• vom 22.02.2018, 16:20 Uhr

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Update: 22.02.2018, 17:53 Uhr

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Zurück zum Ursprung des Geldes




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Von Holger Blisse

  • Warum man vor der kommenden Zinserhöhung keine Angst zu haben braucht.

Holger Blisse ist Wirtschafts- und Sozialwissenschafter und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozialpolitische Themen spezialisiert.

Holger Blisse ist Wirtschafts- und Sozialwissenschafter und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozialpolitische Themen spezialisiert. Holger Blisse ist Wirtschafts- und Sozialwissenschafter und unter anderem auf kreditwirtschaftliche, genossenschaftliche und sozialpolitische Themen spezialisiert.

In Zeiten der Nullzinspolitik fühlt man sich an das Zinsverbot in vielen Religionen erinnert. Demzufolge wäre aktuell finanzethisch das Paradies auf Erden ausgebrochen. Wenn nur nicht die Schuldenlast der Vergangenheit wäre und die Frage im Raume stünde, wie es nach der Zinswende weitergeht. Welche Erschütterung von einer bevorstehenden Zinserhöhung ausgehen könnte, haben die jüngsten Börsenkursrückgänge belegt.

Geld verdienen mit der Arbeitslast und der finanziellen Abhängigkeit anderer galt als unethisch. Heute ist der Zins - vorübergehend - aufgehoben. Die Zinspolitik, aber auch die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung lassen Unternehmensberater einen weiteren dramatischen Rückgang der Zahl der Kreditinstitute verkünden. Ihnen dürfte dies keine Kopfschmerzen bereiten, ist doch ihr Geschäftsmodell die Veränderung, also: je mehr Wandel - bis hin zur (schöpferischen) Zerstörung -, desto besser fürs Geschäft.


Es ist merkwürdig, dass gerade die Form der Ausnutzung aus einer Geldbeziehung - bis hin zur Schuldknechtschaft - bisher keinen Ausgleich hervorgerufen hat und von staatlicher Seite gerade hier nichts unternommen wurde - von Angeboten zur Schuldnerberatung bis hin zum Privatkonkurs abgesehen.

Verkürzt gesagt: Wann immer sich jemand an der sozialen Gemeinschaft individuell bereichert, sei es, dass sein Unternehmen in Konkurs geht, aber das Sozialsystem für die Beschäftigten aufkommt, oder auch bei einer auf Kredit finanzierten Unternehmensübernahme, in deren Folge es zu Werksschließungen und Entlassungen kommt, sollte es einen Ausgleich gegeben haben. Denn dann bleibt uns klar, warum wir zusammen auf der Erde verkehren, wirtschaften, nämlich, damit wir alle möglichst gut, gesund und glücklich leben können. Denn nur, wenn wir "gut" zueinander sind, geht es weiter, gibt es neues Leben.

Die vielen neuen Gestaltungsvarianten für menschliches Miteinander haben die Möglichkeiten vergrößert. Es ist vielleicht sogar irgendwann möglich, dass Künstliche Intelligenz menschliches Leben erzeugt oder beschließt, dass es sinnvoller ist, künstliches Leben zu erzeugen. Wenn wir schon einen Wert darin sehen, dass Künstliche Intelligenz und Maschinen den Menschen ersetzen, dürfen wir uns auf den Moment freuen, wenn der letzte Mensch "das Licht ausmacht" und "die Erde wieder allein Gott gehört".

Dagegen könnte dieser Ausgleich für den Umsatz aus dem Verkehr bei künftigen Reformen wirken und mit einer zusätzlichen Einnahme auch die Sorge vor einer Zinserhöhung verringern: eine Umsatzsteuer auf den Zins, den Preis des Geldes, also das Ausgleichsmittel für die Arbeitsteilung. Dann würden wir anfangen, den Preis für die Arbeitsteilung und damit das Trennende innerhalb der Gesellschaft über dessen Bindemittel zu resozialisieren.

Dies ist auch im Zeitalter von Kryptowährungen wie Bitcoin & Co. und der Blockchain-Technologie gültig, es ist allgemeingültig, zeitlos. Es wäre eine Korrektur dahingehend, dass im Sinne von "Teile und herrsche" das heute nur bei den - gar nicht mehr staatlichen, sondern privaten - Herrschenden Verbleibende zunehmend wieder mit den Beherrschten zu teilen begonnen wird.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-22 16:23:31
Letzte Änderung am 2018-02-22 17:53:30


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