• vom 18.04.2018, 17:30 Uhr

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Update: 19.04.2018, 15:16 Uhr

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70 Jahre - und viele Gründe, stolz zu sein




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Von Talya Lador-Fresher

  • Israel hat sich seit 1948 von einem Agrarstaat zu einer Start-up-Nation mit zwölf Nobelpreisträgern entwickelt.

Im Judentum wird der Zahl 7 eine positive Bedeutung zugesprochen - und in diesem Jahr wird der Staat Israel 70 Jahre jung. Der offizielle Slogan für die Feierlichkeiten lautet: "Ja, wir haben etwas, worauf wir stolz sein können." Wenn ich auf die turbulente Geschichte meines Landes zurückblicke, ist dieser Satz keine Erfindung einer PR-Agentur. Es sind nicht die Konflikte in der Region, die den Charakter Israels am nachhaltigsten beeinflusst haben, sondern Folgendes:

Im ersten Jahrzehnt nach der Staatsgründung 1948 fand die Aufnahme von mehr als einer Million Jüdinnen und Juden (Holocaust-Überlebenden sowie Vertriebenen aus der arabischen Welt) statt. Auch wenn es schwierig war, haben wir es gemeinsam geschafft.


In den folgenden zehn Jahren wurde die Infrastruktur des jungen Staates aufgebaut. In einer Region mit Wassermangel wurde die nationale Wasseranlage errichtet, die Israel mit Trinkwasser versorgt. Auch neue Anbaumethoden wurden entwickelt, die heute noch wegweisend sind, um der Wüste fruchtbares Ackerland abzuringen.

Von 1968 bis 1978 fand eine Stärkung der Demokratie statt. In all den Jahren zuvor war die Arbeiterpartei die bestimmende Kraft im Land. Im Jahr 1977 kam erstmals die konservative Likud-Partei an die Macht. Viele Leute glaubten, dass dies das Ende der Demokratie bedeuten würde, in Wahrheit ist das Gegenteil eingetreten. Erstmals bekamen andere Gesellschaftsschichten eine Stimme, Juden aus den arabischen Staaten und der Peripherie des Landes.

In der folgenden Dekade wurde der Grundstein für die ökonomische Eigenständigkeit Israels gelegt. Durch die Umstellung auf das System der freien Marktwirtschaft und ein Stabilisierungsprogramm konnten eine Periode hoher Inflation endgültig beendet und neue Märkte erschlossen werden.

Das fünfte Jahrzehnt war eine Epoche voller Hoffnung, Israel werde ein anerkannter und integraler Teil des Nahen Ostens werden und Friede sei mit allen Nachbarstaaten möglich. Im Jahr 1993 wurden das Oslo-Abkommen mit den Palästinensern und der Friedensvertrag mit Jordanien unterzeichnet. Auch wenn viele Initiativen der Casablanca-Konferenz zum "Neuen Nahen Osten" nicht umgesetzt wurden - der Prozess, Israel als anerkannten Partner mit einzubeziehen, wurde hier erstmals angestoßen.

Viele bahnbrechende Errungenschaften in den Bereichen Wissenschaft und Technologie sind charakteristisch für die folgenden zehn Jahre. Israel ist kein Agrarstaat mehr, sondern eine Start-up-Nation mit zwölf Nobelpreisträgern.

Wie es sich für "anständige Pensionisten" gehört, bestimmt nun der Lifestyle die siebente Dekade. Tel Aviv mit seiner mediterranen Atmosphäre ist zu einem beliebten Tourismusziel nicht nur für Sonnenanbeter und Partytiger, sondern auch für Liebhaber ausgezeichneter Küche geworden.

Zum 70. Geburtstag des Staates Israel werde ich mit einem Glas israelischen Weins anstoßen und meinem Land für die kommenden Jahrzehnte alles Gute wünschen. Und ich freue mich, dass viele Menschen in Österreich ebenfalls mit mir darauf anstoßen werden.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-18 17:36:18
Letzte Änderung am 2018-04-19 15:16:31


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