• vom 09.02.2018, 15:58 Uhr

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Update: 10.02.2018, 18:01 Uhr

Gastkommentar

Ablehnen, aber nicht diskriminieren




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Von Arno Tausch

  • Wie die Kirche mit dem Thema Homosexualität umgeht.



Mit der Veröffentlichung von Krzysztof Charamsas Buch "Der erste Stein: Als homosexueller Priester gegen die Heuchelei der katholischen Kirche", geschrieben von einem ehemaligen polnischen Priester und Mitarbeiter der Kongregation für die Glaubenslehre im Vatikan, wurde die römisch-katholische Kirche beschuldigt, das Leben von Schwulen zur Hölle zu machen. Das gesamte Thema Homosexualität und römischer Katholizismus rückte wieder in den Fokus der internationalen Medienaufmerksamkeit. Papst Franziskus I. erklärte dazu: "Wer bin ich, um Homosexuelle zu verurteilen?" Der einflussreiche Kardinal Robert Sarah aus Guinea, sicher einer der kommenden "Papabili", hingegen meinte: "Was Nazi-Faschismus und Kommunismus im 20. Jahrhundert waren, sind westliche Homosexualitäts- und Abtreibungsideologien und islamischer Fanatismus heute."

Aber die Opposition gegen Homosexualität und homosexuelle Ehen ist nicht auf den römischen Katholizismus beschränkt. Der ehemalige britische Oberrabbiner Lord Jonathan Sachs, einer der prominentesten orthodoxen jüdischen Theologen, äußerte ebenso seine scharfe Opposition gegen die "Ehe für alle". Und in mehreren islamischen Ländern der Welt ist bekanntlich die Todesstrafe für Homosexualität noch immer in Kraft, unter anderem im Iran.

Ideale der Nächstenliebe

Es scheint eine wachsende internationale soziologische Evidenz aber darauf hinzudeuten, dass immer mehr römisch-katholische Gläubige der Verurteilung des homosexuellen Aktes als "Todsünde", wie sie der offizielle Katechismus der römisch-katholischen Kirche noch heute ausdrückt, nicht mehr folgen. Interessant ist dabei vor allem die bisher undokumentierte Meinung der Katholiken auf der ganzen Welt, die sonntags die Gottesdienste besuchen - nach bevölkerungsgewichteten Daten sind das 45 Prozent der weltweit 1,3 Milliarden Katholiken - und in der katholischen Tradition als die "Dominicantes" bezeichnet werden. Solche Analysen sind jetzt mit Daten aus dem "World Values Survey" möglich, einer Art weltweit repräsentativem Meinungsbarometer, das von der University of Michigan initiiert wurde. Es ist nun für fast 90 Prozent der Menschheit verfügbar und erfüllt hohe internationale Standards für vergleichende Meinungsumfragen.

Die römisch-katholische Kirche ist die religiöse Organisation, die unter den Bürgern der westlichen Demokratien immer noch die größte religiöse Anhängerschaft hat, und durch ihre Selbstdefinition (Johannes Paul II., 1994) sollte sie eine religiöse Gemeinde sein, die sich den Idealen der Nächstenliebe verpflichtet fühlt, den Einsatz für die Bedürftigen, Offenheit für die Schwächsten und ein Höchstmaß an menschlichem Verständnis vertritt. So nimmt die aktuelle Führung der römisch-katholischen Kirche unter der Leitung von Papst Franziskus eine besonders liberale und versöhnliche Haltung zu Migrations- und Flüchtlingsthemen ein, während sie die Gendertheorien ablehnt und den Feminismus ideologisch weiterhin sehr scharf kritisiert.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-09 16:02:19
Letzte Änderung am 2018-02-10 18:01:20


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