• vom 09.04.2018, 17:41 Uhr

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Update: 19.04.2018, 16:36 Uhr

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Von Walter Feichtinger

  • Hinter der Intervention der Türkei in Syrien sind drei Absichten zu erkennen.

Walter Feichtinger ist seit 2002 Leiter des Instituts für Friedenssicherung und Konfliktmanagement an der Landesverteidigungsakademie.

Walter Feichtinger ist seit 2002 Leiter des Instituts für Friedenssicherung und Konfliktmanagement an der Landesverteidigungsakademie. Walter Feichtinger ist seit 2002 Leiter des Instituts für Friedenssicherung und Konfliktmanagement an der Landesverteidigungsakademie.

Beim zweiten Gipfeltreffen der Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Hassan Rohani und Wladimir Putin - also der Türkei mit ihren Zweckpartnern Iran und Russland im Syrien-Krieg - in Ankara ging es offiziell um eine dauerhafte Waffenruhe. Im Hintergrund verfolgen die Staatschefs aber ihre eigenen langfristigen Interessen.

Angesichts der Eroberung des Kantons Afrin, einer Hochburg der PKK, stellt sich die Frage nach den Zielen und der Strategie Ankaras. Dabei sind drei Absichten zu erkennen: erstens die Vernichtung oder Vertreibung der PKK aus kritischen Räumen, zweitens die Eindämmung kurdischer Autonomiebestrebungen und drittens eine Entlastung im Flüchtlingsbereich. Die ersten beiden Zielsetzungen folgen primär Sicherheitsinteressen, während der dritte Punkt auf sozial- und wirtschaftspolitische Belange abzielt.


So wäre ein neuerlicher Flüchtlingsansturm zweifelsohne eine erhebliche Herausforderung für ein Land, das bereits mehr als 3,5 Millionen Syrer aufgenommen hat. Eine signifikante Rückkehr stellte hingegen nicht nur eine allgemeine Entlastung, sondern auch eine Rechtfertigung und Bestätigung für die Intervention in Syrien dar.

Dabei stützt sich Ankara seit August 2016 vermehrt auf sein Militär ab. Damals wurde mit der Operation "Euphrat Shield" - gemeinsam mit lokalen Verbündeten - die Terrormiliz IS zurückgedrängt und ein Zusammenwachsen des Kurdengebietes zu einer Gesamtregion ("Rojava") verhindert. Ein Jahr später konnte im Zusammenspiel mit den Deeskalationszonen im Südwesten von Afrin eine Separationslinie gezogen werden, was de facto einer Einkesselung der PKK-nahen Kurdenmiliz YPG gleichkam. In der Operation "Olivenzweig" ab Jänner 2018 gelang es dem türkischen Militär und verbündeten Milizen, nach anfangs zähem Widerstand den Kanton Afrin rasch einzunehmen.

Damit konnte Ankara bereits einen Teil seiner Ziele erreichen.

Nun geht es darum, die USA von der Unterstützung der YPG abzubringen und damit indirekt auch den politischen Einfluss der Kurden in Syrien zu reduzieren. Daher droht Erdogan mit einem Vormarsch nach Manbidsch und an den Euphrat - womit er die USA in ein Dilemma bringt: Entweder stellen sie die Unterstützung für das (von der YPG dominierte) kurdisch-arabische Bündnis SDF ein oder sie laufen Gefahr, in einen direkten militärischen Konflikt mit dem Nato-Partner Türkei zu geraten. Aber den bisher stärksten Verbündeten im Kampf gegen den IS fallen zu lassen, wäre Wasser auf viele Propagandamühlen und würde die USA der letzten Einflussmöglichkeit in Syrien berauben.

Ankara befindet sich somit aktuell aus seiner Sicht in einer zufriedenstellenden strategischen Position - das kann sich aber rasch ändern. Denn sowohl die Reaktion der USA wie auch der PKK - in Syrien und vor allem in der Türkei - steht noch aus. Sollten jedoch in absehbarer Zeit viele Flüchtlinge aus türkischen Herbergen in türkisch-kontrollierte Gebiete in Syrien zurückkehren, könnte sich Erdogan als Sieger präsentieren. Eine nachhaltige Realisierung seiner Ziele würde aber eine dauerhafte Präsenz in Syrien erfordern, um zukünftige Entwicklungen beeinflussen zu können.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-09 17:45:07
Letzte Änderung am 2018-04-19 16:36:43


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