• vom 06.01.2019, 10:00 Uhr

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Soziale Ungleichheit braucht sozialen Ausgleich




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Von Holger Blisse

  • Die Menschen, die als Flüchtlinge und Migranten zu uns kommen, legen die Unterschiede in unserer Lebenswelt noch offener.

- © Illustration: stock.adobe.com/hue

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Holger Blisse ist Wirtschafts- und Sozialwissenschafter (Buchtipp: "Geld und Gesellschaft", Wissenschaftlicher Rat 2018). Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/gastkommentare

Holger Blisse ist Wirtschafts- und Sozialwissenschafter (Buchtipp: "Geld und Gesellschaft", Wissenschaftlicher Rat 2018). Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/gastkommentare Holger Blisse ist Wirtschafts- und Sozialwissenschafter (Buchtipp: "Geld und Gesellschaft", Wissenschaftlicher Rat 2018). Alle Beiträge dieser Rubrik unter: www.wienerzeitung.at/gastkommentare

Heutige Flüchtlingsströme und (Arbeits-)Migration rufen Erinnerungen wach: Im Rückblick auf die Zeit des Wirtschaftswunders der 1950er und 1960er Jahre sagte man, damals seien Arbeitskräfte gerufen worden, aber Menschen gekommen - mit ihrem Wunsch, die eigenen Lebensumstände zu verbessern, mehr Geld zu verdienen, als es in der Heimat möglich war, und ihre Familie zu unterstützen. Viele fanden hier eine neue Heimat und blieben. Integrationsbegleitung gab es damals so gut wie keine.

Die Menschen, die es heute nach Europa zieht, hat niemand gerufen, und sie selbst haben es sich auch nicht immer ausgesucht. Doch vielen erschien die beschwerliche Flucht als einziger Ausweg, um Krieg, Verfolgung oder auch Armut zu entkommen und sich und ihre Familien in ein hoffnungsvolleres Leben zu retten. Sie kamen für uns vor allem in den städtischen Ballungszentren in Europa überraschend. Anfänglich waren alle überfordert, auch angesichts der großen Zahl innerhalb so kurzer Zeit.


Doch im Rückgriff auf frühere Erfahrungen, auch mit Unterstützung derjenigen, die aus den Herkunftsländern schon länger eine neue Heimat in Europa gefunden haben, und damit insgesamt vor allem dank der Solidarität der aufnehmenden Bevölkerung, aber auch den staatlichen Angeboten, gelingen Beiträge zur Integration. Sie sind ein Signal, dass diese Menschen willkommen sind, auch wenn es die kulturellen, vor allem religiös geprägten Gegensätze nicht nur über eine Generation weiter auszuhalten gelten wird.

Unterschiedliche Umstände schon beim Start ins Leben
Die Menschen, die zu uns gekommen sind, führen uns ihre Not, aber auch Lebensfreude darüber vor Augen, dass sie in Sicherheit sind. Zugleich legen sie die Unterschiede in unserer Lebenswelt noch offener. Das Soziale ist einfach da, wo Menschen zusammen leben, arbeiten, wohnen . . .

Für Neuankömmlinge wie auch für Alteingesessene bleiben es immer die gleichen großen sozialen Themen wie Arbeit, Bildung, Familie, Gesundheit und Wohnen, bei denen Unterschiede bestehen, Ungleichheit zu beobachten ist und statistisch erhoben und gemessen wird: ob die Kinder in der Stadt oder auf dem Land aufwachsen; ob sie einen Garten haben; ob sie über viel oder wenig Spielzeug verfügen. Nicht nur das Familieneinkommen, sondern auch die Bildung der Eltern bestimmt unter anderem die späteren Berufs-, Bildungs- und Karrierewege - und damit die gesamten Lebenswege - der Kinder.

Bereits die Startbedingungen ins Leben sind für jede/n Einzelne/n sehr verschieden: In welchem Krankenhaus die Kinder zur Welt kommen; welche Schule besucht werden kann; welche Freunde, Lehrer und Mitschüler die jungen Menschen begleiten - das alles kann für die Zukunft von Bedeutung sein. Chancengleichheit wird es wohl nicht geben, vielleicht Chancengerechtigkeit in dem Sinne, dass es denen, die es aus den verschiedensten Gründen nicht leicht haben, nicht auch noch schwerer gemacht wird. Anderenfalls fallen die Unterschiede - sehr technisch gesprochen - gemessen an den formalen Bildungsabschlüssen, dem späteren Erwerbseinkommen und der Qualität der zugänglichen Daseinsgrundfunktionen noch größer aus.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-04 11:14:14
Letzte Änderung am 2019-01-04 12:23:13



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