• vom 25.05.2018, 13:50 Uhr

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Update: 25.05.2018, 14:46 Uhr

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Europas Chance als sicherer Datenhafen




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Von Christian Pirkner

  • Die neue Datenschutz-Grundverordnung ist ein wichtiger Schritt, um das Vertrauen der Konsumenten in Datenverarbeiter wieder zu stärken.


© Illustration: fotolia/sdecoret © Illustration: fotolia/sdecoret

Asien ist führend bei Hardware, Amerika bei Software - und Europa? Die Folgen der Facebook-Datenaffäre und die neue Datenschutz-Grundverordnung der EU (EU-DSGVO) sind Riesenchancen für Europa, sich als sicherer Hafen für personenbezogene Kundendaten zu etablieren. Sie müssen jetzt nur genutzt werden.

Facebook ist viel mehr als nur ein soziales Netzwerk. Auch die anderen führenden IT-Riesen sind ja nicht bloß Suchmaschinen, Online-Kaufhäuser oder Hersteller von Consumer Electronics. Sie haben rund um ihr Kerngeschäft ein weitreichendes Ökosystem an weiteren Produkten und Services aufgebaut, die vielfältige Nutzerinformationen weiterverarbeiten. Ich habe während meiner langjährigen Tätigkeit für Start-ups im Silicon Valley (USA) beispielsweise selbst miterlebt, wie Google und Apple zu den größten Musikvermarktern aufstiegen und dabei die gesamte Customer Journey mitsamt den Nutzerdaten übernahmen. Ähnlich disruptive Entwicklungen stehen uns auch in anderen Branchen bevor, wie zum Beispiel in der Finanzbranche.

Christian Pirkner ist Geschäftsführer von Blue Code International, einem europäischen Anbieter für mobile Bezahlservices.

Christian Pirkner ist Geschäftsführer von Blue Code International, einem europäischen Anbieter für mobile Bezahlservices.© Blue Code International AG Christian Pirkner ist Geschäftsführer von Blue Code International, einem europäischen Anbieter für mobile Bezahlservices.© Blue Code International AG

Denn die Internet-Giganten bemühen sich schon länger um europäische Banklizenzen. Entgegen kommt ihnen dabei die EU-Richtlinie "PSD2" (Payment Services Directive II), welche die europäischen Banken 2018 umsetzen müssen. Sie schreibt den Finanzinstituten vor, dass sie künftig auch nationalen und internationalen Drittanbietern den Zugriff auf ausgewählte Zahlungsdaten der Kunden geben müssen - sofern diese der Weitergabe und dem Verwendungszweck zustimmen.


Künftig noch genauer prüfen, wie Daten verwendet werden
User haben es künftig selbst in der Hand, ob sie etwa die Banking-App ihrer Hausbank nutzen oder aber auf Finanzdienste von Drittanbietern zurückgreifen, wenn diese ein besseres oder günstigeres Service anbieten. Kunden müssen daher bei der Wahl des Anbieters in Zukunft noch genauer überprüfen, welche personenbezogenen Daten für welche Zwecke verwendet werden und ob Informationen an Dritte weitergegeben oder in ein Nicht-EU-Drittland übermittelt werden. Denn aus Finanztransaktionen, die bisher ein Monopol der Banken waren, könnten Drittparteien viele für sie interessante und weiterverwertbare Informationen herauslesen.

Dass das zumindest in Europa jedoch nicht so einfach ohne Zustimmung der Kunden passiert, wird in der neuen EU-DSGVO noch strenger geregelt als bisher. Sie ist ein wichtiger Schritt, um das Vertrauen der Konsumenten in datenverarbeitende Unternehmen wieder zu stärken. Nachdem die Gesetzgebung jener Länder gilt, in denen die Datenverwendung stattfindet, trifft die EU-DSGVO nach Auffassung von Rechtsexperten auch auf Facebook & Co. zu. Sie haben damit allerdings weniger Probleme als die vielen kleinen und mittleren Unternehmen hierzulande.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-25 13:55:03
Letzte Änderung am 2018-05-25 14:46:01


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