• vom 28.06.2018, 16:24 Uhr

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Update: 29.06.2018, 12:09 Uhr

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Wie repräsentativ sind Maturanoten?




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Die zwölf Schuljahre vor der Matura nicht außer Acht lassen
Das Maturazeugnis soll als Reifeprüfungszeugnis einen Überblick über das Wissen eines Schülers liefern. Doch wie repräsentativ sind Maturanoten wirklich? Stellt die Benotung einer einzigen Prüfung ein würdiges Abbild der über viele Jahre erbrachten Schulleistungen dar? Oder ist die Zentralmatura vielleicht nur eine weitere Schularbeit, bei der die Tagesverfassung und der Grad der eigenen Nervosität den größten Teil des erreichten Ergebnisses ausmachen?

Ein Beispiel: Ein Schüler, der jedes Jahr mit ausgezeichnetem Erfolg in die nächsthöhere Klasse aufgestiegen ist, mag am Tag der Matura schlimme Kopfschmerzen oder ein Blackout haben. Im Zeugnis finden sich daraufhin nur "genügende" statt "sehr gute" Leistungen. Mögliche Erklärung hierfür: Pech. Oder ist es doch ein Fehler im System?

Um eine solche Situation, enttäuschend und ärgerlich wie sie ist, in Zukunft verhindern zu können, sollten die Maturanoten sich einerseits aus dem Ergebnis der Maturaprüfungen zusammenstellen, andererseits aber auch die Noten der Schüler während ihrer Schullaufbahn berücksichtigen. Denn die Ergebnisse der vergangenen zwölf Schuljahre sollten nicht umsonst gewesen sein. Zählen die Schulnoten fürs Abschlusszeugnis, so ist das ein Ansporn, der Schüler motiviert, gute Leistungen zu erbringen.

Die Zentralmatura ist in der Praxis weder zentral noch fair
Zentralmatura - bereits im Namen liegt ihr Ziel. Als selbsterklärend könnte man dabei die Tatsache nehmen, dass alle Schüler mit gleichen Voraussetzungen ihre standardisierten Prüfungen bewältigen. Doch wenn einige Klassen bei der Deutschmatura am Computer und andere mit der Hand auf Papier schreiben müssen, dann wird deutlich: Hier kann man nicht von zentral, von Vergleichbarkeit und schon gar nicht von Fairness sprechen. Denn in fünf Stunden rund 1000 Worte mit der Hand zu verfassen, umständlich zu editieren, dann nochmals in Reinschrift abschreiben und vor dem Abgeben die genaue Wortanzahl zählen zu müssen, ist ein schwieriges - ja, im wahrsten Sinne des Wortes leidiges - Unterfangen. Am Computer hingegen fällt all das weg.

Unfair sind auch die je nach Schule unterschiedlichen Taschenrechner und Mathematik-Computerprogramme. Auch hier gibt es Unterschiede. Auch hier müssen diese angeglichen werden - oder man gibt unserer Zentralmatura einen neuen, der Realität entsprechenden Namen.

Soll eine Prüfung möglichst vergleichbar sein, so reicht es nicht, einheitliche Aufgabenstellungen zu erstellen. Denn die Korrektur ist mindestens genauso ausschlaggebend: Wer benotet? Der eigene Lehrer, der die Schüler über Jahre unterrichtet hat, ist von ihrem vergangenen Abschneiden und Verhalten voreingenommen. Bestes Beispiel dafür ist die Deutschmatura, bei der das Korrigieren, da es hier - zum Glück - nicht ums Kreuzchensetzen geht, im Ermessen und somit in den persönlichen Erwartungen und Vorlieben des Bewertenden liegt. Um hierbei wenn nicht Objektivität, so zumindest Unvoreingenommenheit garantieren zu können, sollten Arbeiten anonym von unterschiedlichen (vielleicht jeweils zwei) Lehrern korrigiert werden. Denn letztendlich ist das ja das Ziel einer Reifeprüfung: nicht nur möglichst zentral, objektiv und fair zu wirken, sondern es auch tatsächlich zu sein.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-28 16:31:45
Letzte Änderung am 2018-06-29 12:09:55


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