• vom 25.11.2016, 13:17 Uhr

Gastkommentare

Update: 25.11.2016, 13:20 Uhr

Gastkommentar

Europa? Europa!




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief





Konzentrische Kreise: Großer Europäischer Wirtschaftsraum und eine vertiefte Eurozone
Es ist unwahrscheinlich, in absehbarer Zeit tragfähige Brücken zwischen diesen beiden Konzepten zu finden. Das Motto "Niemanden zu etwas zwingen, aber auch niemanden an etwas hindern" und ein Denken in konzentrischen Kreisen könnten die Ausgangsbasis für einen Neubeginn sein. Auf der einen Seite könnte mit Großbritannien und Ländern wie Norwegen, die ebenfalls an einer engen Wirtschaftskooperation interessiert sind, ein größerer Europäischer Wirtschaftsraum (EWR) errichtet werden. Diese Wirtschaftszone könnte auch für Russland, die Türkei oder die Ukraine offen sein. Sogar der gesamte Mittelmeerraum wäre vom ökonomischen Potenzial, aber auch vom europaaffinen geistes- und kulturgeschichtlichen Hintergrund erfassbar. Mit potenziell einer Milliarde Menschen wäre diese Wirtschaftszone ein wichtiger Faktor in der globalisierten Wirtschaftswelt. Klar muss freilich auch sein, dass für den Zutritt zum europäischen Binnenmarkt - so wie von Norwegen schon jetzt - ein fairer und angemessener Beitrag zu leisten ist. Auch aus geostrategischen Erwägungen wäre ein größerer EWR wichtig, da eine neue Form von Partnerschaft, Solidarität und Stabilität entstünde. Denken wir nur an neue Lösungsperspektiven für den Nahostkonflikt oder neue Brücken von Europa nach Afrika oder Zentralasien.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat gezeigt, dass sich die Euroländer in einer besonderen Schicksalsgemeinschaft befinden. Daher ist eine noch engere Abstimmung innerhalb der Eurozone notwendig: insbesondere eine koordinierte, kontrollierte und sanktionierte Budgetpolitik, basierend auf einer strategisch orientierten Wirtschaftspolitik; eine klare Ausrichtung auf Innovation und Qualifikation; eine Investitions- und Wachstumspolitik durch Förderung der KMU. Abgesehen von diesen sachlich begründeten Integrationsschritten geht es um ein Europa, das nicht Schwäche, sondern Stärke signalisiert, das strategisch handlungsfähig ist.

Mit einer europäischen Föderation könnte die Zusammenarbeit nicht nur im ökonomischen, sondern auch im sozialen und ökologischen Bereich, in Fragen der Infrastruktur, Wissenschaft, Bildung und Innovation verstärkt werden. Der Vorteil des Modells der konzentrischen Kreise wäre, dass es Übergangsmöglichkeiten beinhalten und Wettbewerb, Wohlstand, Beschäftigung und sozialen Schutz, ökologischen Fortschritt sowie eine wirkungsvolle Außen- und Sicherheitspolitik ermöglichen würde.

Eine Utopie? Nein, eine faszinierende Aufgabe für das 21. Jahrhundert, zu der jeder von uns einen Beitrag leisten kann. Dazu gehört auch eine direkte "Face-to-Face"-Kommunikation mit Europas Bürgern. Die Wirtschaftskammer Österreich stellt hier mit der "Aktion Europaschirm", bei der die Bevölkerung Ängste, Sorgen und Wünsche äußern und im Dialog mit EU-Experten Argumente austauschen und EU-Mythen aufklären kann, ein Best-Practice-Beispiel, das jüngst auch mit dem Europa-Staatspreis 2016 ausgezeichnet wurde.

Ich bin überzeugt, dass Europa alle Chancen hat, aus dieser Krise gestärkt hervorzugehen. Auf die Frage "Europa?" kann es nur eine Antwort geben: "Europa!"

Der vorliegende Text ist ein Auszug aus dem Buch "25 Ideen für Europa", das im Eigenverlag der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik erscheint. Kostenlose E-Book-Version unter: www.oegfe.at/25ideenfuereuropa

zurück zu Seite 1




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-11-21 14:38:05
Letzte Änderung am 2016-11-25 13:20:07


Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Macht der Bilder
  2. Unsere Nachbarn
  3. Salzburger Brexit-Harmonie
  4. Was übersehen wird
  5. Abgang auf Raten
Meistkommentiert
  1. Kümmern statt kämpfen
  2. Gute Zeit für echte Politiker
  3. Anklage gegen Orbanistan
  4. Abgang auf Raten
  5. Schwarz-blaue Paradoxie


Werbung