• vom 24.01.2018, 10:00 Uhr

Gastkommentare


Gastkommentar

Beziehungsstatus: "Es ist kompliziert"




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Helmut Kosa

  • Gastkommentar: Was die Causa Niki über Billigflugmarken und etablierte Luftfahrtkonzerne aussagt.

Einerseits brauchen die großen Airlines wie Lufthansa ihre Billigmarken, andererseits nehmen sie sich damit selbst Kunden in den lukrativeren Preissegmenten weg. Foto: dpa/Marcel Kusch

Einerseits brauchen die großen Airlines wie Lufthansa ihre Billigmarken, andererseits nehmen sie sich damit selbst Kunden in den lukrativeren Preissegmenten weg. Foto: dpa/Marcel Kusch

Helmut Kosa ist Markenexperte und CEO der markenführenden Kreativagentur isobar. Foto: isobar

Helmut Kosa ist Markenexperte und CEO der markenführenden Kreativagentur isobar. Foto: isobar Helmut Kosa ist Markenexperte und CEO der markenführenden Kreativagentur isobar. Foto: isobar

Konkurrenz belebt das Geschäft, heißt es. Auch wenn man sich bisweilen mit eigenen Billigflug-Marken selbst Konkurrenz macht. Der deutsche Luftfahrtkonzern Lufthansa betreibt die Low-Cost-Airline Eurowings, die spanisch-britische International Airlines Group (IAG) Vueling und der britische Tourismuskonzern Thomas Cook den Ferienflieger Condor, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Sie alle haben neben Gründer Niki Lauda um die Low-Cost-Airline Niki, die Tochter der ebenso in einem Insolvenzverfahren befindlichen Fluggesellschaft Air Berlin, gebuhlt. Dass Großkonzerne in den vergangenen Wochen vor allem um die größten verbleibenden Assets von Niki - nämlich die Start- und Landerechte (Slots) auf überfüllten Flughäfen - gerittert haben, zeigt die strategische Bedeutung der Low-Cost-Airlines.

Lufthansa-Taktik geht nicht auf
Die Lufthansa hätte die aufgrund von Engpässen sehr begehrte Slots von Niki gemeinsam mit anderen Teilen der Air Berlin kaufen und wahrscheinlich in ihre Billigschiene Eurowings integrieren wollen. Der deutsche Marktführer hätte so die strategische Positionierung seiner Marken auf wichtigen Routen ausbauen können. Neben Niki-Slots wollte Lufthansa auch Start- und Landerechte des früheren Konkurrenten Air Berlin auf den Flughäfen Berlin-Tegel, Düsseldorf und München sowie profitable Strecken zwischen dem wichtigsten Auslandsflughafen Palma de Mallorca und dem deutschsprachigen Raum übernehmen.


Damit hätte sich die Lufthansa eine monopolähnliche Dominanz in Deutschland und bei lukrativen Urlaubsrouten gesichert. Es ist daher verständlich, dass sich die EU-Kommission wegen Wettbewerbsbedenken, einer drohenden Ausdünnung des Auswahlangebots und befürchteter Preissteigerungen für Kunden quergelegt hat.

Auch die International Airlines Group (IAG), die beim ersten Insolvenzverfahren in Deutschland den Zuschlag für die Slots und Markenrechte von Niki erhalten hatte und nun bei der Wiederholung des Insolvenzverfahrens in Österreich von Niki Lauda überboten wurde, wollte Niki mit ihrer spanischen Billigschiene Vueling fusionieren. Der Konzern stellte dabei auch in Aussicht, etwa drei Viertel der rund 1000 Niki-Arbeitsplätze zu übernehmen. Die Befürchtung von Lauda, dass die Marke Niki gemeinsam mit einem Teil der österreichischen Jobs unter einem ausländischen Eigentümer verschwinden würde, hätte sich wohl bewahrheitet. Beobachter der Causa sprachen beim Gedanken an dieses Szenario mitunter von einer "nationalen Katastrophe".

Dass es so weit kommen musste, hängt zum Teil auch mit den komplexen Unternehmensverstrickungen und Abhängigkeiten der Low-Cost-Airlines von ihren Konzernmüttern zusammen. Niki war auf einem guten Weg, sich langfristig als starke rot-weiß-rote Marke unter den internationalen Ferienfliegern zu etablieren. 2016 wurde noch ein Gewinn von 6,6 Millionen Euro eingeflogen. Aufgrund der Abhängigkeit von Air Berlin und der Pleite der deutschen Mutter Mitte August 2017 geriet aber auch Niki in Turbulenzen.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-23 13:53:08


Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Erst ein Vorgeschmack
  2. Ohne Pardon
  3. Frei oder willig?
  4. Chance zur Erneuerung
  5. Herzlichst, Ihr Hater!
Meistkommentiert
  1. Herzlichst, Ihr Hater!
  2. Attacke der Retter
  3. Frei oder willig?
  4. Ohne Pardon
  5. Erst ein Vorgeschmack


Werbung