• vom 25.05.2018, 13:50 Uhr

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Update: 25.05.2018, 14:46 Uhr

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Europas Chance als sicherer Datenhafen




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Die globalen Konzerne haben bei der Registrierung ihrer User die Einwilligung zur Datenverwendung in der Regel eingeholt und zudem bei den Datenschutz-Einstellungen ihrer Dienste - als positive Nachwirkung der Facebook-Affäre - nachgebessert, um den Usern mehr Rechte bei der Einsicht oder Löschung ihrer Daten einzuräumen. Bei Datenschutz-Verletzungen im Sinne der EU-DSGVO sind drastische Strafen bis zu 20 Millionen Euro beziehungsweise 4 Prozent des Konzernumsatzes möglich, die letzten Endes vor allem KMU treffen werden und sich für viele dieser Firmen existenzbedrohend auswirken könnten.

Linzer Firma Fabasoft als Vorreiter bei sicheren Clouds
Dennoch sollten wir die EU-DSGVO auch als große Chance begreifen: Europas Technologie-Unternehmen müssen den Datenschutz jetzt noch stärker als zukunftsträchtiges Geschäftsmodell etablieren und sich als sicherer Hafen für sensible Userdaten positionieren, um sich einen Vorsprung gegenüber Amerika und Asien zu verschaffen. Sie müssen eigene, in Europa angesiedelte Dienste und Services mit höchsten Standards forcieren, die das gesteigerte Bedürfnis der Nutzer nach Privatsphäre respektieren und keine Daten an Dritte weitergeben. Wenn sensible Daten sicher auf dem alten Kontinent verwahrt bleiben, kann auch kein Kontrollverlust passieren oder Druck seitens einer außereuropäischen Instanz ausgeübt werden.

In vielen Bereichen ist dieser Trend in Richtung europäischer Lösungen bereits spürbar: Bei Cloud-Datenspeichern zum Beispiel zeigen Unternehmen ein erhöhtes Risikobewusstsein dafür, ob ihre Daten irgendwo in Übersee oder in Rechenzentren in der EU liegen. Es ist auch erfreulich, dass Österreich in diesem Bereich besonders punkten kann. Denn die bisher einzige von der unabhängigen Non-Profit-Organisation EuroCloud Star mit fünf Sternen zertifizierte "Datenwolke" kommt von Fabasoft aus Linz.

Auch Marketingabteilungen wechseln für Dialogmarketing-Kampagnen vermehrt von kostenlosen internationalen Providern zu europäischen Dienstleistern, die den E-Mail-Versand verlässlich nach den Anforderungen der EU-DSGVO abwickeln können. Und um ein weiteres aktuelles Beispiel zu nennen: Im Finanzbereich arbeiten Fintech-Unternehmen gemeinsam mit europäischen Banken daran, den mehr als 500 Millionen EU-Bürgern ein sicheres, anonymes und EU-weites Verfahren für Smartphone-Zahlungen zu bieten, bevor - wie etwa bei der Musikvermarktung - wieder Dienste aus Übersee das Ruder übernehmen.

Damit Datenschutz als neues EU-Exportprodukt wirklich reüssieren kann, wird es entscheidend sein, dass sich die verschärften Sicherheitsstandards bei sensiblen Nutzerdaten auch international durchsetzen und respektiert werden. Der Schritt von Apple und IBM, strengere Regeln für den Umgang mit Daten zu fordern, kann als erstes positives Zeichen gewertet werden.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-25 13:55:03
Letzte Änderung am 2018-05-25 14:46:01


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