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Update: 14.01.2016, 09:56 Uhr

Pop-Mottenkiste

Als David Bowie Adriano Celentano einen Idioten nannte




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Von Francesco Campagner

  • Im Oktober 1999 gastierte der Brite beim italienischen Showstar.

David Bowie (links) und Adriano Celentano im Jahr 1999. - © Youtube

David Bowie (links) und Adriano Celentano im Jahr 1999. © Youtube

Viel ist über David Bowie nach dessen Tod geschrieben worden, sein Lebenswerk wurde zu Recht gehuldigt, hie und da ein wenig verklärt, wie es nun mal bei Nachrufen so sein muss. Und auch Freunde und Kollegen fanden passende Worte und deckten manch Unbekanntes und Liebenswertes auf. Doch Bowie hat sich im Laufe seines Lebens nicht nur Freunde gemacht, in Italien schaffte er es, sich in wenigen Minuten mit Adriano Celentano zu verfeinden.

Wenige Wochen nach dem legendären Auftritt in Celentanos TV-Show "Francamente me ne infischio" im Oktober 1999 wurde der Brite über den Vorfall befragt. Bowies Kommentar: "Ich habe gleich mitbekommen, dass er ein Idiot ist!"

Doch was war vorgefallen? Celentano, der in seiner Show des Öfteren minutenlanges Schweigen praktizierte, setzte sich zu Bowie, grinste ihn an und wartete. Und dann kam die erste Frage: "Gibt es Deiner Meinung nach eine Zukunft?" Bowie antwortete schlagfertig: "Für mich ja, und für dich?"

Doch Celentano ließ nicht locker: "Es gibt zu viele Menschen, die in der Welt an Hunger sterben. Kann dies verändert werden?" Bowie versucht eine ernsthafte Antwort. "Das Problem muss global auf politischer Ebene gelöst werden. Wer soll dies tun? Es gibt gewählte Vertreter, die die Macht haben, um dies zu tun." Celentano reagiert: "Warum dauert es solange?" Bowie lacht: "Frag nicht mich."

Doch Celentano versucht es weiter: "Ich frage dich, weil ich mich oft selbst frage, wie man die Probleme in der Welt lösen könnte… Ich glaube, wenn alle Reichen sich zusammenschließen, um an die Leute zu denken, denen es schlecht geht, das könnte man durchaus tun." Bowie versucht es nochmals ernsthaft: "Natürlich können sich alle Menschen zusammentun und helfen. Doch wenn die reichen Staaten nur einen geringen Prozentsatz ihres BIP geben würden, wäre viel getan. Aber dies muss auf politischer Ebene getan werden. Natürlich können Privatpersonen viel erreichen."

Doch nach dem Hunger hat Celentano das nächste brisante Thema parat: "Kann man etwas tun, um die Kriege in der Welt zu beenden?" Bowie lacht und antwortet schlicht mit "Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht." Celentano bohrt nach: "Also wie dann?" Bowie: "Ich bin nicht derjenige, den man fragen sollte. Ich glaube, ich höre gerade Radio Moskau."

Das Publikum applaudiert, aber Celentano lässt Bowie weiterhin nicht vom rhetorischen Haken: "Ich weiß, dass du jemand bist, der denkt. Ich will von dir nicht die Lösung, um die Welt zu retten, sondern nur deine persönliche Meinung." "Ich verspreche, dass ich keine Kriege beginnen werde", antwortet Bowie, "das ist alles, was eine Privatperson tun kann. Das ist mein persönliches Versprechen." Celentano pikiert: "Und deiner Meinung nach, werde ich einen Krieg beginnen?" "Nach meinen Erfahrungen am Nachmittag, zweifle ich daran", antwortet Bowie. "Danke, du bist ein Freund", entgegnet Celentano. Bowie legt nach: "Wir schließen Frieden. Jetzt, hier, in dieser Show. Kein Krieg, sondern Frieden. Zwei Menschen zusammen."
"Perfekt", antwortet Celentano, nachdem die Übersetzerin die Antwort ein wenig ausgeschmückt wiedergibt, "du in England, ich in Italien. Um das zu erledigen, muss ich nun Englisch lernen. Das einzige, was ich auf Englisch sagen kann, ist  'You understand?‘" "You understand?", wiederholt Bowie überrascht und blickt ein wenig ungläubig.

"Glaubst du, dass wir uns in Zukunft sehen werden?", fragt Celentano. Bowie denkt kurz nach und meint: "Nach diesem Zusammentreffen brauchen wir das in Zukunft nicht mehr." "Das ist eine schöne Antwort", lacht Celentano und setzt zu einem Schlussmonolog an. Doch Bowie unterbricht ihn: "Es war nett mit dir zu plaudern und für dich zu singen." Celentano wundert sich: "Ja? Danke. Aber du hast es ein wenig schnell gesagt, als ob du schon gehen wolltest. Als ob du das Gespräch abbrechen wolltest." Bowie reagiert nun ein wenig gereizt: "Meinst du das Gespräch? Ich könnte stundenlang reden, unterbrecht mich nicht. Ich könnte euch in Grund und Boden reden." Celentano macht gute Miene: "Ist das ein Angebot?" - "Ja, sicher" – "Ich grüße dich David, du bist stark, ich hoffe, ich treffe dich bald wieder." Dazu ist es aber nicht gekommen.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-01-13 14:02:36
Letzte Änderung am 2016-01-14 09:56:47



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