• vom 16.02.2017, 09:36 Uhr

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Ein neues Verständnis von Banken




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Von Holger Blisse


    Holger Blisse ist Lehr beauftragter und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozial politische Themen spezialisiert.

    Holger Blisse ist Lehr beauftragter und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozial politische Themen spezialisiert. Holger Blisse ist Lehr beauftragter und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozial politische Themen spezialisiert.

    Früher war alles besser (?). Der Privatbankier galt als Inbegriff von Vertrauen und Seriosität. Die Aktienbank trug maßgeblich zur Finanzierung der industriellen Großbetriebe, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden, bei. Sparkassen und Kreditgenossenschaften traten mit je eigener sozialpolitischer Zielsetzung an: Sparkassen sprachen Kleinsparer an und stellten Geld für Aufgaben der Gemeinde bereit. Kreditgenossenschaften förderten ihre Eigentümer und vergaben Kredite, die man sonst nicht oder nur zu sehr viel schlechteren Bedingungen bekam.

    Heute begegnen uns Kreditinstitute, große international tätige zumal, im Verständnis sehr oft den institutionellen und individuellen Nutzen maximierende Einrichtungen, nicht immer zu Gunsten ihrer Eigentümer und Kunden. Für nicht gesetzeskonformes Verhalten werden fallweise hohe Strafen riskiert - zu Lasten der Unternehmenssubstanz beziehungsweise des Gewinnanspruchs der Eigentümer. Dabei wird mitunter die Fortexistenz aufs Spiel gesetzt.


    Anders soll es bei einer Stiftung sein. Sie ist auf den Erhalt des Stiftungskapitals bedacht. Im Grunde ähnlich wie bei einem Kreditinstitut: Dieses soll Rückzahlungssicherheit für die Einlagen seiner Sparer garantieren. Stiftungskapital einer Bank wären deren Eigenkapital und das treuhänderisch überlassene Kapital der Einleger. Beides steht für den Hauptzweck bereit: die risikobewusste und den Bedarf der gewerblichen und privaten Kreditnehmer deckende Kreditvergabe.

    Bestehende eigene Profile herausstellen
    Dieses Bild entspricht durchaus noch dem täglichen Handeln des Managements und der Beschäftigten vor allem regionaler Kreditinstitute - es ist an der Zeit, es aufrechtzuerhalten. Dann gelangt das Finanzmarktgeschäft in andere Bahnen, das nicht nur sehr vielfältige Kapitalmarktprodukte, sondern auch Marktunvollkommenheiten aufweist - bis hin zum Marktversagen, wie es als Folge eines Vertrauensverlustes am Geldmarkt in der Finanzmarktkrise allzu deutlich wurde.

    Mit Bankenabwicklungen, immer weniger, dafür aber immer größeren Kreditinstituten, vor allem in der Rechtsform der Aktiengesellschaft, erhält der Markt weiteres Gewicht: Abwicklungsprodukte, regionale Marktlösungen in Gestalt von Crowdfunding-Plattformen anstelle der Finanzierungsangebote von fusionierenden kleineren Instituten und schließlich einige neue börsennotierte Kreditinstitute.

    Diese Phase des sich fortsetzenden Zugriffs des Kapitalmarktes auf den Fortbestand der Kreditinstitute leitet in gewisser Weise eine schöpferische Zerstörung ein. Sie sollte aber gerade nicht so weit führen, die Kreditwirtschaft als Ganze kapitalmarktorientiert zu transformieren. Andernfalls sind früher oder später, wie das Beispiel der Bank für Gemeinwohl bereits einen Anfang markiert, gänzlich neue Kreditinstitute als Institutionen des Vertrauensschutzes aufzubauen.

    Vielmehr sollten das Potenzial und die Beschäftigungswirksamkeit der vielen noch vorhandenen Kreditinstitute in sehr unterschiedlicher Rechtsform genutzt werden, deren jeweils eigenes Profil herauszustellen: sei dies in Richtung Nachhaltigkeit und Transparenz, Mittelstandsfinanzierung und exklusive Mitgliederförderung oder Solidarität, Gemeinwohl und Regionalförderung.

    Eine etwas andere Sicht auf eine Branche unter Generalverdacht.




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    Dokument erstellt am 2017-02-16 09:42:04


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