• vom 19.12.2017, 17:44 Uhr

Gastkommentare


Gastkommentar

Nicht nur zur Weihnachtszeit




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Gerhard Kohlmaier

  • Die Konsumenten sollten umdenken. Nach den Einkaufszentren ist der Online-Handel die nächste Bedrohung für die innerstädtischen Geschäfte.

Gerhard Kohlmaier ist in der Steuerinitiative des ÖGB aktiv.

Gerhard Kohlmaier ist in der Steuerinitiative des ÖGB aktiv. Gerhard Kohlmaier ist in der Steuerinitiative des ÖGB aktiv.

Paketzusteller haben es gerade in der Vorweihnachtszeit immer schwerer, und das ist wortwörtlich zu verstehen. Eine Flut von Paketen wartet täglich auf die Zustellung. Der Trend zum Heimeinkauf ist nicht mehr aufzuhalten. Es werden immer mehr Produkte online bestellt - rund um die Uhr: Kleidung, Möbel, Bücher, CDs, . . . selbst Lebensmittel und Getränke kauft der moderne Konsument bequem von zu Hause aus ein. Alleine in den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil der Online-Einkäufer nahezu um das Doppelte gestiegen, Tendenz stark steigend, und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

Auch wenn der Einzelhandel versucht, auf diesen Verkaufserfolg aufzuspringen, zeigt sich immer deutlicher, dass es vor allem die großen Händler und Konzerne sind, die davon profitieren, wie beispielsweise Zalando oder Amazon.


Die österreichischen Konsumenten tun sich mit diesem Kaufverhalten jedoch auf Dauer nichts Gutes. Denn abgesehen davon, dass all ihre Kaufgewohnheiten penibel nachverfolgt werden können, sie also immer mehr zu gläsernen und damit auch manipulierbaren Konsummenschen werden, tragen sie durch ihr Kaufverhalten auch nicht unwesentlich dazu bei, dass kleinere Händler zusperren müssen. Diese können nämlich weder im Bereich des Angebots noch in der Organisationsstruktur mit den Großen mithalten, zudem sind ihre Fixkosten zu hoch, um beim Preisdumping mitmachen zu können.

Ähnlich wie die Einkaufszentren rund um unsere Städte in ländlichen Bereichen bereits zum Aussterben ganzer Stadtzentren geführt haben, birgt der Online-Handel Gefahren auch für die großen Städte in sich, wobei nun selbst die Einkaufszentren zunehmend unter Druck geraten.

Wieder einmal stellt sich für die Konsumenten die Frage, ob sie sich gegen diesen Trend stellen sollten, denn scheinbar bringt ihnen der Einkauf via Internet doch nur Vorteile: Die Waren sind im Durchschnitt preislich günstiger als im Einzelhandel, die Auswahlmöglichkeit ist größer, die Zustellung erfolgt bequem ins Haus.

Zunehmende Insolvenzen im stationären Einzelhandel sind programmiert, das bedeutet aber auch eine Zunahme der Arbeitslosigkeit, denn die digitale Welt spuckt den Großteil der Verdrängten aus und verdaut nur einen Teil von ihnen, und das meist zu schlechteren Lohn- und Arbeitsbedingungen. Es drohen aber auch der Verlust von städtischer Infrastruktur und unter Umständen auch negative Folgen für die Umwelt durch einen erhöhten Energiebedarf, wie einige Studien behaupten. Und schließlich wissen wir aus Erfahrung, dass sich die Bereitschaft der großen Konzerne, ihre Gewinne auch dementsprechend zu versteuern, in Grenzen hält. So kann steigendes Wirtschaftswachstum eben auch zu sinkenden Steuereinnahmen für die Staaten führen, deren Bürger online konsumieren. Ein weiteres Dilemma, das durch den Einkauf vom Wohnzimmer aus noch verstärkt wird.

Mündige Konsumenten sind daher gefragt. Konsumenten, die nicht nur kurzfristige Vorteile des Online-Handelns sehen, sondern eben auch die Nachteile. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-19 17:50:09


Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Salzburger Brexit-Harmonie
  2. Was übersehen wird
  3. Abgang auf Raten
  4. Das Erbe der großen Krise
  5. Anklage gegen Orbanistan
Meistkommentiert
  1. Kümmern statt kämpfen
  2. Das Erbe der großen Krise
  3. Gute Zeit für echte Politiker
  4. Anklage gegen Orbanistan
  5. Abgang auf Raten


Werbung