sich über seine Identiät im Klaren ist, kann man diese auch an sein Kind weitergeben. So jedenfalls die These Verö-Báns.

In Ungarn gibt es wenige religiös lebende Juden. Zuerst haben die Nazis die Menschen ermordet, danach hat der Kommunismus die Religion nahezu verschwinden lassen. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs bekennen sich wieder immer mehr zu ihren Wurzeln, meist fehlt aber das Wissen um das Gebet, die Rituale, die Bräuche, die Feste.

Und so nimmt die Autorin die erwachsenen und kleinen Leser und Zuhörer an der Hand und zeigt ihnen, wie wenig es eigentlich bedarf, um sich jüdisch zu fühlen: etwa indem man Bücher über jüdische Themen liest, Klezmer-Musik hört, jüdische Vorfahren hat oder eine emotionale Verbindung zum Judentum verspürt. Wer weiß, dass er jüdisch ist, aber nie gelernt hat, jüdisch zu leben, dem wird hier vermittelt: das ist okay.

Verö-Bán bricht in dem Buch, das für Kinder gemacht, aber eben für Eltern gedacht ist, zahlreiche Tabus: Jude sei, wer eine jüdische Mutter habe, schreibt sie. Nein, das ist kein Tabubruch, das entspricht der Halacha, dem jüdischen Gesetz. Was sie hinzufügt, ist das Bemerkenswerte: es gebe auch Menschen, die nur väterlicherseits jüdische Vorfahren haben und sich dennoch als Juden fühlen. Und zugehörig zur jüdischen Gemeinde.

In einem anderen Kapitel zeigt sie dem Leser: ja, es gibt Familien, in denen die einzelnen Mitglieder verschiedene Religionen haben. Da feiern beispielsweise die einen Großeltern Weihnachten und die anderen Chanukka. Und natürlich wollen beide ihre Enkel bei ihrem Fest dabeihaben. Den Kindern sagt die Autorin: das ist das Problem der Erwachsenen und nicht der Kids. Diese sollen einfach nur die Geschenke genießen. Und wenn in einer Familie der Vater die eine und die Mutter eine andere Religion hat, dann lebt man entweder nach einer oder der anderen oder nach allen beiden. Aber: dennoch wird der jeweilige Elternteil immer seine Wurzeln behalten.

"Kannst du jüdisch sein, ohne an Gott zu glauben?" Klingt nach ganz schlimmem Tabu und ist doch so zentral: Wieviele säkular lebende Juden betonen ihr Nicht-Verhältnis zur Religion und fühlen sich dennoch so stark im Judentum verankert. Und so fasst auch Verö-Bán zusammen: "Wen du jüdisch geboren wurdest oder zum Judentum übergetreten bist, bleibst du jüdisch, egal woran du glaubst."

Mir hat das Durcharbeiten dieses Buches mit meiner Tochter große Freude gemacht – und seitdem spüre ich in vielen kleinen Bemerkungen, dass all das, was die Autorin hier in Form von Fragen und möglichen Antworten präsentiert, ihr immer noch im Kopf herumspukt. Einfach fein.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2013-04-28 12:02:11
Letzte Änderung am 2013-05-08 20:02:48


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