• vom 27.11.2018, 14:59 Uhr

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Update: 27.11.2018, 15:18 Uhr

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Die Reichen und die Künstler




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Von Michael Wimmer

  • Die Monetarisierung des Leistungsbegriffes.



Michael Wimmer ist Direktor des Forschungs- und Beratungsunternehmens Educult und Privatdozent an der Universität für angewandte Kunst.

Michael Wimmer ist Direktor des Forschungs- und Beratungsunternehmens Educult und Privatdozent an der Universität für angewandte Kunst.© privat Michael Wimmer ist Direktor des Forschungs- und Beratungsunternehmens Educult und Privatdozent an der Universität für angewandte Kunst.© privat

René Benko war in der vergangenen Woche in aller Munde. Mit seiner Entscheidung, sich ins Medienimperium von "Krone" und "Kurier" einzukaufen, verschaffte sich der Immobilien-Milliardär breite öffentliche Aufmerksamkeit. Seinen kommerziellen Riecher hat er zuletzt bei der Übernahme der desolaten Kika/Leiner-Gruppe unter Beweis gestellt. Entsprechend intensiv spekuliert die Öffentlichkeit darüber, welche Konsequenzen sein jüngstes Engagement für die österreichische Medienlandschaft haben könnte.

Solche Deals sind eine gute Gelegenheit, die Finanzkraft derjenigen, die sie einfädeln, genauer auszuleuchten. Also erfahren wir auf allen Kanälen, dass der 41-jährige Selfmademan über ein Immobilien-Portfolio von zumindest 14 Milliarden Euro verfügt und sich mit einem persönlichen Besitz von knapp 4 Milliarden Euro unter die zehn reichsten Österreicher reiht.

Dazu ein Vergleich: Mit seinem in kürzester Zeit erworbenen Besitzstand verfügt Benko nicht über das hundert- oder tausendfache Jahreseinkommen eines Beschäftigten, der sich über ein durchschnittliches Monatseinkommen von rund 2300 Euro freuen darf - die Relationen bewegen sich stattdessen im Verhältnis von 1:10.000 beziehungsweise 1:20.000; damit in Größenordnungen, die sich dem herkömmlichen Verständnis beruflicher Verhältnisse, die erbrachte Leistungen gegen Geldwerte tauschen, völlig entziehen. Die Arbeiterkammer hat dazu zuletzt eine Studie veröffentlicht, wonach obere und untere Einkommen immer weiter auseinanderdriften. Als Gegenmaßnahme schlägt sie vor, die Einkommensunterschiede auf maximal 1:60 zu beschränken. Hier aber streift ein Selfmademan zumindest zehntausend Mal mehr ein als die überwiegende Anzahl aller anderen sogenannten Leistungsträger. Und doch scheint dieser Vorgang ganz normal.


© CC/Ygrek © CC/Ygrek

Kanzleramtsminister Gernot Blümel hat jüngst im "profil"-Interview auf einen Grundwert der ÖVP hingewiesen, der "Gerechtigkeit für die Leistungsträger" sicherstellen soll. Er bekannte sich damit zu den Prinzipien der "Meritokratie", wonach ausschließlich Ausbildung und daraus resultierende Leistungen beziehungsweise Verdienste die zentralen Ingredienzien einer herausragenden Reputation abgeben sollen.

Enge Beziehungen zwischen Politik und Wirtschaft

Vor kurzem lud Benko "Toute Vienne" zum traditionellen Törggelen in sein Park Hyatt Hotel ein. Augenscheinlich geschmeichelt von der Einladung eines rasch zu Reichtum Gekommenen machten Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Vizekanzler HC Strache (FPÖ) und der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) mit ihrer Anwesenheit die engen Beziehungen zwischen Politik und Wirtschaft deutlich.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-11-27 15:10:33
Letzte Änderung am 2018-11-27 15:18:05



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