• vom 28.06.2018, 16:24 Uhr

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Update: 29.06.2018, 12:09 Uhr

Gastkommentar

Wie repräsentativ sind Maturanoten?




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Von Elodie Arpa und Walburga Plunger

  • Offener Brief zweier Maturantinnen zur Zentralmatura.

Walburga Plunger ist 18-jährige Maturantin und ehemalige Klassensprecherin.

Walburga Plunger ist 18-jährige Maturantin und ehemalige Klassensprecherin.© privat Walburga Plunger ist 18-jährige Maturantin und ehemalige Klassensprecherin.© privat

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Dr. Alexander Van der Bellen!

Sehr geehrter Herr Bildungsminister Dr. Heinz Faßmann!


Sehr geehrte Verantwortliche, Fachkundige und Veränderungsinitiatoren!

Alle Jahre wieder: Kritik an der Zentralmatura. Wie erklärt man das schlechte Abschneiden österreichischer Schüler bei der Pisa-Studie? Was tun mit tausenden Schulschwänzern? Warum fühlen sich Maturanten mit den Anforderungen von Universitäten überfordert?

Als Maturantinnen wollen wir nun nach zwölf Schuljahren direkt vom Ort des Geschehens berichten. Den Anstoß dazu gab unsere Klasse: Denn sie war sich einig. Und das ist eine Seltenheit! Angefangen vom Klassenfoto bis hin zu Ausflugszielen schien ein konstruktiver Meinungsaustausch unmöglich. Doch als wir im Deutschunterricht das Thema Bildung durchnahmen, brachte sich jeder, wirklich jeder Schüler ein, unterbreitete Vorschläge und gab der Dringlichkeit dieses Themas seine Stimme. Und genau das wollen wir hiermit auch tun.

Elodie Arpa ist 18-jährige Maturantin, Klassensprecherin und Gewinnerin des Mehrsprachenredewettbewerbs "SAG’S MULTI!". Sie war Rednerin am Gedenktag des Parlaments gegen Rassismus und Diskriminierung.

Elodie Arpa ist 18-jährige Maturantin, Klassensprecherin und Gewinnerin des Mehrsprachenredewettbewerbs "SAG’S MULTI!". Sie war Rednerin am Gedenktag des Parlaments gegen Rassismus und Diskriminierung.© Parlamentsdirektion/Thomas Topf Elodie Arpa ist 18-jährige Maturantin, Klassensprecherin und Gewinnerin des Mehrsprachenredewettbewerbs "SAG’S MULTI!". Sie war Rednerin am Gedenktag des Parlaments gegen Rassismus und Diskriminierung.© Parlamentsdirektion/Thomas Topf

Gute Lehrer prägen fürs Leben. Und das sollten sie auch. Unterrichten ist mehr als reines Abtesten. Um Wissen zu vermitteln, muss ein Lehrer die Schüler dort abholen, wo sie stehen, und sie durch den Schulalltag begleiten. Doch auch das muss gelernt sein. Und gerade junge Lehrer werden diesbezüglich oft ins kalte Wasser geworfen. Deshalb sollte das Lehramtsstudium einen stärkeren Fokus auf Pädagogik legen, indem theoretische Kenntnisse vermittelt, aber auch vermehrte Praktika an Schulen gefordert werden.

Für ein "Sehr gut" soll man die Aufgabenstellung in einem weit über das Wesentliche hinausgehendem Ausmaß erfüllen und dabei deutliche Eigenständigkeit vorweisen. Wie das bei einem standardisierten Test im Kreuzchenformat funktionieren soll, ist uns ein Rätsel. Wegen dieser unklaren, oft unerreichbaren Notendefinition, orientieren sich Lehrer bei der Notenvergabe am Niveau der jeweiligen Klasse. Das führt nicht nur zu vermehrtem Konkurrenzkampf zwischen Schülern, sondern verfälscht auch ihre wirklichen Leistungen. Statt am Vergleich mit Mitschülern sollte die Notenvergabe sich an einem Ideal, einer verständlichen, erreichbaren, aber doch hoch angesetzten Definition orientieren.

Und auch die Testformate gehören verändert. Denn selbst wenn standardisierte Tests im Kreuzchen- und Einsetzformat das Korrigieren erleichtern, geht durch das Ersetzen offener Antwortformate viel verloren. Nur wenn man einem Schüler die Möglichkeit gibt, seine Gedanken zu einem Thema frei zu formulieren, lernt dieser sich eine eigene Meinung zu bilden, diese verständlich auszudrücken und mit Argumenten zu untermauern. Nur offene Antwortformate lassen Raum für Kreativität, kritisches Denken und deutliche Eigenständigkeit.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-28 16:31:45
Letzte Änderung am 2018-06-29 12:09:55


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