• vom 20.07.2017, 16:05 Uhr

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Nie wieder Finanzkrise?




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Aktuell hat sich das Wachstum der Geldmenge extrem weit vom realen Wirtschaftswachstum entfernt. Das gewichtete globale Wachstum des Sozialproduktes ist hinter jenem der realen Geldmenge zurückgeblieben (siehe Grafik). Gemessen wurden beide Größen auf Basis eines gewichteten Durchschnitts der USA, der Eurozone und Japans.

Vor dem Hintergrund, dass die Konjunktur an Fahrt aufgenommen hat, die Inflation moderat bleibt und die Preise an den Finanzmärkten trotz luftiger Bewertungen zulegen, befinden wir uns aktuell im Szenario einer sich anbahnenden Preisblase, die das Finanzsystem dieses Mal in den Abgrund reißen könnte. Am sichtbarsten ist das in den USA. Dort hat die Konjunktur an Schwung gewonnen, die Kredite wachsen erheblich schneller als das Sozialprodukt, die Immobilienpreise haben wieder das Niveau wie vor der Krise erreicht (siehe Grafik).

Bei einer neuen Krise dürften die Regulierungen kaum helfen
Sollte es zu einer erneuten Finanzkrise kommen, dann dürften die Regulierungen der Banken nur wenig helfen - anders, als Fed-Chefin Yellen glaubt. Die Ausstattung der Banken mit Eigenkapital hat sich zwar verbessert, reicht aber bei weitem nicht aus, um den Sturm einer Finanzkrise auszuhalten, der aus einem solchen Geldüberhang entstehen könnte. Hinzu kommt, dass sehr viele Finanzgeschäfte in die Schattenbanken gewandert sind, die nach wie vor in weiten Teilen unreguliert bleiben.

Eine genaue Prognose, ob und wann es zu einer erneuten Finanzkrise kommen wird, ist natürlich schwierig. Momentan ist das Niveau der Preise an den Immobilien- und Aktienmärkten noch ein Stück weit von jenem entfernt, das man für eine Preisblase erwarten würde (siehe hierzu www.preisblase-finanzkrise-warnsystem.com). Ähnliches gilt für das Ausmaß der Kreditexpansion. Aber in zwei bis drei Jahren könnte es so weit sein. Höchste Zeit für Yellen und ihre Kollegen in den Notenbanken, etwas zu unternehmen.

Zum Autor

André Tomfort

ist Professor für Finanzwirtschaft mit Forschungsschwerpunkt Finanzmärkte an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. Er war nach einem Forschungsaufenthalt bei der UNO in New York zehn Jahre lang in der Finanzindustrie tätig.

Buchtipp:

André Tomfort: "Crash und Geldflut".
Goldegg Verlag; 350 Seiten; 24,90 Euro.

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Dokument erstellt am 2017-07-20 17:51:16


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