• vom 12.03.2016, 09:00 Uhr

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Update: 12.03.2016, 10:14 Uhr

LitCologne 2016

Belletristische Gebirgszüge




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Von Gerald Schmickl

  • Über den unhöflichen Trend zu dicken Büchern

Bis sich die Bretter biegen: Dieser Bücherfrühling beschert einen Wälzer nach dem anderen . . .

Bis sich die Bretter biegen: Dieser Bücherfrühling beschert einen Wälzer nach dem anderen . . .© Schmickl Bis sich die Bretter biegen: Dieser Bücherfrühling beschert einen Wälzer nach dem anderen . . .© Schmickl

"… wer es nicht lassen kann, sollte wenigstens höflich genug sein, nur kurze Bücher zu verfassen. Das scheint leider, wenn man den Schaufenstern der Buchhandlungen trauen kann, nur den wenigsten zu gelingen."
Das sagt der ominöse Herr Zett in Hans Magnus Enzensbergers kleinem, anekdoten- und sentenzen-reichen Büchlein "Herrn Zetts Betrachtungen" (Suhrkamp 2013), das sich selbst – wie fast alle Bücher von HME – an diese Höflichkeitsregel hält und sehr schmal ausgefallen ist.
Damit ist es tatsächlich eher eine Ausnahme, speziell in diesem unhöflichen, ja geradezu rüpelhaften Bücherfrühling, in dem die Bücher – wenn schon nicht die Bäume (die dafür ihr Leben lassen müssen) – in beträchtliche Höhen schießen. Ein Wälzer nach dem anderen wuchtet sich auf die (Buch-)Laden- bzw. Redaktionstische (falls man journalistisch mit Literatur zu tun hat). Kaum mehr ein Roman unter 400 Seiten – die meisten deutlich darüber: der neue von Glavinic etwa hat 800 Seiten, der kommende von Biller gleich 900. Auch Juli Zeh oder Thea Dorn geben es nicht viel kürzer.
Es ist schon paradox: Da zeigen alle Studien, dass die Aufmerksamkeitsdauer und die Lesezeiten allgemein signifikant zurückgehen – und die Schriftsteller/innen schreiben immer dickere Bücher. Als ginge es nun um einen buchstäblichen Verdrängungs-Wettbewerb: Es kann nur noch eine(n) geben! Denn wer schafft denn schon mehrere dieser Schwarten in der knapp bemessenen Lese-Zeit, die man landläufig hat!?
Da kommt eine Veranstaltung wie die LitCologne, die seit Mitte vergangener Woche wiederum – zum bereits 16. Male– in Köln läuft, gerade richtig. In ihrem – auch sehr üppigen – Rahmen (das Programmheft ist selbst ein kleiner Wälzer) treten zahlreiche Autorinnen und Autoren auf, die solch bedruckte Kilo-Ware mit sich führen – und vor Publikum präsentieren. Auf diese Weise kann man wiegen und erwägen, welche Lektüre sich auszahlt, welcher Bücherberg das Erklimmen lohnt. Dieser Blog wird in den kommenden Tagen ein paar kurze Routen in belletristische Gebirgszüge dieses Frühjahrs – so wie sie sich in Köln entfalten – beschreiben und bewerten. Alphabetisch beginnen wir (morgen) gleich einmal von hinten: mit Juli Zeh – und ihrem (heute) auf der LitCologne präsentierten Ziegel "Unterleuten".





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-03-10 18:49:16
Letzte Änderung am 2016-03-12 10:14:40


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