• vom 24.09.2013, 15:56 Uhr

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Update: 30.09.2013, 15:00 Uhr

Nationalratswahl

Später Showdown




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  • Zwischenstand
  • Im letzten Kanzlerduell beginnt ÖVP doch zu fighten. Keine Sekunde zu früh.



Vieles am freiheitlichen Wahlkampf des Jahres 2013 erinnert nicht unbedingt an die erfolgreichen Kampagnen früherer Tage. Statt brachialer Reime finden sich auf den Plakaten esoterische Texte zum entstellten christlichen Prinzip der Nächstenliebe. Die TV-Spots des Spitzenkandidaten sind kaum anders: Sie setzen auf eine eigenartige Mischung aus Elementen des legendären Bawag-Spots der siebziger Jahre und Jörg Haiders letztem Wahlkampf 2008.

Heinz im Glück
Aber auch wenn die blaue Kampagne im Sprung gehemmt wirkt: Man trifft dieser Tage auf einen gut gelaunten Spitzenkandidaten. Offenbar hat Heinz-Christian Strache den Schock halbwegs verdaut, dass sich das von ihm so sehr herbeigesehnte Kanzlerduell nicht ausgegangen ist. Die Stimmungsaufhellung ist genauso wenig auf hausgemachte Gründe zurückzuführen wie die freiheitliche Stagnation in den Monaten davor.


Beide Male ist Frank Stronach kein Unbeteiligter. Strache hat Glück im Unglück: Kostete ihn das Antreten des Milliardärs erst die ursprünglich eingepreisten Zuwächse, so ist die Implosion von Stronachs Kampagne nun auch für die jüngste Steigerung der FPÖ mitverantwortlich.

Hätte Strache nach den ersten Landtagswahlergebnissen dieses Jahres wohl schon das bloße Halten des Ergebnisses von vor fünf Jahren (17,5 Prozent) akzeptiert, liegt die Latte nun wieder bei 20 Prozent. Wenn die FPÖ Glück hat, kann sie in den letzten Tagen sogar noch der ÖVP gefährlich nahe rücken und Platz zwei ins Visier nehmen.

Geliebter Feind
Dafür verantwortlich ist allerdings nicht nur die Schwäche von Stronach und ÖVP. Auch sonst hat die FPÖ Feinde, die jeden Freund obsolet machen. Zuletzt eilten den Blauen jene Asylsuchenden zu Hilfe, die erneut die Wiener Votivkirche besetzten. Die FPÖ nahm die großflächigen Berichte dankbar auf, so direkt hatte schon lange keiner ihre Kernpositionierung in Erinnerung gerufen. Interessant auch die Reaktion des Innenministeriums: Durch die blitzartige Räumung der Kirche versuchte man das Thema rasch aus dem Lichtkegel des Wahlkampffinishs zu zerren.

Glawischnig biegt ab
Ähnlich agierte die grüne Spitzenkandidatin Eva Glawischnig in der Oppositions-Debatte auf ATV vergangenen Sonntag: Als Strache dort das Thema Bildung und mangelnde Lesekompetenz bei Kindern geschickt mit seinem Leib-und-Seelen-Thema Zuwanderung verknüpfte, reagierte die Grüne - gar nicht. Die Behauptungen Straches blieben unwidersprochen im Raum stehen. Glawischnig bog rasch zum nächsten Thema ab. Frühere Spitzenkandidaten wären mit der gezielten Provokation wohl anders umgegangen. Glawischnig dagegen wiederholte Volten aus anderen Debatten. Immer wenn es bei den Themen Verkehr, Vegetarier und Verbote zielgruppentechnisch eng wurde, fiel der Grünen rasch ein Korruptionsfall im Lager des Gegners ein. Grünen Basisvertretern mag das sauer aufstoßen, die Reaktion Glawischnigs zeugt aber von modernem Themenmanagement.

Verschwörungstheorien
Zurück zum blauen Themenpark. Für seine Vervollständigung fehlte in den vergangenen Tagen nur noch eines: der Einzug der Euro-kritischen "Alternative für Deutschland" (AfD) in den Bundestag. Ihr knappes Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde wurde zum Wermutstropfen in einer für die Blauen sonst erfreulichen Schlussphase des Wahlkampfs und befeuerte wieder einmal Verschwörungstheorien. Warum, wunderten sich die Spitzenvertreter der FPÖ noch am Wahlabend, sei ausschließlich bei der AfD den ganzen Abend über bei den Hochrechnungen keinerlei Bewegung feststellbar gewesen? Das könne kein Zufall sein, müsse gesteuert gewesen sein.

Kein deutscher Turbo
Der blaue Ärger hat Gründe. Denn haben der Triumph Angela Merkels, der Untergang der FDP und das desaströse Abschneiden der Grünen in Deutschland auf die heimische Kampagnenlandschaft wohl kaum Auswirkungen, wäre der Einzug der AfD anders zu bewerten gewesen. Hätten es die Eurokritiker tatsächlich in den Bundestag geschafft, wäre das wohl europaweit zu einem Top-Thema aufgestiegen. Und die FPÖ hätte die Auffrischung eines ihrer zentralen Wahlkampfthemen erfahren. Ohne Alternative im Bundestag rangierte das Thema Euro dagegen nur unter ferner liefen. Den deutschen Turbo fürs blaue Wahlkampffinish gab’s also zumindest nicht.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-09-24 15:59:04
Letzte Änderung am 2013-09-30 15:00:31


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