• vom 13.02.2018, 15:39 Uhr

Gastkommentare


Gastkommentar

Kein Ende in Sicht




  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Markus Schauta

  • Mit der Zerschlagung des Kalifats geht der Wettlauf um Syriens Aufteilung in die nächste Runde.

Die Gebietsgewinne der einen spielen den anderen in die Hände. Foto: afp/Saleh Abo Ghaloun

Die Gebietsgewinne der einen spielen den anderen in die Hände. Foto: afp/Saleh Abo Ghaloun Die Gebietsgewinne der einen spielen den anderen in die Hände. Foto: afp/Saleh Abo Ghaloun

Am 20. Jänner startete die Türkei ihren Angriff auf Afrin, einen bis dahin vom Krieg weitgehend verschont gebliebenen Landstrich im Nordwesten Syriens. Afrin ist Teil von Rojava, jenem kurdischen Autonomiegebiet, das sich, geht es nach den Vorstellungen der Partei der Demokratischen Union (PYD) und der Volksverteidigungseinheiten (YPG), einmal entlang der gesamten Breite des nördlichen Grenzgebietes von Syrien erstrecken soll.

Ausweitung der Gebiete
Die Realisierung dieser autonomen Region verlief bis jetzt erfolgreich. Seit dem Rückzug der syrischen Armee aus drei kurdischen Enklaven im Norden Syriens im Jahr 2013 konnte die YPG ständig neue Gebiet gewinnen, vor allem durch die Offensiven der von den USA aufgebauten und unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Die von der YPG dominierten Einheiten konnten neben zahlreichen Siegen über den IS vor allem eines erreichen: eine beachtliche Ausweitung der von Kurden kontrollierten Gebiete in Syrien. Dazu zählen Teile der rohstoffreichen Regionen im Osten des Landes, unter anderem das Al-Omar-Ölfeld, eines der größten Syriens, und das Conoco-Gasfeld. Hinzu kommen Städte wie Rakka, die ein wichtiges Faustpfand sein kann, wenn es um die Mitsprache der Kurden bei Verhandlungen um Syriens Zukunft geht.

Markus Schauta ist freier Journalist, seit 2011 berichtet er aus Kriegs- und Krisengebieten in Nahost. Foto: privat

Markus Schauta ist freier Journalist, seit 2011 berichtet er aus Kriegs- und Krisengebieten in Nahost. Foto: privat Markus Schauta ist freier Journalist, seit 2011 berichtet er aus Kriegs- und Krisengebieten in Nahost. Foto: privat

Unterstützt von den USA, kontrollieren SDF und YPG inzwischen 25 Prozent des syrischen Territoriums, wozu auch nicht-kurdisch besiedelte Gebiete zählen. Ihren Einsatz in Syrien rein auf den Kampf gegen den IS zu reduzieren, greift daher zu kurz. Die Eroberungen sind Teil des Wettlaufs um syrisches Territorium in wechselhaften Bündnissen.


Als im Februar 2016 syrische Regierungstruppen und schiitische Milizen in den Norden Aleppos vordrangen, stießen Einheiten der YPG zeitgleich vom Westen her in die von der Opposition gehaltene Region vor. Erfolg der Offensive: Die Stadt Tell Rifaat und der Luftwaffenstützpunkt Menagh konnten der kurdischen Region Afrin angegliedert werden. Auf Kosten der Opposition, die die wichtige Versorgungsroute Aleppo - türkische Grenze verlor.

Zivilisten zwischen Fronten
Nein, das waren nicht die ersten Auseinandersetzungen zwischen YPG und Opposition, und nicht immer gingen die Angriffe von der YPG aus. Aber der Vorfall kann erklären, warum zahlreiche Verbände der sunnitischen Opposition gerne bereit sind, sich an der türkischen Offensive gegen Afrin zu beteiligen. Tausende Zivilisten, die 2016 zwischen die Fronten gerieten, sitzen heute in Camps nahe der türkischen Grenze fest. Viele machen die YPG für ihr Unglück verantwortlich - und begrüßen die türkische Offensive. Zumal der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ihnen in Aussicht stellt, dass sie bald in ihre Dörfer zurückkehren können.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-13 15:44:25


Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Eine Reform, nur keine große
  2. Generation Aufbau
  3. Lernen von Macron
  4. Appell für Großzügigkeit
  5. Kein Bruch mit der Merkel-Ära
Meistkommentiert
  1. Kein Bruch mit der Merkel-Ära
  2. Zwei Wege
  3. Lernen von Macron
  4. Generation Aufbau
  5. Genug verhindert


Werbung