• vom 23.07.2018, 16:09 Uhr

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Update: 23.07.2018, 16:53 Uhr

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Die ESS-Stichprobenziehungen sind repräsentativ für alle Personen ab 15 Jahren (es gibt keine Altersgrenze nach oben hin) mit Wohnsitz in Österreich, unabhängig von Nationalität, Staatsangehörigkeit oder Sprache. Die Stichprobengröße von mehr als 2000 Personen garantiert, dass die Muslime in Europa mit ausreichend großen Subsamples (über n=30) zu Wort kommen, um eine wenigstens annähern vernünftige statistische Aussage treffen zu können, wenn auch die kleinen Samples eine höhere Fehlerspanne verursachen.

Integrationsdefizite und Integrationsguthaben

Mithilfe des ESS lässt sich nun die Integration der Muslime anhand folgender Vergleichszahlen für die Periode von 2012 bis 2016 einschätzen:

  • eine möglichst hohe Identifikation mit dem parlamentarischen System;
  • eine möglichst hohe Identifikation mit dem Justizsystem;
  • eine möglichst hohe Identifikation mit der Polizei;
  • eine möglichst hohe Identifikation mit dem Demokratiesystem:
  • eine möglichst hohe Integration in jene Gesellschaftsschichten, die nicht durch extreme Armut gekennzeichnet sind.

Im Kontext der Ergebnisse sei daran erinnert, dass die Harvard-Professorin Pippa Norris zu Recht darauf hingewiesen hat, dass die Wertanpassung an die Mehrheit in den Migrationsempfangstaaten in den Bereichen Gender und Familie weit langsamer ist als etwa im Bereich Arbeit und Politik. Einer der überraschendsten Aspekte ist, dass angesichts massiver Einbrüche unter der europäischen Mehrheitsbevölkerung ab der Krise 2008 in Bereichen wie Steuermoral, Vertrauen in zentrale Institutionen des Staates und in die Demokratie schlechthin die Muslime in Europa oft einen - im Vergleich zur Gesamtbevölkerung - Überschuss an Integration aufweisen. Das mag auf den ersten Blick paradox erscheinen, ist aber eine empirische Tatsache. Außer auf der ökonomischen Ebene besteht etwa in Österreich bei den gewählten Indikatoren gar kein Integrationsdefizit der Muslime.

Die Leistungen eines jeden Landes bei der Integration der Muslime können nun, wie in früheren Untersuchungen zum Thema, mit der vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) entwickelten bekannten Methode ("Human Developent Index") statistisch weiterverarbeitet werden. Zunächst werden alle Komponenten auf eine Skala von 0 bis 1 übertragen, und die Komponenten werden dann mit einem Gewicht von jeweils einem Fünftel (5 Indikatoren) aufaddiert. Österreich hatte nach diesen Daten 2016 die drittbeste Performance unter den Ländern mit vorhandenen ESS-Daten (siehe Grafik).

Schweden - doch kein gutes Vorbild für Österreich?

Zu beachten wären dabei die enttäuschenden Werte von Schweden, Frankreich und Spanien sowie die schlechte Performance von Israel und Bulgarien, die beide eine relativ große muslimische Minderheit haben. Im Vergleich zu früheren Jahren ist Israel in der Skala abgerutscht.

Analog zum "Gender Empowerment Measure" des UNDP, der die Diskriminierung der Frauen misst, schätzen wir im Folgenden die Kluft in den Lebensbedingungen der Muslime zur Gesamtgesellschaft bei den zuvor aufgezählten fünf Vergleichszahlen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-23 16:17:11
Letzte Änderung am 2018-07-23 16:53:43


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