• vom 09.04.2016, 13:00 Uhr

Musik-Blogothek


short cuts

Kleine Klangrundreise von Kanada bis Lettland




  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Gerald Schmickl




    Beginnen wir unsere kleine Reise durch das erste Quartal dieses Jahres und seine - zumindest hierorts - überhörten Popproduktionen in Kanada. Von wo es viele Jahre - zumindest im Indie-Bereich - in breiter Front exemplarisch herübertönte, ist es zuletzt ruhiger geworden. Auch in dem Sinne, dass sich weniger auftrumpfende (wie etwa Arcade Fire oder Hidden Cameras) denn mehr samtpfötige Acts aus dem "Experimental Folk" bemerkbar machten. Wie etwa der aus Victoria, British Columbia, stammende Singer/Songwriter Aidan Knight. Von ihm und seiner fünfköpfigen Band selbigen Namens ist im Jänner das dritte volle Album, "Each Other" (Full Time Hobby/Rough Trade), erschienen.

    Es klingt, in acht Songetappen, wie ein später Nachhall vergangener (nicht nur kanadischer) Monumentalität. Alles da: breite Instrumentierung, dramatische Arrangements, melancholische Texturen - und doch wird die breite Palette nicht voll ausgereizt. Feine musikalische Farbtupfer da und dort, gezügelte Leidenschaften, zurückgenommene Expressivität, getragener stimmlicher Duktus ("I’m the Funeral Singer", heißt es in einem Song atmosphärisch passend). Und doch entwickelt diese Scheibe eine zauberhafte Grandezza, eine durchgängig erhabene Stimmung.


    Einmal grummelt Knight bärbeißig tief wie Bill Callahan, obwohl Vortrag und Gesamtperformance eher an Landsmann Pa-trick Watson oder US-Bands wie Shearwater oder Local Natives erinnern. Dabei ist Knight mit seiner Stimme unzufrieden, wie er in dem Song "What Light (Never Goes Dim)" verrät: "I am not in love with the sound of my voice."

    Wir hingegen schon. Und erst (r)echt in love sind wir mit dem Bassbariton des ehemaligen Sängers der norwegischen Kultband Madrugada, Sivert Høyem, der Ende Jänner sein bereits fünftes Soloalbum veröffentlicht hat. Im Gegensatz zu den eher düsteren, rockig-verschlierten Vorgängern präsentiert er sich auf "Lioness" (Hektor Grammofon/Rough Trade) als vollmundiger Crooner, der stimmlich diesmal näher an Richard Hawley denn an Nick Cave heranrückt. In den zehn Songs dominieren große Gesten, denn Pathos ist für Hoyem kein Fremdwort, live schon gar nicht, wie man erst kürzlich wieder - leider nur in Deutschland - erleben durfte.

    weiterlesen auf Seite 2 von 2




    Leserkommentare




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2016-04-08 15:29:05
    Letzte Änderung am 2016-04-08 16:40:35


    Beliebte Inhalte

    Meistgelesen
    1. Vergessene Fortsetzung
    2. Erbarmungslose Gemütlichkeit
    3. Mensch sein, die Welt umarmen
    4. Infizierend
    5. Dreidimensionale Musik

    Werbung



    CDs

    Pop-CD

    Zeitlupen-Blues

    Im Weltidiom Pop geht alles überall. So hat der Blues mittlerweile dank Daniel Norgren eine neue Heimat in Schweden gefunden - und dank des... weiter




    Pop-CD

    Glühwürmchen

    In der Wiener Sonnenfelsgasse gab es einst ein schlicht "Die Bar" benanntes Lokal, in dem ich die Musik von Sade so oft gehört habe... weiter




    Pop-CD

    Dreifachkonzert statt Vierklang

    Eigenwillig, perfektionistisch - und auf großartig klingenden neuen Wegen unterwegs: die Schweizer Kosmopolitin Sophie Hunger. - © Marikel Lahana Kein Vierklang mehr. Auf allen (fünf) bisherigen Alben der Schweizer Singer/Songwriterin waren Songs auf Englisch, Französisch... weiter




    Jazz-CD

    Mann mit Minze

    Schnell, schneller, Nähmaschine: Gitarristen mit dem Drang zur Höchstgeschwindigkeit hören sich nicht selten an wie Automaten... weiter




    Jazz-CD

    Schwankende Güte

    Sechs Jahre ist es her, dass er seine Opernkarriere wegen einer Stimmkrise beendet hat. Eine Hintertür hat sich Thomas Quasthoff zur Sängerbühne aber... weiter






    Das Tutu ist das Spezifikum der Ballerina, die elfengleich über die Bühne schwebt.

    Werbung für Die Single "Baby I Love You" im Magazin Billboard 1959. Romy Schneider wurde am 23. September 1938 als Rosemarie Magdalena Albach in Wien geboren. Die Schauspielerei ist ihr in die Wiege gelegt geworden: Ihre Eltern und sogar ihr Ururgroßvater waren Schauspieler. Ihren Künstlernamen verwendete sie kurz nach ihrer ersten Filmrolle in den 1950ern.



    Werbung