• vom 22.11.2012, 16:14 Uhr

Gastkommentare

Update: 22.11.2012, 16:27 Uhr

Franz Nauschnigg

Keine Währungs- sondern Banken- und Staatsschuldenkrise




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Von Franz Nauschnigg

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Der Euroraum ist derzeit von einer sich gegenseitig verstärkenden Banken- und Staatsschuldenkrise betroffen. Der Euro schützt die Euroländer vor Währungskrisen, nicht jedoch vor Banken- und Staatsschuldenkrisen. Die Krise im Euroraum ist daher nicht wie verschiedentlich dargestellt eine Krise des Euro, sondern eine Banken- und Staatsschuldenkrise einiger Mitgliedsländer.

Der Euro muss gegen Spekulanten geschützt werden.

Der Euro muss gegen Spekulanten geschützt werden.© APA/BARBARA GINDL Der Euro muss gegen Spekulanten geschützt werden.© APA/BARBARA GINDL

Deregulierte Finanzmärkte sind instabil und entwickeln immer wieder Boom/Bust-Zyklen, die zu Finanzkrisen führen. Finanzmärkte wurden historisch immer wieder von Manien, spekulativen Übertreibungen, Paniken und häufigen Krisen gekennzeichnet.


Studien zeigen, dass es historisch immer wieder regionale und auch globale Finanzkrisen gab. Der Vergleich der jüngsten Krise mit früheren globalen Krisen führt zu einem Déjà-vu. Die schwersten wirtschaftlichen Wachstumsverluste zeigten Bankenkrisen mit durchschnittlich 10,7 Prozent des BIP, wobei die Jahre 1931/32 die schwersten Wachstumsverluste (28,3 Prozent des BIP) aufwiesen.

Nach einer relativ stabilen Phase im Bretton-Woods-System, das als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise der 1930er geschaffen wurde und sich durch stark regulierte Finanzmärkte auszeichnete, kam es nach dessen Zusammenbruch 1971 und der danach betriebenen Deregulierung der Finanzmärkte wieder verstärkt zu Finanzkrisen.

Franz Nauschnigg ist Leiter der Abteilung für Integrationsangelegenheiten und Internationale Finanzorganisationen in der Oesterreichischen Nationalbank.

Franz Nauschnigg ist Leiter der Abteilung für Integrationsangelegenheiten und Internationale Finanzorganisationen in der Oesterreichischen Nationalbank.© Foto: privat Franz Nauschnigg ist Leiter der Abteilung für Integrationsangelegenheiten und Internationale Finanzorganisationen in der Oesterreichischen Nationalbank.© Foto: privat

Laut IWF gab es von 1970 bis 2011 etliche Finanzkrisen: 218 Währungs-, 147 Banken- und 66 Staatsschuldenkrisen, oft in Kombination. Die schwersten wirtschaftlichen Verluste entstanden durch Bankenkrisen in den Industrieländern, die im Schnitt Wachstumsverluste von 32,9 Prozent des BIP und einen Anstieg der Staatsschulden um 21,4 Prozent des BIP brachten; die direkten budgetären Kosten für die Bankenrettung waren mit 3,8 Prozent des BIP relativ gering.

Die jüngsten Finanzkrisen in Europa haben die Anfälligkeit gezeigt. In Europa gibt es voll liberalisierte Finanzmärkte, aber eine relativ schwache europäische Finanzarchitektur. Die Budgetüberwachung durch die EU erwies sich als unzureichend.

Die Fragmentierung der Anleihemärkte für Staatsanleihen im Euroraum erlaubt es den Finanzmärkten, gegen die Staats- schulden einzelner Länder (auf steigende Zinsen beziehungsweise CDS-Spreads oder fallende Anleihekurse) und damit auch gegen die Existenz des Euroraumes insgesamt zu spekulieren, indem sie systematisch ein Land nach dem anderen angreifen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-11-22 16:20:10
Letzte Änderung am 2012-11-22 16:27:25


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