• vom 19.11.2018, 13:17 Uhr

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Mouth & MacNeal, ein Duo wie Hund und Katz




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Von Francesco Campagner

  • Mit zwei Hits zum Erfolg. Teil 9 der Singles-Serie.

Hello-A, ein Hit von Mouth & MacNeal aus dem Jahr 1972.

Hello-A, ein Hit von Mouth & MacNeal aus dem Jahr 1972.© Wiener Zeitung / FC Hello-A, ein Hit von Mouth & MacNeal aus dem Jahr 1972.© Wiener Zeitung / FC

Zu Beginn der 70er Jahre des vergangenen Jahrzehnts erlebte niederländischer Pop eine Hochblüte. Die Band Shocking Blue konnte mit "Venus" einen Nummer-1-Hit in den USA landen (in Österreich reichte es nur zu Platz 2). Nur wenig später gelang dem Duo Mouth & MacNeal mit "How do you do" ebenfalls ein Welthit. In den USA und in Kanada schaffte es das Duo unter die Top Ten, in Neuseeland, Belgien und Dänemark sogar auf Platz eins. In Deutschland nahm ihnen ein deutsch-englisches Duo (Windows) die Nummer-1-Platzierung mit der Coverversion ihres Songs weg.

How do you do

Doch der erste Erfolg war kein ausreichender Kitt in der Beziehung von Willem Duyn alias Mouth und Sjoukje Lucie van’t Spijker alias MacNeal. Die beiden waren von Produzent Hans van Hemert zusammengebracht worden, der auch etliche ihrer Songs schrieb. Und wenn man den Aussagen der beiden Künstlern glauben darf, war es Antipathie auf den ersten Blick. Vor der Zusammenarbeit hatten beide keinen Erfolg: Duyn meinte in einem Interview lakonisch: "Zwei Flops zusammen. Zu Beginn glaubte ich nicht so daran. Ich dachte, es würde wieder schief gehen." Doch das Duo funktionierte und nach außen hin gab man sich harmonisch. Auf "How do you do" folgte mit "Hello-A" der nächste große Hit, diesmal ohne Coverversion aus Deutschland. Stattdessen sangen die Niederländer das Stück (genauso wie etliche andere) gleich auch auf Deutsch und eroberten endgültig den deutschen Markt.

Hello-A

Hello-A von Mouth & MacNeal in der deutschen Version.

Hello-A von Mouth & MacNeal in der deutschen Version.© Wiener Zeitung / FC Hello-A von Mouth & MacNeal in der deutschen Version.© Wiener Zeitung / FC

Die Mischung lustiger brummiger Bär und zierliche blonde Dame singen happy songs funktionierte gut. Doch die Zusammenarbeit gestaltete sich kompliziert. MacNeal kam nicht zu gebuchten Auftritten, wie ihr Partner in Interviews monierte. Und auch Mouth schien nicht professionell zu agieren, wenn man den Aussagen der Sängerin glaubt. Dieser soll einen Flug zu Promotionterminen nur knapp geschafft haben. Man habe ihn betrunken in einer Bar aufgegabelt. Der Mouth & MacNeal-Fanclub-Chef Roel Smit hat in einem Buch ("Duo tegen wil en dank") die merkwürdige musikalische Partnerschaft ausführlich offen gelegt.

Doch zurück zur musikalischen Seite: Im letzten Jahr ihres Plattenvertrages wurde das Duo auserkoren, die Niederlande beim Song Contest zu vertreten. Dort schafften Mouth & MacNeal mit "I See a Star" sogar den dritten Rang hinter ABBA und der Siegerin von 1964, Gigliola Cinquetti. Ein kleiner Triumph, wenn man bedenkt, dass in Brighton durch den Sieg mit "Waterloo" die Weltkarriere von ABBA begann. Vierte hinter Mouth & MacNeal wurde übrigens Olivia Newton-John. Als Dank gab es dann für die Niederländer auch noch eine Top-Ten-Platzierung in der englischen Hitparade.

I See A Star

Ende 1974 ging der Plattenvertrag zu Ende und die beiden haben sich niemals wieder gesehen. Willem Duyn machte zunächst als Duo Big Mouth & Little Eve und später alleine weiter, Maggie MacNeal blieb beim Künstlernamen und durfte die Niederlande nochmals beim Song Contest vertreten.

Ah, l'amore, die letzte Single





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-16 14:18:12
Letzte Änderung am 2018-11-19 12:52:05


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