• vom 18.04.2018, 14:22 Uhr

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Update: 18.04.2018, 16:47 Uhr

Gastkommentar

Europa, geh voran!




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Von Kurt Bayer

  • Die USA liegen im wirtschaftlichen Clinch mit China. Es hoch an der Zeit, die Fakten der globalen Machtverschiebung anzuerkennen.

Ein Handelskrieg liegt in der Luft. Die USA haben Handelsabkommen gekündigt (TPP) oder verhandeln sie neu (Nafta), sie wollen "aus Sicherheitsgründen" Zölle gegen die ganze Welt auf Stahl und Aluminium verhängen und haben kürzlich China ins Fadenkreuz genommen und für Einfuhren von dort Zölle - vor allem für Hochtechnologie - im Ausmaß von 50 Milliarden Dollar angekündigt. Als die Chinesen gezielt 3 Milliarden Dollar an Zöllen auf Agrareinfuhren aus den USA verkündeten, drohte US-Präsident Donald Trump gleich mit weiteren 100 Milliarden Dollar.

Gleichzeitig lobt Trump weiter "seinen Freund Xi" und spielt mit seinen Ministern "good cop/bad cop". Zwar beruft er sich bei seinen angekündigten Maßnahmen auf die Regeln der Welthandelsorganisation WTO, will aber gleichzeitig die WTO schwächen oder ganz in die Luft jagen.

Information

Kurt Bayer ist Ökonom. Er war Board Director in Weltbank (Washington) und EBRD (London) sowie Gruppenleiter im Finanzministerium.


Chinas Aufstieg schwächt die Vormachtstellung der USA
Hinter all dem Getöse stehen Trumps "America First"-Strategie und sein Versuch, durch Zölle und andere protektionistische Maßnahmen einerseits das Außenhandelsdefizit mit China, das 2017 ein Ausmaß von 370 Milliarden Dollar erreichte, zu reduzieren, und andererseits Chinas absehbaren Aufstieg zur größten Volkswirtschaft der Welt zu bremsen. Denn dieser würde die unangefochtene Vormachtstellung der USA seit 1945 in Frage stellen. Es geht dabei aber nicht nur darum, wer Erster ist, sondern auch, wer die Machtverhältnisse und damit auch die Regeln, die Weltwirtschaft und den Handel bestimmen, gestalten kann. Fraglos nutzt China die aktuellen Regeln zu seinen Gunsten aus.

Bisher hat dies eindeutig der Westen getan: Die wirtschaftlichen Bretton-Woods-Institutionen (Internationaler Währungsfonds und Weltbank) und die Welthandelsorganisation orientieren sich weiterhin am westlichen Modell der Marktwirtschaft. Die westlichen Länder (inklusive Japan) sträuben sich seit Jahren, in diesen Institutionen die aufstrebenden Volkswirtschaften ihrem Gewicht gemäß mitreden zu lassen. Siehe etwa die seit zehn Jahren umkämpfte "Quotenreform" im IWF (im Gefolge auch in der Weltbankgruppe), bei der es um eine Umgewichtung der Stimmrechte und um Zugang zu Finanzmitteln für die aufstrebenden Länder geht. Diesen ist es lediglich gelungen, die vergangene Verhandlungsrunde der Welthandelsorganisation ("Doha-Runde") lahmzulegen, mehr nicht.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-18 14:27:17
Letzte Änderung am 2018-04-18 16:47:52


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