• vom 30.01.2018, 17:57 Uhr

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Update: 31.01.2018, 16:59 Uhr

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Allah gegen Kurden




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Von Hülya Tektas

  • In ihrem Kampf gegen die Kurden missbraucht die türkische Führung Islam und Koran.

Hülya Tektas ist Soziologin. Als Kurdin in Istanbul aufgewachsen, lebt sie seit 1998 in Wien, wo sie als Sozialberaterin und freie Journalistin arbeitet.

Hülya Tektas ist Soziologin. Als Kurdin in Istanbul aufgewachsen, lebt sie seit 1998 in Wien, wo sie als Sozialberaterin und freie Journalistin arbeitet. Hülya Tektas ist Soziologin. Als Kurdin in Istanbul aufgewachsen, lebt sie seit 1998 in Wien, wo sie als Sozialberaterin und freie Journalistin arbeitet.

Der seit dem antiken Griechenland den Frieden symbolisierende Olivenzweig wird derzeit von der türkischen Armee für den Krieg benutzt. So nennt sie ihren Angriff auf Afrin im Nordwesten von Syrien, wo mehrheitlich Kurden leben, spöttisch "Operation Olivenzweig". Eine Militäroperation, für die in mehr als 90.000 Moscheen in der Türkei alle Betenden gemeinsam die 48. Sure des Koran, "al-Fath" ("der Sieg"), gelesen haben.

Auch Saddam Hussein missbrauche einst im Irak Allah und den Koran für seinen Kampf gegen die Kurden und benannte eine Operation, bei der Schätzungen zufolge 50.000 bis 180.000 Menschen zu Tode kamen, nach der 8. Sure des Korans, "al-Anfal" ("die Beute"), in der es um den Krieg gegen die Ungläubigen geht.


Weder Saddam gelang es mit der Operation "al-Anfal", die Kurden zu vernichten, noch wird der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die "al-Fath" helfen, die Kurden dauerhaft zu besiegen.

Was von solchen militärischen Operationen am Ende übrig bleibt, sind Tote, Verletzte, zerstörte Städte und Natur sowie der tiefe Hass, den nur jene nachvollziehen können, die Derartiges selbst erlebt haben. Situationen, an die sich die Kurden schon längst gewöhnt haben, erleben nun auch Iraker und Syrer. Und wenn die Türkei so weitermacht, werden bald auch die Türken selbst das Schicksal anderer Völker des Nahen Ostens teilen.

Die mit Olivenbäumen bedeckte Region Afrin blieb bisher vom Krieg verschont und bat daher arabischen Familien, die vor dem Krieg flüchteten, Unterschlupf. In einfachen Zelten lebten in Afrin syrische Familien mit ihren Kindern fernab vom Zentrum ohne Wasser und Strom. Den einzigen "Luxus" für die Flüchtlinge in Afrin stellten die bewaffneten kurdischen Wächter dar, die das Lager rund um die Uhr bewachten. Nun leiden nicht nur die Kurden unter der türkischen Kriegslust, sondern auch ihre Schutzbefohlenen.

Über die Gründe, warum die Kurden erneut im Stich gelassen wurden, nachdem sie die Region brav von brutalen Terroristen befreit hatten, kann man spekulieren, wie man will. Erneut hat die Türkei ihre Macht demonstriert, die zweifelsohne überaus beeindruckend ist. Wie sonst gelangt es der Türkei, Russland zu überzeugen und gegen die Verbündeten der USA vorzugehen? Die Geschichte lehrt, dass diplomatisches Geschick ein wichtiger Schlüssel ist, um die eigenen Absichten zum Erfolg zu führen.

Was uns der Krieg in Syrien aber gezeigt hat, ist, dass die Zeiten der 100-jährigen Verträge, wie etwa das Sykes-Picot-Abkommen dazu zählt, schon längst vorbei sind. Denn die Tagesordnung im Syrien-Krieg ändert sich beinahe jeden Tag erneut. Den Beobachtern des Kriegs müsste schon längst aufgefallen sein, dass es (zumindest nach außen hin) keine klare Linie gibt, keine der Kräfte im Hintergrund des Krieges so mächtig ist, dass man die anderen zu einer Lösung zwingen kann.

Es ist nun an den Kurden, gelassen zu bleiben und sich emotional aus der Opferrolle zu befreien. Der beharrliche Kampfgeist der Kurden ist der ganzen Welt gut bekannt.

Es ist an der Zeit, an nachhaltigen diplomatischen Beziehungen zu arbeiten.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-30 18:02:10
Letzte ─nderung am 2018-01-31 16:59:10



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