• vom 10.12.2017, 08:34 Uhr

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Migration aus Afrika - wir müssen umdenken




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Von Max Haller und Hans Stoisser

  • Statt abschätzig von "Wirtschaftsflüchtlingen" zu sprechen, könnten wir Migration auch als etwas Positives begreifen, weil sie ein Zeichen für den Rückgang der Armut in Afrika ist.



Max Haller, geboren 1947 in Sterzing, ist emeritierter Professor für Soziologie der Universität Graz und Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Er lehrte von 2009 bis 2011 an der SAUT-Universität in Tansania und gab zuletzt ein Buch über "Higher Education in Africa" heraus.

Max Haller, geboren 1947 in Sterzing, ist emeritierter Professor für Soziologie der Universität Graz und Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Er lehrte von 2009 bis 2011 an der SAUT-Universität in Tansania und gab zuletzt ein Buch über "Higher Education in Africa" heraus.© privat Max Haller, geboren 1947 in Sterzing, ist emeritierter Professor für Soziologie der Universität Graz und Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Er lehrte von 2009 bis 2011 an der SAUT-Universität in Tansania und gab zuletzt ein Buch über "Higher Education in Africa" heraus.© privat

Der Zustrom von Flüchtlingen im Jahr 2015 hat nicht nur Wahlen entschieden, sondern auch eine weitreichende politische Entscheidung wie den Brexit mitverursacht. Während dieser Zustrom in erster Linie durch die Kriege im Nahen Osten verursacht war, ist die Migration aus Afrika anders gelagert.

Studien in mehreren afrikanischen Ländern, durchgeführt von unterschiedlichen Institutionen, ergaben, dass ein Viertel bis ein Drittel der Befragten den Wunsch äußern, ins Ausland abzuwandern. So ist es nicht überraschend, dass nicht wenige Politiker vor einer drohenden Massenimmigration von Afrikanern nach Europa warnen. Aufrüttelnde Schlagzeilen und politische Panikmache sind die Folge. Doch es gilt, Fakten auseinanderzuhalten. Zunächst ist zwischen Menschen auf der Flucht und Migranten zu unterscheiden. Erstere machen sich auf den Weg, weil ihr Leben bedroht wird, Zweitere aus Hoffnung.

2016 zählte das UNHCR in Afrika etwa sechs Millionen grenzüberschreitende Menschen auf der Flucht. Diese kamen im Wesentlichen von sieben Krisenherden: Süd-Sudan, Somalia, Sudan, Kongo, Zentralafrikanische Republik, Eritrea und Burundi. Diese Wanderbewegungen betrafen Europa nur am Rande. Mit Ausnahme einiger weniger tausend Menschen - vor allem aus Somalia und Eritrea - wurden die Flüchtlinge fast ausschließlich in den afrikanischen Nachbarländern aufgenommen. In Österreich suchten 2016 etwa 2000 Somalier um Asyl an. Bei etwa der Hälfte der in diesem Jahr abgeschlossenen Verfahren wurde dieses gewährt.

Information

Veranstaltungshinweis:
"Migration in und aus Afrika - droht Europa eine Masseneinwanderung?"
Podiumsdiskussion der Wiener Gesellschaft für Soziologie und des Roten Kreuzes
Dienstag, 12. Dezember, 18 Uhr
1040 Wien, Wiedner Hauptstraße 32
Moderation: WZ-Redakteur Klaus Huhold
Mehr Info: www.wienersoziologie.at


Ganz anders ist die Situation bei jenen, die aus anderen afrikanischen Ländern zu uns kommen. Die größte Gruppe sind die Nigerianer mit 1400 Asylanträgen im Jahr 2016 in Österreich. Nur bei einem Prozent der Anträge wurde tatsächlich Asyl gewährt. Auch wenn sich Nigeria derzeit in einer Rezession befindet, kommen Nigerianer, genauso wie Senegalesen, Ghanaer, Ugander oder Äthiopier, grundsätzlich aus einem Land mit florierender Aufbauwirtschaft. Und in den allermeisten Fällen drängen die Menschen nach Europa, weil sie sich wirtschaftlich verbessern wollen.

Hans Stoisser, Jahrgang 1959, baute mehr als 30 Jahre lang Infrastruktur in afrikanischen Ländern auf. In seinem 2015 erschienen Buch "Der schwarze Tiger - Was wir von Afrika lernen können" und auf seinem Blog www.hansstoisser.com erzählt der Ökonom vom "anderen Afrika", das nur selten thematisiert wird.

Hans Stoisser, Jahrgang 1959, baute mehr als 30 Jahre lang Infrastruktur in afrikanischen Ländern auf. In seinem 2015 erschienen Buch "Der schwarze Tiger - Was wir von Afrika lernen können" und auf seinem Blog www.hansstoisser.com erzählt der Ökonom vom "anderen Afrika", das nur selten thematisiert wird.© privat Hans Stoisser, Jahrgang 1959, baute mehr als 30 Jahre lang Infrastruktur in afrikanischen Ländern auf. In seinem 2015 erschienen Buch "Der schwarze Tiger - Was wir von Afrika lernen können" und auf seinem Blog www.hansstoisser.com erzählt der Ökonom vom "anderen Afrika", das nur selten thematisiert wird.© privat

Wirtschaftsmigration wegen zurückgehender Armut

Im Allgemeinen liegen der Wirtschaftsmigration zwei Faktoren zugrunde: ein starkes Entwicklungsgefälle zwischen zwei Regionen und eine deutliche Differenz im Bevölkerungswachstum. Betrachtet man diese beiden Faktoren, so wird die Migration aus Afrika in Zukunft für Europa von allergrößter Bedeutung sein. Afrika ist der bevölkerungsmäßig am stärksten wachsende Kontinent der Erde; von derzeit rund 1,2 Milliarden Menschen wird sich die Einwohnerzahl des Kontinents bis 2050 auf mehr als 2 Milliarden verdoppeln, während Europas Bevölkerung kaum wächst. Zugleich ist das Einkommensgefälle zwischen Afrika und Europa enorm.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-09 08:38:11
Letzte Änderung am 2017-12-09 13:56:03


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