• vom 06.07.2006, 00:00 Uhr

Gastkommentare


Gastkommentar von Detlef Kleinert

Deutschlands neues Selbstbewusstsein




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Wer in diesen Tagen - auch nach dem Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM - durch Deutschland reist, erlebt ein völlig neues Land: Schwarz-rot-goldene Fähnchen, wohin man schaut, und ein ganz ungewohntes Selbstbewusstsein.



Es sei dahingestellt, ob die Organisatoren der Fußball-Weltmeisterschaft dies alles im Sinne hatten. Tatsache ist, dass die Medien mit nur wenigen Ausnahmen eine nationale Euphorie entfacht haben, die noch vor wenigen Monaten in der Canossa-Republik undenkbar schien. Zugegeben, das hat vorläufig noch wenig Substanz, das bleibt an der sportlichen Oberfläche, aber immerhin, es ist da und wird weiter wirken.


Eine Beobachtung am Rande: Während im Jahr 1974 (damals wurden die Deutschen Fußball-Weltmeister) die Mannschaft mit zusammengekniffenen Lippen die Nationalhymne über sich ergehen ließ, singen Spieler und Trainer im Jahr 2006 die Hymne sichtlich ergriffen mit. Ein Beispiel, das Schule macht: Auch bei den Fan-Festen singen heute Zehntausende mit.

Um so lächerlicher der Versuch der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die deutsche Hymne als aggressiv zu denunzieren und ihre Abschaffung zu fordern (wenn diese Herrschaften wirklich aggressive Hymnen hören wollen, müssen sie nach Frankreich, Italien oder Portugal gehen). Die ständig besorgte Kaste der ewig-gestrigen 68er ist intellektuell am Ende, wird nur noch als Relikt einer traurigen Vergangenheit wahrgenommen - und das beste ist: Sie wissens selber!

Dabei ist es höchste Zeit, zu einem patriotischen Selbstbewusstsein zurückzufinden, denn wir leben in einer Epoche, in der nach dem Jahrhundert der Kriege nun nicht-kriegerische Konflikte unser Leben bestimmen. Insbesondere der Ansturm der islamischen Migranten, die sich keineswegs integrieren wollen, fordert Besinnung auf unsere eigene Identität. Nur mit einem gesunden Maß an Selbstbewusstsein wird dieser Konflikt zu bestehen sein. Und natürlich hat der frühere Staatspräsident Estlands, Lennart Meri, Recht, wenn er den Deutschen ins Stammbuch schreibt: "Man kann einem Volke nicht trauen, das rund um die Uhr eine intellektuelle Selbstverachtung praktiziert."

Es ist also an der Zeit, aufzuhören mit der intellektuellen Selbstverstümmelung, die die gesamte Geschichte der Deutschen auf die tragischen zwölf Jahre Hitlerismus beschränken will, die - wie Ex-Außenminister Fischer formulierte - Auschwitz als Grundstein Deutschlands ansieht. Es ist nun ein erster Schritt getan, unbefangen auch von den Höhepunkten der deutschen Geschichte zu sprechen (ohne die Tiefen zu vergessen).

Detlef Kleinert ist SüdosteuropaKorrespondent der ARD in Wien.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2006-07-06 00:00:01
Letzte Änderung am 2006-07-05 17:45:00

Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Eine Reform, nur keine große
  2. Generation Aufbau
  3. Lernen von Macron
  4. Appell für Großzügigkeit
  5. Kein Bruch mit der Merkel-Ära
Meistkommentiert
  1. Kein Bruch mit der Merkel-Ära
  2. Zwei Wege
  3. Generation Aufbau
  4. Genug verhindert
  5. Die fossile Versuchung


Werbung