• vom 14.03.2018, 17:55 Uhr

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Update: 20.03.2018, 16:53 Uhr

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Ärztekammer kritisiert langes Warten auf Medizin-Ausbildungsplätze




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Von Ernest G. Pichlbauer

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  • Und sie hat eine Lösung: Mehr von allem - wohl, um die eigene Klientel mit Aktivismus zu bedienen.

Dr. Ernest G. Pichlbauer ist unabhängiger Gesundheitsökonom und Publizist.

Dr. Ernest G. Pichlbauer ist unabhängiger Gesundheitsökonom und Publizist. Dr. Ernest G. Pichlbauer ist unabhängiger Gesundheitsökonom und Publizist.

Kürzlich erfuhren wir durch den obersten Ärztekammerfunktionär in Angelegenheiten der Spitalsärzte, dass 460 Absolventen der Medizinischen Universitäten im Jahr 2015/16 heute nicht als Ärzte in Österreich arbeiten. Der Grund: Wir haben zu wenige postpromotionelle Spitals-Ausbildungsplätze. Die Regierung sollte lieber hier einige Millionen in die Schaffung neuer Ausbildungsplätze investieren, statt 227 Millionen an universitären Ausbildungskosten zu verlieren. Zudem soll es pro Abteilung einen Ausbildungsoberarzt geben, der für die Ausbildung des Nachwuchses von seinem Dienst freigestellt wird.

Da stellt sich doch die Frage, wie so ein Oberarzt, ohne Patienten zu behandeln, den Jungen etwas beibringen soll? Ganz abgesehen davon, dass jede kleine Abteilung schlicht zusperren müsste - viele schaffen ihre Diensträder (um 24 Stunden den Betrieb aufrechtzuerhalten, braucht es mindestens sechs Ärzte) doch nur, weil sie (semilegal, wie ich glaube) vier Fachärzte und zwei Nachwuchsärzte einsetzen.


Womit wir auch schon bei dem Mangel an Spitals-Ausbildungsplätzen sind. Noch nie gab es so viele Nachwuchsärzte wie heute. 7168 im Jahr 2016 - das sind 14 Prozent mehr als im Jahr davor. Diesen Nachwuchsärzten stehen 15.000 Fachärzte gegenüber - das Verhältnis beträgt in etwa 2:1; denn die Ärztekammer verlangt dieses Verhältnis, damit eben Ausbildung möglich wird. Mehr Ausbildungsplätze verlangen mehr Spitalsärzte - und damit mehr Spitäler.

Eine eigenartige Forderung, wird doch seit Jahrzehnten beklagt, dass wir viel zu viele Spitäler haben.

Aber was hat es auf sich, dass wir 227 Millionen Euro für eine sinnlose Ausbildung rauschmeißen?

Nun, seit Jahrzehnten bilden wir mehr Mediziner aus, als in unseren Spitälern unterkommen. Im Durchschnitt etwa 450 pro Jahr, weil viele nach dem Studium Familie gründen, in Forschung oder Wirtschaft wechseln oder ins Ausland gehen. Das ist nichts Neues. Die Universitäten rechnen pro Studienplatz und Jahr mit 63.000 Euro Kosten; pro Absolvent macht das knapp 400.000 Euro. Zum Vergleich: Ein Harvard-Absolvent kostet weniger als 300.000 - das ist bedenklich, vor allem, wenn wir uns internationale Rankings ansehen. Damit wären nicht 227 sondern nur 175 Millionen "rausgeworfen" - die Ärztekammer war immer schon großzügig.

Macht nichts, ist auch viel Geld. Und wenn man meint, es ist fehlinvestiert, sollte man nachdenken.

Schauen wir uns an, wie viele Absolventen wir haben: Inklusive neuer MedUni Linz, Absolventen der Privat-Unis und Absolventen mit ausländischem Pass kommen wir auf etwa 26 Absolventen pro 100.000 Einwohner. Tja, das ist mehr als doppelt so viel wie in der EU üblich. Wenn wir also 1000 Absolventen pro Jahr mehr als im EU-Schnitt haben und feststellen, dass die nicht in unseren Spitälern antreten, obwohl wir die meisten Spitalspatienten in der EU haben, ist es dann vernünftig, mehr Ausbildungsstellen in Spitälern für frisches Geld zu fordern? Aber die Forderung nach weniger Absolventen ist wohl eher weniger sexy.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-14 17:59:58
Letzte Änderung am 2018-03-20 16:53:50


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