• vom 04.07.2017, 13:29 Uhr

Gastkommentare


Gastkommentar

Wer A sagt, muss auch P(flegeversicherung) sagen




  • Artikel
  • Lesenswert (14)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Wolfgang Moitzi

  • Die Spielchen beim Pflegeregress zeigen, dass viele die Dimension des Pflegethemas nicht verstanden haben.

Wolfgang Moitzi war Bundesvorsitzender der Sozialistischen Jugend. Er ist SPÖ-Chef und Gemeinderat in Spielberg und kandidiert im Wahlkreis Obersteiermark für den Nationalrat. Foto: privat

Wolfgang Moitzi war Bundesvorsitzender der Sozialistischen Jugend. Er ist SPÖ-Chef und Gemeinderat in Spielberg und kandidiert im Wahlkreis Obersteiermark für den Nationalrat. Foto: privat Wolfgang Moitzi war Bundesvorsitzender der Sozialistischen Jugend. Er ist SPÖ-Chef und Gemeinderat in Spielberg und kandidiert im Wahlkreis Obersteiermark für den Nationalrat. Foto: privat

Unter dem Druck der Öffentlichkeit musste Sebastian Kurz beim Pflegeregress einlenken. Gut so. Es war höchste Zeit, diese Demenzsteuer abzuschaffen. Der Vorschlag lag seit einem halben Jahr auf dem Tisch. Dass es einen anstehenden Wahlkampf brauchte, um die Einsicht in eine sozialpolitische Selbstverständlichkeit zu erreichen, unterstreicht den Wert von Wahlen. Der Druck, der davon ausgeht, dass alle Menschen am Wort sind und nicht nur die Eliten, hat eine heilsame Wirkung auf die ÖVP, aber auch auf alle anderen Parteien.

Kein Wunder, dass im neoliberalen Meinungskonsens als "Wahlzuckerl" denunziert wird, was die ureigenste Aufgabe von Politik ist: die Lebensumstände von Menschen zu verbessern, die es nicht so leicht haben. Dass ÖVP und FPÖ gleichzeitig eine seriöse Gegenfinanzierung in Form einer gerechten Erbschaftsteuer verhindert haben, ist ein Wermutstropfen. Die ÖVP hat eine seriöse Gegenfinanzierung verhindert, zugunsten einer substanzlosen Schlagzeilenforderung, die laut Angaben der Sozialversicherung mehr kosten wird, als sie spart: die Fotos auf E-Cards.


Diese Spielchen zeigen, dass Kurz und viele andere die Dimension des Pflegethemas nicht verstanden haben. Denn die Pflege älterer Menschen ist die mit Abstand größte sozialpolitische Herausforderung der nächsten Jahre. Die Abschaffung der Demenzsteuer ist der erste, der Ausbau der mobilen Pflegedienste ein zweiter wichtiger Schritt. Doch es geht um noch mehr: In knapp zehn Jahren werden mehr als eine Million Österreicher älter als 75 Jahre sein, bis 2050 wird sich diese Dynamik weiter beschleunigen, die Zahl der Pflegebedürftigen wird rasant steigen.

Pflege gehört anständig bezahlt
Die 24-Stunden-Pflege trägt aktuell viel zur Entlastung des stationären Pflegesektors bei. Doch sie beruht darauf, dass wir anderthalb Augen vor Arbeitsbedingungen und -qualität überwiegend osteuropäischer Pflegekräfte zudrücken und trotz staatlicher Förderung Niedrigverdiener von dieser Möglichkeit ausschließen. Doch der wachsende Pflegesektor muss gute und stabile Arbeitsbedingungen bieten, nicht Lohndumping und Burn-out. Hier geht es auch um die Qualität der Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger. Pflege ist Schwerarbeit, die überwiegend von Frauen geleistet wird. Sie gehört anständig bezahlt, mit Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen, die der großen Belastung angemessen sind. Für diese Aufgabe braucht es geeignete Strukturen und ausreichende finanzielle Mittel. Mit substanzlosen Schlagzeilensprüchen à la "Fotos auf E-Cards" und budgetären Taschenspielertricks ist es da nicht getan.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-07-04 13:33:06


Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der Preis des Schweigens
  2. Trump macht vernünftig
  3. Über Höflichkeit
  4. Totalversagen
  5. Trumpokratie von Putins Gnaden
Meistkommentiert
  1. Totalversagen
  2. Nato-Sorgen
  3. Über Höflichkeit
  4. Trumpokratie von Putins Gnaden
  5. An der Realität vorbei


Werbung