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Ein Leben in der Nebenrolle




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Von Francesco Campagner

  • Stephen Bruton, der Mann hinter der Filmfigur "Bad Blake" und Gitarrist von Kris Kristofferson und Bonnie Raitt.

Stephen Bruton hat etliche großartige Songs hinterlassen, doch seine Solo-Werke sind kaum bekannt. - © New West

Stephen Bruton hat etliche großartige Songs hinterlassen, doch seine Solo-Werke sind kaum bekannt. © New West

Vor einigen Tagen starb Michael Cimino, der US-Regisseur, der nicht nur für sein Oscar-gekröntes Werk "Die durch die Hölle gehen" in Erinnerung bleiben wird, sondern auch für den zum damaligen Zeitpunkt größten Flop der Filmgeschichte. Mit "Heaven's Gate" schickte er das von Charlie Chaplin mitbegründete Studio "United Artists" de facto in den Ruin. Das fast vierstündige Filmepos war der falsche Film zur falschen Zeit. Zu Beginn der Reagan-Ära wollte niemand einen auf Tatsachen beruhenden Film sehen, in dem russische Einwanderer mit Unterstützung des US-Kongresses ermordet wurden. Da nützte auch eine Überdosis an Stars wie Kris Kristofferson, Jeff Bridges, Christopher Walken, John Hurt und Isabelle Huppert nichts.

Doch "Heavens Gate" war auch in anderer Hinsicht bedeutend. Am Set des Films trafen sich erstmals Jeff Bridges und der Gitarrist Stephen Bruton. Kristofferson hatte die Angewohnheit, seiner Band bei Filmprojekten kleine Nebenrollen zu verschaffen. Nur so konnte er sich die Musiker leisten, wie er mir vor einigen Jahrzehnten in einem Interview gestand. Und nachdem die Abende am Set langweilig waren, musizierten sie gemeinsam – alle außer Kristofferson, der mit anderen Freuden des Lebens beschäftigt war...

Jahrzehnte später sollte Bruton dann das große Vorbild für die Rolle des "Bad Blake" werden, mit der Jeff Bridges einen Oscar gewann. Bruton schrieb etliche Songs für den Film "Crazy Heart" und war am Set stets an der Seite von Bridges, um diesem mit Tipps und Anekdoten aus seiner Musiker-Laufbahn zu helfen. Einige haben dann auch Eingang in den Film gefunden, wie die Szene, in der "Bad Blake" in eine Plastikflasche uriniert.


Den Ruhm hat Bruton selbst nicht mehr genießen können. Noch bevor der Film zu Oscar-Ehren gelangte, starb Bruton am 9. Mai 2009 an Krebs im Alter von 60 Jahren. Als Musiker hatte er zahlreiche Fans im Kollegenkreis. Von Blues-Legende Bonnie Raitt, für die er auf zahlreiche Alben sowie auf Tour die Gitarre spielte, über T Bone Burnett, einen Freund aus Jugendtagen, bis hin zu Elvis Costello und Carly Simon. Etliche seiner Kompositionen wurden von Freunden wie Willie Nelson, Johnny Cash oder Waylon Jennings gesungen.

Die späte Anerkennung blieb ihm verwehrt und - förmlich als Ironie des Schicksals - kam dann noch ein hässlicher Erbstreit. Durch den überraschenden Erfolg von "Crazy Heart" gab es plötzlich einen Geldregen dank reichlicher Tantiemen. Als musikalisches Vermächtnis bleiben immerhin fünf Solo-Alben, die Bruton zwischen 1993 und 2005 aufnahm, und viele großartige Songs.






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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-07-11 13:13:16
Letzte Änderung am 2016-07-11 14:44:53


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