• vom 22.09.2016, 10:46 Uhr

Musik-Blogothek

Update: 29.11.2016, 16:46 Uhr

Radar

Wenn Gedanken zu Frequenzen werden




  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christa Hager

  • Pseudowissenschaften finden nun auch im Gebiet der experimentellen Musik Anwendung.

So sieht die interaktive Oberflöche des Online-Radionik-Radios aus. - © Screenshot radionicsradio.co.uk/

So sieht die interaktive Oberflöche des Online-Radionik-Radios aus. © Screenshot radionicsradio.co.uk/

Walgesänge, Meeresrauschen, Astralklänge oder Klangschalen: Schon lange eignet sich esoterische Musik die unterschiedlichsten Klänge an, um sie im Zuge von versprochener Selbstheilung oder  Meditation zu vermarkten. Und auch aus den Sphären der Physik wird geschröpft, wie etwa die Prinzipien der Heilung durch Radionik verheißen.

Das Mysterium besteht im Wesentlichen in der Annahme, dass der menschliche Organismus auf Radiowellen, Träger modulierter "Heilinformationen", reagiert. Dazu werden Patienten schwachen elektromagnetischen Feldern ausgesetzt, deren Schwingungen im Energiefeld eine Resonanz verursachen, die dazu führten, dass der Selbstheilungsprozess angeregt wird.

Information

Radionics Radio
An Album Of Musical Radionic Thought-Frequencies
Sub Rosa, 2016.
radionicsradio.co.uk
skepdic.com/radionics.html

Der britische Soundkünstler Daniel Wilson benutzt diese Pseudowissenschaft nun für seine eigenen Experimente. So nimmt er sich der Arbeit des Alternativmediziners George de la Warr an, der in den 1950er und 1960er Jahren unter anderem diese umstrittenen Frequenz-Therapien durchführte. Sein  Radionikgerät war mit einer kleinen Platte ausgestattet, damit Patienten einen Finger darauf reiben konnten. Blieb dieser plötzlich kleben oder spürte man eine Störung, so wurde an den Drehreglern nach der Frequenz gesucht.

Wilson verwendet diese hörbaren Ergebnisse allerdings als Material für seine Kompositionen, wodurch man auf seinem aktuellen Tonträger "Radionics Radio - An Album of Musical Radionic Thought Frequencies" in diese wissenschaftlich nicht belegten Heilmethode hineinhören kann.  Zum einen gibt das Album die Klänge aus dem Multi-Wellen-Oszillator aus Warrs Labor, zum anderen aus eigenen Experimenten, die Wilson im Rahmen seines Radio-Experiments gesammelt und verändert hat.

Er rief die Hörer seines Internet-Radio-Projekts dazu auf, den Online-Oszillator mit Gedanken zu füttern. Diese wurden dann mittels Reibepad, Regler und einer Speichertaste in Frequenzen übersetzt. Das Ergebnis ist ein musikalisch durchaus interessantes Album, vor allem wegen seiner großen Bandbreite an Rhythmen und elektronischen Mikrotönen und Drones. Allerdings bleibt der  Nachgeschmack einer Huldigung der Quacksalberei.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-09-21 16:47:51
Letzte Änderung am 2016-11-29 16:46:51


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Frischzellenkur aus der Arena
  2. Frauen, die Baby heißen
  3. Erich Kleinschuster gestorben
  4. Der universell Umtriebige
  5. Nikolaus Bachler soll neuer Intendant werden
Meistkommentiert
  1. Der universell Umtriebige

Werbung



CDs

Pop-CD

Dreifachkonzert statt Vierklang

Eigenwillig, perfektionistisch - und auf großartig klingenden neuen Wegen unterwegs: die Schweizer Kosmopolitin Sophie Hunger. - © Marikel Lahana Kein Vierklang mehr. Auf allen (fünf) bisherigen Alben der Schweizer Singer/Songwriterin waren Songs auf Englisch, Französisch... weiter




Jazz-CD

Mann mit Minze

Schnell, schneller, Nähmaschine: Gitarristen mit dem Drang zur Höchstgeschwindigkeit hören sich nicht selten an wie Automaten... weiter




Jazz-CD

Schwankende Güte

Sechs Jahre ist es her, dass er seine Opernkarriere wegen einer Stimmkrise beendet hat. Eine Hintertür hat sich Thomas Quasthoff zur Sängerbühne aber... weiter




Jazz-CD

Ein Rausch

Es kommt selten vor, dass einen Musik gleichzeitig glücklich und traurig macht. Bei "e.s.t. Live In London" ist das der Fall: Das Doppelalbum beweist... weiter




Jazz-CD

Kunterbunte Tour

Kaum ein Jazzpianist hat seine Finger von "Spain" gelassen: Den sonnigen Ohrwurm von Chick Corea gibt es in fast so vielen Fassungen... weiter






Tilda Swinton in einem Haute Couture Kleid des Designers Schiaparelli - das sich sogar in den Schuhen und Handschuhen optisch fortsetzt.

Gruppenbild der Jury: Präsident Guillermo del Toro (4.v.l.) gewann im Vorjahr den Goldenen Löwen für "The Shape of Water". Ganz links Venedig-Chef Alberto Barbera im Gespräch mit Christoph Waltz, ganz rechts:Biennale-Präsident Paolo Barratta. Werbung für Die Single "Baby I Love You" im Magazin Billboard 1959.

Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand. Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen.


Werbung