• vom 16.11.2017, 17:40 Uhr

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Update: 16.11.2017, 18:58 Uhr

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Bitcoin & Co. - das neue Geld?




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Auch unter den Kryptowährungen herrscht harte Konkurrenz. Inzwischen erscheint die Bitcoin zugrunde liegende Technologie durch die starke Zunahme der Transaktionen an Kapazitätsgrenzen zu stoßen: Zum Beispiel dauern Transaktionen länger. Die bisherige Marktführerschaft von Bitcoin wurde zuletzt durch die Tatsache, dass die Größe der einzelnen Blöcke einer Blockchain variieren kann, technologisch in Frage gestellt. Die aus Bitcoin im August 2017 abgespaltene Schwester-Kryptowährung Bitcoin Cash unterstützt achtfach größere Blöcke und ist damit insofern leistungsfähiger als Bitcoin selbst.

Bitcoin-Abspaltung abgesagt - eine gelungene Werbeaktion?

Die Wahrnehmung dieser Eigenschaft wurde allerdings erst durch den Effekt begünstigt, dass die Bitcoin-Gemeinschaft vergangene Woche eine neue Bitcoin-Blockchain, die unter dem Namen "Segwit2x" als sogenannter Hard Fork und damit als neue Bitcoin-Abspaltung geplant war, abgesagt hat. Dieses Szenario ließ Bitcoin Cash für viele Kryptowährungsinvestoren attraktiver erscheinen, zumal der Bitcoin-Ableger im Vergleich zum klassischen Bitcoin zu einem optisch günstigeren Preis zu haben ist. Innerhalb der vergangenen Woche hat sich der Preis für Bitcoin Cash mehr als verdoppelt und nimmt nun die drittgrößte Marktkapitalisierung unter den Kryptowährungen ein.

Obgleich die Nachhaltigkeit dieser Entwicklung abzuwarten bleibt, hat die Bitcoin-Währungsfamilie, zu der als weiteren Ableger auch Bitcoin Gold zählt, ihre Dominanz unter den Kryptowährungen ausgebaut und medial eine enorme Wahrnehmung gefunden. War das schlicht und einfach eine gelungene Werbeaktion?

Auf der Basis der Dynamik im Kryptowährungsmarkt finden sogenannte Initial Coin Offerings (ICOs) hohen Zuspruch. Die europäische Börsenaufsicht ESMA warnte jüngst, dass die Börsengänge solcher Währungen unreguliert, intransparent und technologisch ungetestet seien. Die deutsche Finanzaufsicht BaFIN äußerte ähnliche Bedenken. Kryptowährungen wie Bitcoin seien Spekulationsobjekte und kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren, urteilen Kritiker.

Japan arbeitet an einer
eigenen digitalen Währung

In Japan allerdings wurde Bitcoin im April 2017 zur legalen Währung erklärt. Mehr noch: Ende September hieß es, man arbeite an einer eigenen digitalen Währung. Die Entwicklung von Kryptowährungsbörsen boomt in Japan. Unter den größten Volkswirtschaften ist Japan - mit weitem Abstand - das Land mit der höchsten Staatsverschuldung. Zudem ist der Anteil der mit Bargeld abgewickelter Geschäfte in Japan sehr hoch. Sollte der weitere technologische Wettlauf ebenso wie die Preisentwicklung der Kryptowährungen - neben den staatlichen Regulierungsmöglichkeiten - zukünftig vermehrt institutionelle Investoren in den Markt der Kryptowährungen bewegen, könnte die Marktkapitaliserung der Kryptowährungen noch deutlich zulegen.

Solange sich Begeisterung und Kritik an einem Markt gegenüberstehen, ist - trotz der bereits phänomenalen Bewertungsentwicklung - keine gesamtheitliche Blasenbildung zu statuieren. Das gilt auch für die Kryptowährungen. Da zum Beispiel erst rund 15 Millionen Bitcoin-Wallets registiert sind, hat der Großteil der Welt - trotz der medialen Berichterstattung - noch nicht am Wirtschaften mit den neuen, digitalen Kryptowährungen teilgenommen.

Es geht um Geld. Es geht um Kontrolle. Es geht um Macht. Die Zentralbanken und ihre Regierungen werden hier früher oder später ein Wort mitreden wollen. Um eine Inflation von Bargeld und Buchgeld gegenüber den digitalen Kryptowährungen zu verhindern oder um Staatsverschuldungen mit einer geeigneten, etwaig auch digitalen, Währungsreform zu lösen, die auch das Bargeld abschaffen könnte.

Dass solche Diskussionen zunehmend polarisieren dürften, zeigt eine aktuelle Studie der Deutschen Bank. Dazu heißt es unter anderem: "Die Grundannahme ist, dass das Fiat-Geldsystem, das wir seit 1971 kennen, in sich instabil und für Inflationsgefahren anfällig ist. Wenn wir richtig liegen, wird das Geldsystem in der kommenden Dekade einen ultimativen Test erleben, und wir werden uns nach einer Alternative umschauen müssen."


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-16 17:44:09
Letzte Änderung am 2017-11-16 18:58:22


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