• vom 06.09.2013, 12:57 Uhr

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Update: 07.09.2013, 11:09 Uhr

Pop-Mottenkiste

Sommer, Urlaub und Italo-Hits




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Von Francesco Campagner

  • Pop-Mottenkiste
  • Als Hits aus Italien aus dem Urlaub mitgenommen wurden.

Der Sommer ist vorbei und damit auch der Urlaub. Früher, vor langer Zeit, nahmen die Rückkehrer aus dem Süden auch gleich die Sommerhits mit. Mit der Flasche Chianti und der Plastik-Gondel waren meist auch einige Singles im Gepäck. Wer erinnert sich nicht an Schmachtfetzen wie Alan Sorrentis "Tu sei l'unica donna per me" oder "Made in Italy" der Ricchi e Poveri?

Als der Italien-Urlaub in den 50er Jahren an Breite gewann, setzte dieser Trend ein. In den Sechzigern schafften unzählige Songs den Sprung über die Alpen: von "Marina" von Rocco Granata über "Nel blu dipinto di blu" von Domenico Modugno bis hin zu Adriano Celentano und seinen Riesenhits "Azzurro" und "Eravamo in 100.000". Dazu Evergreens wie Nini Rossos "Il silenzio" oder "Il Mondo" von Jimmy Fontana. Und wenn die italienische Version nicht passte, gab es englische oder deutsche, die von internationalen Stars verbreitet wurden. Übrigens auch heute noch, wie "We No Speak Americano" von  Yolanda Be Cool beweist.

Von Drupi bis Tozzi

Auch die Siebziger brachten zahlreiche Italo-Hits nach Österreich. Drupi ließ 1974 die Herzen mit "Piccola e fragile" erweichen, die Filmmusik-Brüder De Angelis alias Oliver Onions waren u.a. mit "Flying Through The Air", "Orzowei" oder dem Brachialschlager "Santa Maria" erfolgreich, und auch Cantautori wie Francesco De Gregori ("Viva l'Italia") und Antonello Venditti ("Bomba o non bomba") wurden in Österreich entdeckt.


Die größten Erfolge hatten aber Bands, die relativ rasch wieder in der Versenkung verschwanden. Das Daniel Sentacruz Ensemble schaffte mit "Soleado" einen Welterfolg, der auch durch die Cover-Version von Michael Holm ("Tränen lügen nicht") sowie die Weihnachtsanpassung "When A Child Is Born" möglich wurde. In Italien konnte die Band zwar noch ein paar kleinere Erfolge feiern, doch Ende der Siebziger war es endgültig vorbei. Ebenfalls kurzfristig war der Erfolg von "I Santo California" die auf "Tornero" aus dem Jahr 1975 nur ein paar weitere kleinere Hits ("Un angelo") folgen ließen.

Gleich einige Erfolge hatte dagegen Umbero Tozzi. Mit "Ti Amo" (in Deutschland von Howard Carpendale gecovert), "Tu", "Gloria" (auch ein Riesenhit für Laura Branigan) und "Gente di mare" war der Musiker ohne Starallüren über ein Jahrzehnt präsent. Und da Italiener nicht immer gerne als Italiener wahrgenommen werden, schafften es einige auch mit spanischen Texten. El Pasador war mit "Amada mio, amore mio" ein simpler, aber effektiver Party-Song gelungen, Righeira konnten mit "Vamos a la playa" und "Non tengo dinero" das Disco-Publikum überzeugen. Der Neapolitaner Tony Esposito ("Kalimba De Luna", "Papa Chico") ging bei vielen als Lateinamerikaner durch, Gazebo ("I like Chopin") versuchte es englischsprachig genauso wie Raf ("Self Control").

Doch seit den 90er Jahren kommen Italo-Hits eher zufällig zu Hitparaden-Ehren. Und wenn, dann nicht über den Umweg Urlaubserinnerung. Laura Pausini schaffte es mit James Blunt ("Primavera in anticipo"), Tiziano Ferro mit "Stop! Dimentica" alleine.

Il silenzio - Nini Rosso

 Quando, quando, quando - Tony Renis

Soleado - Daniel Sentacruz Ensemble

Tornero - I Santo California

Piccola e fragile - Drupi

Viva l'Italia - Francesco De Gregori

Papa Chico - Tony Esposito




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-09-06 13:01:00
Letzte Änderung am 2013-09-07 11:09:17


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