• vom 09.07.2018, 20:58 Uhr

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35 statt 60 Stunden - weniger ist mehr




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Von Bruno Rossmann

  • Parlament
  • Ein vernünftiger Vorschlag zur Flexibilisierung der Arbeitszeit beginnt mit ihrer Verkürzung!

Bruno Rossmann ist Klubobmann der Liste Pilz. Jeden Dienstag lesen Sie an dieser Stelle den Kommentar eines Vertreters einer Parlamentspartei.

Bruno Rossmann ist Klubobmann der Liste Pilz. Jeden Dienstag lesen Sie an dieser Stelle den Kommentar eines Vertreters einer Parlamentspartei. Bruno Rossmann ist Klubobmann der Liste Pilz. Jeden Dienstag lesen Sie an dieser Stelle den Kommentar eines Vertreters einer Parlamentspartei.

Vergangene Woche wurde unter dem Schlagwort "Arbeitszeitflexibilisierung" eine Gesetzesänderung beschlossen, die zwar die Flexibilität von Unternehmen, kaum aber jene von Beschäftigten erhöht. Merklich erhöht hat sich für Letztere nur die maximale Arbeitszeit - auf 12 Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche. Als Draufgabe wurde auch die bisher notwendige Zustimmung von Betriebsrat und Arbeitsmedizinern gestrichen. Was als "Anpassung an die moderne Arbeitsrealität" behauptet wurde, erinnert so tatsächlich eher an die Arbeitsrealität des 19. Jahrhunderts. Dabei liegen die Argumente gegen lange Arbeitszeiten und zu kurze Ruhepausen seit Jahrzehnten auf dem Tisch - wissenschaftlich fundiert und auch dem von der Regierung oft zitierten Hausverstand zugänglich. Das Unfallrisiko steigt. Die physische und psychische Belastung nimmt zu. Die Leistungsfähigkeit nimmt ab, im Falle von Verletzungen und stressbedingten Erkrankungen sogar dauerhaft. Deshalb ist eine Verlängerung der Arbeitszeit nicht nur sozial höchstbedenklich, sondern auch aus ökonomischer Sicht kontraproduktiv. Jeglicher kurz- oder längerfristige Leistungseinbruch schlägt sich auch negativ in der erbrachten Wertschöpfung nieder. Es ist daher kein Zufall, dass Länder mit einer niedrigeren durchschnittlichen Wochenarbeitszeit tendenziell eine höhere Produktivität aufweisen. Zugleich können sich produktivere Länder auch kürzere Arbeitszeiten leisten - wie etwa Schweden oder Dänemark. Österreich zählt auch zu diesen Ländern. Seit der letzten flächendeckenden Arbeitszeitverkürzung auf 40 Wochenstunden im Jahr 1975 hat sich das reale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf mehr als verdoppelt. Es ist längst überfällig, die österreichischen Arbeitnehmer an diesen Produktivitätsgewinnen teilhaben zu lassen - sowohl durch höhere Stundenlöhne als auch durch eine zeitliche Entlastung. Die kürzlich beschlossene Gesetzesänderung geht daher in die völlig falsche Richtung. Anstatt die Belastung auf bis zu 60 Wochenstunden zu erhöhen, muss das Ziel die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich sein. Ein vernünftiger Vorschlag zur Flexibilisierung der Arbeitszeit beginnt mit ihrer Verkürzung. Die Details der Arbeitszeitverkürzung sollten jedenfalls den Sozialpartnern überlassen werden, wie schon die beschlossene Gesetzänderung nicht an ihnen vorbei und über alle Branchen hinweg hätte beschlossen werden dürfen. Zugleich gilt: Wann, wenn nicht jetzt! Trotz guter Konjunktur zählen wir über 340.000 arbeitslose Menschen in Österreich, während unter den Beschäftigten die Zahl der Überlasteten weiter steigt. Setzen wir jetzt die nötigen Schritte und Anreize, um die bestehende Arbeit gerechter zu verteilen. Geben wir den Beschäftigten endlich mehr Zeit, sich ausreichend für die zukünftig zu erledigende Arbeit im Zeitalter der Digitalisierung zu rüsten. Stellen wir uns dieser Zukunft, anstatt uns in den Arbeitsmarkt des vorvorigen Jahrhunderts zurückkatapultieren zu lassen.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-09 17:56:00
Letzte Änderung am 2018-07-09 18:13:42


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