• vom 18.12.2018, 06:30 Uhr

Gastkommentare

Update: 18.12.2018, 13:57 Uhr

Gastkommentar

Handlungsbedarf beim Klima: Die Perspektive der Wissenschaft




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  • Acht österreichische Wissenschafter ziehen Bilanz nach der Weltklimakonferenz von Kattowitz.



Erneuerbare Energieträger eröffnen neue Chancen.

Erneuerbare Energieträger eröffnen neue Chancen.© dpa/Roland Weihrauch Erneuerbare Energieträger eröffnen neue Chancen.© dpa/Roland Weihrauch

Lange Zeit waren die zum 24. Mal stattfindenden internationalen Klimaverhandlungen in Kattowitz von Stillstand und Obstruktion durch Erdöl und Erdgas produzierende Staaten geprägt. Kurz vor dem Ende kam dann aber doch noch Fahrt in den Prozess, und das über die vergangenen drei Jahre verhandelte Regelwerk zur transparenten Berichterstattung von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen gemäß des Pariser Klimaabkommens von 2015 konnte verabschiedet werden. Die Annahme des Regelwerks ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, jedoch, wie viele Beobachter konstatierten, nur ein kleiner. Die Steigerung des "Klimaehrgeizes", also der Verschärfung der nationalen Klimaziele, fand nicht in ausreichendem Ausmaße statt. Statt der "Paris Ambition", die beinhaltet, die globale Erwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius zu limitieren, steuert die Welt eher auf katastrophale 3 Grad Temperaturanstieg zu.

Zum Teilerfolg der Konferenz trug der zwischen den Kattowitzer Klimaverhandlungen und der Marrakescher Migrationsdebatte hin und her eilende UN-Generalsekretär Antonio Guterres bei. Dieser verwies in seinem Appell an die Verhandler aus 197 Ländern auf die Klimawissenschaft, insbesondere auf den Sonderbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC - UN-Klimarat). Dieser sei eine "klare Darstellung der Folgen einer globalen Erwärmung von über 1,5 Grad für Milliarden von Menschen, insbesondere für die, die kleine Inselstaaten ihr Zuhause nennen". Diese Gelegenheit in Katowice zu verschwenden, wäre "nicht nur unmoralisch, es wäre selbstmörderisch". Weitere Dramatik kam ins Spiel durch "Emergency Coalition" aus Inselstaaten und vulnerablen Entwicklungsländern, die - ebenfalls auf den IPCC verweisend - gegen ihre "Auslöschung" rebellierten. Auch dies motivierte den Zusammenschluss von EU-Staaten (inklusive Österreich) mit Kanada, Neuseeland und Entwicklungsländern, wie Fidschi in einer "High-Ambition Coalition", die sich zur Diskussion ambitionierterer Klimaziele im Sinne des 1,5-Grad-Ziels, beginnend im Jahre 2020, verpflichteten.

Information

Acht österreichische Wissenschafter ziehen Bilanz nach der Weltklimakonferenz von Kattowitz:

Die Autoren dieses Textes sind Reinhard Mechler (IIASA, IPCC-Mitautor), Angelika Wolf & Claudia Michl, (CCCA Geschäftsstelle & Servicezentrum, Koordinatorinnen IPCC und COP24 Dialoge), Julia Kolar (Leitung CCCA Geschäftsstelle), Willi Haas (Boku, Leitung APCC-Sonderbericht zu Gesundheit, Demografie und Klimawandel), Thomas Schinko (IIASA, Leitung CCCA-Nachwuchsgruppe), Isabella Uhl-Hädicke (Universität Salzburg, CCCA Vorstand) und Gerhard Wotawa (ZAMG, CCCA-Obmann).

Der Kommentar spiegelt die Meinung der Autoren, nicht aber automatisch der sie beschäftigenden Institutionen wider.

Lob für den IPCC-Bericht, aber mit dem falschen Aspekt

Der vom IPCC vorgelegte Bericht war ein ständiger Begleiter der Verhandlungen. Das fast 800 starke Werk war durch das Pariser Abkommen eingefordert worden, um die Evidenz zu den Auswirkungen und Möglichkeiten einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad zu stärken. Und: Er wurde im Oktober von allen IPCC-Mitgliedsländern akzeptiert, die im Wesentlichen deckungsgleich sind mit den Ländern und Personen, die sich in Kattowitz zu Verhandlungen unter der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) trafen und letztendlich auch den Bericht in Diplomatensprache "begrüßten"; jedoch, auf Druck der Klimaaktionsbremser Saudi-Arabien, USA und Russland, in relativ undankbarer Weise, da weniger die klaren Erkenntnisse betont wurden, sondern die zeitige Publikation des Berichtes - von einer Konferenz, die selbst ihrem Zeitplan stark hinterhinkte.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-12-17 17:52:58
Letzte Änderung am 2018-12-18 13:57:55


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