• vom 16.09.2015, 16:20 Uhr

Gastkommentare

Update: 16.09.2015, 16:34 Uhr

Gastkommentar

Die Flüchtlinge sind das Ende von Europa




  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (20)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Sebastian Corti



    © Privat © Privat

    Dieser Titel, egal wie man ihn liest, ist natürlich kompletter Unsinn. Aber es gibt wenige, die meinen, dass die derzeitigen Antworten auf die Flüchtlingskrise adäquat sind. Es herrscht helle Aufregung in Österreich, in Europa, und ein Gefühl der Hilflosigkeit macht sich breit. Wie sollen wir mit täglich tausenden neuen Flüchtlingen umgehen? Die Antwort ist nicht einfach, und jeder, der das leugnet, ist entweder sehr naiv oder unehrlich.

    Es lohnt sich, einen kühlen Kopf zu bewahren und auf Basis unseres europäischen Fundaments rasch und entschlossen zu handeln. Dieses Fundament ist die Rechtsstaatlichkeit, die so vielen Ländern fehlt, aus denen Menschen fliehen. Und dieses Fundament sind auch unsere vielbeschworenen Werte, die sich in einem Satz zusammenfassen lassen: Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst.

    Information

    Sebastian Corti (48) ist Geschäftsführer von World Vision
    Österreich. Die internationale Hilfsorganisation ist derzeit im Einsatz
    bei der Flüchtlingsbetreuung sowohl in und um Syrien als auch an der
    serbisch-ungarischen Grenze.


    Zunächst zur Rechtsstaatlichkeit: Es kommen derzeit Flüchtlinge vor allem aus Syrien, aus Afghanistan, aber auch aus anderen Ländern zu uns. Allen gemeinsam ist, dass in ihren Herkunftsländern kein Rechtsstaat existiert, Korruption und Vetternwirtschaft blühen, das Recht auf Eigentum nicht gesichert ist, die Justiz nicht unabhängig agiert. Egal, wie man sich bemüht: Man ist der Willkür ausgesetzt. Jeder Mensch, der sich eine Existenz aufbauen will, muss entweder unethische Abkürzungen wählen oder das Land verlassen. Wenn möglich legal, wenn nicht, auch illegal. Das sind die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge. Dazu gehören auch viele, die aus Ländern kommen, wo Krieg herrscht, etwa Syrien oder Afghanistan. Nicht alle waren physischer Gewalt ausgesetzt. Aber alle leiden unter Gesetz- und Perspektivenlosigkeit.

    apa/Barbara Gindl

    apa/Barbara Gindl apa/Barbara Gindl

    Deshalb muss jede staatliche Entwicklungshilfe an die Umsetzung von Rechtsstaatlichkeit in den sogenannten Ländern des Südens gebunden sein. Der Rechtsstaat erst ermöglicht vormals sehr armen und korrupten Ländern, sich vielversprechend entwickeln - ich erinnere an Singapur, das zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit 1965 zur sogenannten Vierten Welt gehörte, damals sah kaum jemand Zukunftschancen für das Land. Dazu gehören aber auch Georgien, Polen und das Negativbeispiel Ukraine, das zum Zeitpunkt des Mauerfalls eine vergleichbare wirtschaftliche Ausgangssituation wie Polen hatte.

    Rechtsstaatlichkeit im Umgang mit den Flüchtlingen
    Rechtsstaatlichkeit ist aber auch erforderlich im Umgang mit den Flüchtlingen bei uns. Wenn zu wenig Kapazitäten vorhanden sind, um die geltende Gesetzgebung umzusetzen, dann müssen diese eben rasch erhöht werden. Die Gesetze müssen entschlossen eingehalten und sowohl den Flüchtlingen (realen und potenziellen) als auch der eigenen Bevölkerung klar kommuniziert werden, was ein Land leisten kann und was nicht. Dabei muss das Gemeinwohl im Auge behalten werden. Wenn man dieses überstrapaziert, ist das für niemanden zielführend. Hier sind Mut und Ehrlichkeit gefordert, in einem Wort: Leadership.

    weiterlesen auf Seite 2 von 2




    3 Leserkommentare




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2015-09-16 16:23:06
    Letzte Änderung am 2015-09-16 16:34:04


    Werbung



    Beliebte Inhalte

    Meistgelesen
    1. Ohne Pardon
    2. Erst ein Vorgeschmack
    3. Frei oder willig?
    4. Chance zur Erneuerung
    5. Herzlichst, Ihr Hater!
    Meistkommentiert
    1. Herzlichst, Ihr Hater!
    2. Attacke der Retter
    3. Frei oder willig?
    4. Ohne Pardon
    5. Staat mit Eigenschaften


    Werbung