• vom 23.07.2018, 16:09 Uhr

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Update: 23.07.2018, 16:53 Uhr

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Von Arno Tausch

  • Bei der Integration der Muslime in Europa und speziell in Österreich gibt es auch viel Positives zu vermelden.

Das Minarett der Moschee des türkischen Kulturvereins Atip in Saalfelden im Pinzgau. - © APAweb / Gindl Barbara

Das Minarett der Moschee des türkischen Kulturvereins Atip in Saalfelden im Pinzgau. © APAweb / Gindl Barbara





Obwohl über die Integration der Muslime in Europa unendlich viel politisch gestritten wird, muss der an empirischer Evidenz interessierte Sozialwissenschafter bald feststellen, dass die für Datenerhebungen und Datenanalysen zuständigen europäischen Statistikbehörden - wie Eurostat, Eurobarometer oder Eurofound - nicht jene Evidenz zum Thema Muslime in Europa liefern, wie sie auf internationaler Ebene etwa vom PEW-Institut in Washington, vom "World Values Survey" der University of Michigan oder von der Anti-Diffamation League (ADL) in New York City seit Jahren vorgelegt werden.

Wären bessere gesamteuropäische und vergleichbare Daten über Leben, Werte, Arbeit, Einstellungen und Einkommen der Muslime in Europa verfügbar, würde sich der erbitterte Streit zwischen Anhängern und Gegnern der "Willkommenskultur" in Europa zugunsten einer lösungsorientierten Politik erübrigen, und tatsächliche Politik-Alternativen könnten - ausgehend von den wirklich real existierenden Verhältnissen - erarbeitet werden.

Information

Zum Autor

Arno Tausch ist Universitätsdozent der Politikwissenschaft und pensionierter Ministerialrat im Sozialministerium. Er hat in einer Reihe von Publikationen die Integrationsproblematik dezidiert in den weiteren Rahmen der Sozialpolitik der Europäischen Union gestellt, unter anderem bei den Verlagen L’Harmattan (Paris) und Rozenberg (Amsterdam).

Ein bisher wenig untersuchtes Thema

Wie steht es nun um Österreichs europäische Performance bei der Integration der Muslime? Eine seit den späten 1990ern entwickelte Methode in der Europäischen Union besagt ja, die Länder mit guter Praxis bei der Lösung eines Problems mit jenen mit schlechter Praxis zu vergleichen. Es gibt nun insbesondere seit dem Europäischen Rat von Lissabon im Jahr 2000 eine Fülle von anspruchsvoller sozialpolitischer Fachliteratur über die Rolle der Sozialpolitik in der EU, aber die Frage, wie die soziale Lage der Millionen Muslime auf unserem Kontinent aussieht und welche Politik zu einer erfolgreichen oder misslungenen Integration führt, ist nur wenig behandelt worden.

Um eine entsprechende europäische Perspektive der Betrachtung dieser diffizilen Frage zu erarbeiten, stehen an sich die Daten des "European Social Survey" (ESS) zur Verfügung. In Ermangelung entsprechender Untersuchungen von Eurobarometer etc. sind sie wenigstens die zweitbeste Antwort auf die Frage, wie arm oder reich, wie ausgeschlossen oder integriert die Muslime in Europa sind und wie die von ihnen vertretenen politischen und sozialen Werte aussehen.

Der ESS ist eine wissenschaftlich geleitete und länderübergreifende Umfrage, die in Europa alle zwei Jahre durchgeführt wird. Wichtig ist, dass sich auch Länder außerhalb der EU regelmäßig daran beteiligen, darunter Israel, das eine Weltklasse-Sozialwissenschaft besitzt und in dem nach dem Bevölkerungsanteil gemessen heute die größte muslimische Bevölkerung in einer westlichen Demokratie lebt.




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Dokument erstellt am 2018-07-23 16:17:11
Letzte Änderung am 2018-07-23 16:53:43


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