• vom 01.08.2016, 18:19 Uhr

Gastkommentare

Update: 02.08.2016, 18:22 Uhr

Gastkommentar

Ein Sektor unter "Stress"




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Von Holger Blisse

  • Benötigen wir einen entspannteren Umgang mit weiterhin vielen Banken und Sparkassen?

Holger Blisse ist Lehrbeauftragter und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozialpolitische Themen spezialisiert.

Holger Blisse ist Lehrbeauftragter und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozialpolitische Themen spezialisiert. Holger Blisse ist Lehrbeauftragter und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozialpolitische Themen spezialisiert.

Beim EZB-Stresstest 2014 wiesen 25 von 130 Banken unter der Annahme sich verschlechternder wirtschaftlicher Daten zu wenig oder sogar negatives Eigenkapital aus. Diesmal wurden von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) nur 51 aller 129 von der EZB beaufsichtigten Banken ausgewählt und untersucht, niemand konnte "durchfallen". Dies sei, so argumentieren Beobachter, darauf zurückzuführen, dass man vor allem Investoren der börsennotierten Bank-Aktiengesellschaften "beruhigen" wolle.

Den beiden einbezogenen österreichischen Instituten ist ein Platz im Mittelfeld - durch die Erste Group Bank (8,2 Prozent) - und zumindest ein "Bestehen", wenn auch auf den hinteren Rängen - der Raiffeisen-Landesbanken-Holding (6,1 Prozent) - gelungen. Man hat hier schon früh auf die seit Jahresbeginn ergriffenen Maßnahmen hingewiesen, die heute zu höheren Kapitalquoten geführt hätten. Dass sich der Blick auf die größten Institute konzentrierte und gerade diese, wie UniCredit (7,1 Prozent), Barclays (7,3 Prozent), Commerzbank (7,4 Prozent) und Deutsche Bank (7,8 Prozent), im Stressszenario vergleichsweise unterkapitalisiert erscheinen, unterstreicht, wie wichtig weiterhin kleine regionale Kreditinstitute, in Österreich Raiffeisenbanken und Sparkassen, aber auch zum Beispiel genossenschaftliche wie die Dolomitenbank oder regionale Privatbanken sind und sein werden - darunter auch größere wie die Institute des Volksbankensektors oder der Drei-Banken-Gruppe. Sie unterstehen zumeist der nationalen Aufsicht.


Ein Trend hin zu immer größeren Kreditinstituten würde aufsichtsrechtlich dazu führen, dass sich Kompetenzen der nationalen zur europäischen Aufsicht verlagern, Aufsicht und Beaufsichtigte rücken räumlich auseinander und die Organisation der Aufsicht erlebt einen Strukturwandel. Daher wäre der Erhalt dieser institutionellen Vielfalt eine wichtige Grundlage auch für den Fortbestand einer nationalen Bankenaufsicht. Deren räumliche Nähe zu den eigenverantwortlich Beaufsichtigten erlaubt jenseits von Stresstestergebnissen immer einen Blick mit auf die natürlich auch im nationalen Maßstab arbeitenden größten Institute.

Aus Sicht der Kunden ist das Testergebnis zumindest beruhigend. Es darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Kreditinstitute vom "sicheren Hafen" für die Einlagen des breiten Publikums gewandelt haben: Kapitalmarktprodukte und eigenes Kapitalmarktengagement führten in der Dynamik des Marktes zu den die Finanzkrise auslösenden Problemen, in der Phase der Erholung gerieten viele Institute zu einer Art "Steinbruch der Begehrlichkeiten" - angefangen bei der Bankenabgabe bis hin zu den teilweise begrenzten "Banker-Boni".

Doch das Management, die Beschäftigten aber auch der Staat sind nur einige Anspruchsgruppen. Kunden erwarten günstige Kredite und attraktive Anlagemöglichkeiten. Die unterschiedlichen Eigentümer - Kleinaktionäre und Investoren, Stiftungen der Sparkassen sowie Genossenschaftsmitglieder - haben je eigene Erwartungen. Auch diese verleihen dem Bankensystem eine Vielfalt, die Arbeitsteilung mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen, mehr Wahlmöglichkeiten, Wettbewerb und Stabilität verspricht. Die Testergebnisse scheinen dieses Versprechen fortzuschreiben.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-08-01 17:23:03
Letzte Änderung am 2016-08-02 18:22:53


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