• vom 03.01.2019, 15:08 Uhr

Gastkommentare

Update: 03.01.2019, 15:51 Uhr

Gastkommentar

Adieu, Willkommenskultur?




  • Artikel
  • Kommentare (21)
  • Lesenswert (104)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Arno Tausch

  • Die Bastionen der globalen Intoleranz gegen Migranten liegen sicher nicht in Europa.







Es fehlt ja nicht an gewichtigen Stimmen, die uns sagen, zur sogenannten Willkommenskultur gebe es keine Alternative. Zum Projekt der derzeit amtierenden österreichischen Bundesregierung, eine restriktive Zuwanderungspolitik zu realisieren, äußerten sich im Jahr 2018 bekanntlich zahlreiche renommierte Intellektuelle sehr kritisch. So meinte jüngst der Theaterregisseur Claus Peymann im "Standard", Österreich sei bereits "die Avantgarde des Fremdenhasses". Ein unter anderem von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek unterschriebener Aufruf nannte die österreichische Politik in diesem Bereich sogar "widerwärtig".

Aus Sicht des empirisch arbeitenden Politologen dürfte es 2019 um die Willkommenskultur sehr schlecht bestellt sein. Dies, weil ihre Unterstützung nicht nur in den Ländern des globalen Nordens abbröckelt, sondern auch im globalen Süden. Österreich ist jedenfalls nicht "die Avantgarde des Fremdenhasses", weil laut den Daten des globalen Meinungsbarometers "World Values Survey" - in absteigender Reihenfolge - gerade die Bewohner von Libyen, Malaysia, Ägypten, Thailand, Bangladesch, Jordanien, Katar, Libanon, Palästina, Irak, Südkorea, Indien, Kuwait, Frankreich, Indonesien, Vietnam, Türkei, Iran, Ecuador und Saudi-Arabien zu jeweils mehr als einem Drittel Migranten als Nachbarn ablehnen.

Eine Sonderauswertung des "World Values Survey", der für gut 90 Prozent der Weltbevölkerung frei verfügbare aktuelle Meinungsprofile der Weltbevölkerung anbietet, widmet sich neben der Akzeptanz von Migranten als Nachbarn auch der Präferenz für eine restriktive Einwanderungspolitik in den Ländern der Welt. Dabei reicht die Skala von 1 (jeder soll kommen), bis 4 (totaler Einwanderungsstopp).

Konsequenzen an den Urnen

Die für Vertreter der Willkommenskultur absolut schockierende Wirklichkeit ist, dass in manchen Ländern des globalen Südens Xenophobie gegen Migranten und der Ruf nach einer harten, restriktiven Einwanderungspolitik oft stärker ausgeprägt beziehungsweise lauter sind als in den Ländern des globalen Nordens. Die Bastionen der globalen Intoleranz gegen Migranten liegen sicher nicht in Europa.

Die Daten des "World Values Survey" zeigen auch, dass in vielen Ländern des globalen Südens eine liberale Einwanderungspolitik keine Unterstützung findet. Besonders eklatant ist dies in jenem geografischen Bogen, der sich von der Türkei bis nach Malaysia erstreckt, also genau jener Region, aus der die meisten Zugewanderten in Europa seit 2015 stammen. In absteigender Reihenfolge befürworten mehr als die Hälfte der Bewohner in Malaysia, Thailand, Indonesien, Singapur, Iran, Tansania, Philippinen, Südafrika, Ungarn, Jordanien, Mazedonien, Taiwan, Slowakei, Trinidad und Tobago, Puerto Rico, Tschechien, Indien, Ägypten, Polen, Sambia, Zypern, Finnland, Litauen, USA, Türkei und Montenegro eine restriktive Einwanderungspolitik.




weiterlesen auf Seite 2 von 3




21 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-03 15:20:25
Letzte Änderung am 2019-01-03 15:51:38


Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Kein Alexander nirgendwo
  2. Eine Geschichte des Versagens
  3. Von Mördern und Opfern
  4. Rasend vor Wut
  5. Alles nur Theater?
Meistkommentiert
  1. Rasend vor Wut
  2. Trumps Mauerbau
  3. Alles nur Theater?
  4. Eine Geschichte des Versagens
  5. Verlust der Wahrheit


Werbung