• vom 17.05.2018, 07:00 Uhr

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Update: 17.05.2018, 10:07 Uhr

Gastkommentar

Die Ökonomisierungs-Falle im Arztberuf




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Von Gerald Michael Radner

  • Ein Mediziner hat die beste Therapie zu verordnen - und die Krankenkassen haben die Kosten dafür zu übernehmen.

Gerald Michael Radner ist Referent für Arzthaftung der Wiener Ärztekammer und Autor der Broschüre "Die Rechte des Arztes" (Verlag Trauner, 30 Euro). Foto: Christian Jungwirth

Gerald Michael Radner ist Referent für Arzthaftung der Wiener Ärztekammer und Autor der Broschüre "Die Rechte des Arztes" (Verlag Trauner, 30 Euro). Foto: Christian Jungwirth Gerald Michael Radner ist Referent für Arzthaftung der Wiener Ärztekammer und Autor der Broschüre "Die Rechte des Arztes" (Verlag Trauner, 30 Euro). Foto: Christian Jungwirth

Die österreichische Rechtsordnung verpflichtet jeden Arzt, jeden Patienten lege artis - also nach dem neuesten Stand der medizinischen Wissenschaften - zu behandeln. Die soziale Krankenversicherung ist verpflichtet, diese Behandlungskosten zu übernehmen, damit nach Möglichkeit die Gesundheit, die Arbeitsfähigkeit und die Fähigkeit, für die eigenen Bedürfnisse zu sorgen, wiederherstellt, gebessert oder gefestigt wird. Nach Möglichkeit bedeutet: mit allem, was möglich ist, also mit der besten Medizin.

Dieses Zusammenspiel zeichnet Österreichs Gesundheitssystem als das weltbeste aus. Die Erfahrung hat aber auch gezeigt, dass die beste Medizin auch auf lange Sicht die kostengünstigste ist. Die Therapiefreiheit ist die Grundlage für das ärztliche Behandeln. Zweifellos bewegt sich diese Maxime im Spannungsfeld aktueller ökonomischer, politischer und gesellschaftlicher Interessen. Strebt doch gerade die permanente Finanzierungskrise öffentlicher Haushalte und damit auch des sozialen Gesundheitssystems nahezu reflexhaft nach Regelmechanismen, um die Ärzte ökonomisch zu domestizieren. Damit werden die Probleme jedoch nicht gelöst, sondern verschärft.

Maximum an Freiheit, Flexibilität und Vertrauen
Die kasuistische Unterwanderung der ärztlichen Therapiehoheit hat gar viele Gesichter. Sie betreffen die Rahmenbedingungen im Spital ebenso wie jene der Niederlassung und fokussieren primär auf die Einhaltung budgetärer Ziele. Doch die Erbringung ärztlicher Leistungen, deren Quelle Wissen, Erfahrung und die intensive Befassung mit Persönlichkeit und Befindlichkeit eines Patienten sind, erfordert ein Maximum an Freiheit, Flexibilität und ein hohes Maß an Vertrauen in die Ärzteschaft.

Daher ist es mehr denn je geboten, die Freiheit des Arztberufes - ob im Krankenhaus oder in der Praxis - gesellschaftlich anzuerkennen. Nur unter dieser Voraussetzung können Ärzte ihre Verantwortung seriös wahrnehmen. Die Erwartungshaltungen an den Arzt sind so groß wie vielschichtig:

Der Patient will möglichst rasch ohne Unannehmlichkeit vollkommen gesund werden und erwartet, dass der Arzt alles weiß, alles kennt und alles kann.

Die Gesundheitspolitik erwartet, dass der Arzt dies alles in kürzester Zeit mit geringsten Mittel, vielleicht sogar kostenfrei bewältigt.

Der Jurist und die Gerichte erwarten, dass sich der Arzt für jeden einzelnen Patienten viel Zeit nimmt, um ihn über den Krankheitszustand so aufzuklären, dass sich der Patient wie nach einem Medizinstudium auskennt. Selbstverständlich wird vorausgesetzt, dass der Arzt dabei alle Facetten des Rechts beachtet.

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Dokument erstellt am 2018-05-16 11:24:50
Letzte Änderung am 2018-05-17 10:07:09