• vom 12.04.2017, 17:57 Uhr

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Update: 03.05.2017, 14:33 Uhr

Gastkommentar

Auch viele Entscheidungsträger können ein Segen sein




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Von Holger Blisse

  • Was bei Fusionen und Megakonzernen beachtet werden sollte.

Holger Blisse ist Lehrbeauftragter und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozialpolitische Themen spezialisiert.

Holger Blisse ist Lehrbeauftragter und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozialpolitische Themen spezialisiert. Holger Blisse ist Lehrbeauftragter und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozialpolitische Themen spezialisiert.

Ein Beispiel unter vielen, dass weniger Markt und weniger Angebotsvielfalt durch mehr Konzentration erzielt werden, solange die Wettbewerbshüter mitspielen, bietet die Fusion der Chemieriesen Bayer und Monsanto. Geplant war eine weitere große Fusion, die jedoch gescheitert ist: Die London Stock Exchange und die Deutsche Börse werden nicht fusionieren.

Auch die Finanzbranche befindet sich seit einiger Zeit in einer Konsolidierungsphase. Im europäischen Maßstab gelangte die Bank Austria über München nach Rom und Mailand zur UniCredit. In Österreich entsteht an der Spitze des Raiffeisensektors aus Raiffeisen Zentralbank Österreich und Raiffeisen Bank International eine größere Bank, für die Raiffeisenlandesbanken wurden Fusionen erwogen. Die Konzentration bei den Volksbanken wird Mitte des Jahres einen ersten Abschluss finden - von mehr als 60 Instituten (2012) werden nur noch 10 übrig bleiben.


Entscheidungen brauchen dort dann mehr Zeit, wo viele zu Wort kommen dürfen, Kompromisse müssen ausgehandelt werden, wenn ein Konsens nicht zustande kommt. Und doch sehen und hören diese vielen Augen- und Ohrenpaare mehr, wenn sie nicht in eine strenge Hierarchie eingebunden sind.

Die Fehleranfälligkeit als Folge einer geringeren Zahl an Entscheidungsträgern nimmt zu. Denn nach oben wird die Luft immer dünner, es herrscht dort die ebenso sprichwörtliche Einsamkeit. Doch wie gehen jene, die allein auf sich gestellt entscheiden müssen, die meinen, sich nicht mehr auf die Informationen ihres engeren Umfeldes oder von Beratern verlassen zu dürfen, mit der Gefahr von Fehlentscheidungen um? Deren Gewicht nimmt in dem Maße zu, wie viel mehr vom Managementerfolg abhängt - für das Unternehmen als Ganzes, aber auch für die Manager selbst. Der Erfolg scheint umso leichter und schneller erreichbar zu sein, je weniger Widerstand es gibt - also wie viel Widerspruch auf dem Weg zu überwinden ist.

Dies könnte eine nicht ökonomische Erklärung dafür sein, dass eine Tendenz zum Größenwachstum bei gleichzeitiger Verringerung der internen und externen Wettbewerber stattfindet - also das Gegenteil von Marktwirtschaft. Die Marktwirtschaft birgt im Hinblick auf die Gefahr des individuellen Scheiterns ihre Aufhebung in der Konzentration in sich - bis es dann wieder zur Zerlegung von Unternehmen kommt, aber dafür sind dann andere zuständig.

Denken wir Wirtschaft ein weiteres Mal von den Menschen, ihren Möglichkeiten, ihrer Freundlichkeit und Kreativität aus. In der Führungsetage liegt viel Verantwortung für viele Mitarbeiter, aber beide Gruppen sind vor allem Menschen, die in ein Unternehmen eintreten, mit Hoffnungen und Erwartungen, und sich auch für dessen Erfolg einsetzen. Sie alle stehen unter dem Druck zu scheitern, ihre Stelle und Stellung, ihr Einkommen zu verlieren oder ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen.

Hier gilt es auch in Zukunft genau und rechtzeitig hinzuschauen, bevor die Weichen wieder in Richtung Konzentration gestellt werden, weil es keinen anderen Weg zu geben scheint.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-04-12 18:03:04
Letzte Änderung am 2017-05-03 14:33:04


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