• vom 15.03.2018, 15:15 Uhr

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Wir verhindern Entwicklung




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Von Wolfgang Glass


    Migranten hinterlassen in der Heimat eine Lücke. Foto: afp/Louisa Gouliamaki

    Migranten hinterlassen in der Heimat eine Lücke. Foto: afp/Louisa Gouliamaki

    Wolfgang Glass ist promovierter Politologe und Personalberater in Wien. Foto: privat

    Wolfgang Glass ist promovierter Politologe und Personalberater in Wien. Foto: privat Wolfgang Glass ist promovierter Politologe und Personalberater in Wien. Foto: privat

    Die derzeitige Weltwirtschaftsordnung hat Strukturen eines de facto grenzenlosen Wettbewerbs geschaffen. Allerdings wird dabei mit ungleich langen Messern gekämpft. Alternativen zu grenzenlosen Märkten und Konkurrenz gibt es leider nicht. Teilweise kommt es durch Fusion wieder zu Monopolen oder zu so wenig Konkurrenz, dass Preisabsprachen an der Tagesordnung stehen.

    Eine Marktwirtschaft, die sozial und ökologisch strukturiert ist mit dem Ziel, sich in erster Linie auch lokal zu versorgen und auch Steuerabgaben zu leisten, sollte das Ziel sein. Für Letzteres wird zum Beispiel der ganze digitale Medienbereich ausgeklammert. Stattdessen halten wir uns oftmals mit Sonntagsreden über Plastiksackerl und pro/contra Autofahren auf, um das eigene Gewissen kurzfristig zu streicheln, während wir aber keinesfalls auf den Flug um 600 Euro tour/retour nach Thailand mit Fluglinien, die de facto pleite sind und deren CO2-Ausstoß ein Mehrfaches von jenem der durchschnittlichen Abgase eines Autos pro Jahr beträgt, verzichten wollen.


    Exodus der Hoffnungsträger statt Ausbildung vor Ort
    Auch die Einwegmigration vom armen Süden in Richtung Norden, oder von Ost nach West ist eine Folge des Wohlstandsgefälles einer verfehlten Wirtschafts- und Entwicklungspolitik. Solange die Armen nicht reicher werden, werden sie zu den Reichen kommen. Doch was passiert dann mit denen, die zurückbleiben? Ist das Entwicklungspolitik, was wir darunter verstehen, dass wir die Intelligentesten per "Card" zu uns holen, damit noch weniger Hoffnungsträger dort ihr Land vorantreiben können?

    Ohne Softpower, aber eben auch Hardpower, wird die Europäische Union nichts mehr zu sagen haben in der Welt. Wir ziehen bei allem, was unangenehm scheint, den Schwanz ein und überlassen es lieber den USA, China oder Russland. Demokratie ist aber wie ein Haus mit einem stabilen Fundament, das aus einer funktionierenden Wirtschaft und einer guten Beschäftigungslage für die meisten besteht. Dazu benötigt man lokale Märkte, die gute Produkte schaffen, die von guten Institutionen kontrolliert und auch gefördert werden. Dadurch kann auch die Korruption zurückgedrängt werden, vorausgesetzt, diese Institutionen sind verlässlich.

    Derzeit bilden wir uns ein, diverse Völkerwanderungen wären gut für die Entwicklung. Falsch. Sie sind teuer und sie schaden den Herkunftsländern. Die Ausbildung der Leute vor Ort ist um ein Vielfaches billiger, und gleichzeitig entwickelt sich dort auch noch ein Markt. Lokale Märkte werden vorbereitet in jenen Ländern, deren Regierungen auch daran interessiert sind. Diese Projekte müssen fokussiert sein. So entstehen mehr Arbeit für die Einheimischen und auch mehr Solidarität statt Mobilität, die teilweise die Emigranten sogar in den Tod treibt. Mit dem Resultat, dass bei uns oftmals nicht gerade jene ankommen, deren Kompetenz händeringend gesucht wird. Umgekehrt fehlen womöglich in ihrer Heimat willige und fähige Arbeitskräfte für den dortigen Markt - und auch Ausbildner für die nächste Generation.

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    Dokument erstellt am 2018-03-15 15:20:53


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